27. Januar 2017
Themen

Wo sich das Umfeld den Menschen anpasst

Für ältere Menschen ist die Wohn-Infrastruktur ein wichtiges Kriterium – Kurze Wege und passgenaue Hilfen vor Ort

Die meisten wollen, so lange es irgendwie geht, in der eigenen Wohnung leben. Das ist umso leichter, wenn nicht nur die Wohnung selbst, sondern auch das Umfeld auf die Bedürfnisse älterer Menschen ausgerichtet wird. Für Städte und Gemeinden ist es die Herausforderung der Zukunft, Wohnquartiere unter Berücksichtigung des demografischen Wandels neu zu gestalten und anzupassen.

Marianne Grabowsky in ihrem Büro in der
Marianne Grabowsky (rechts) berät in der "Viertel Box" im Märkischen Viertel in Berlin zu vielen alltäglichen Fragen und Problemen. | © Foto: Lia Darjes

Hochhaus reiht sich an Hochhaus, dazwischen pulsierende Straßen und grüne Inseln: Großstadtleben im Märkischen Viertel in Berlin, der ersten großen Neubausiedlung im einstigen West-Berlin. Anonym und hektisch ist es hier nur auf den ersten Blick. Wer am „Märkischen Zentrum“ aus dem Bus steigt und in der „Viertel Box“ vorbeischaut, lernt die gemütliche Seite der Gegend kennen.

„Komm’ Se rin in die jute Stube“, lädt Marianne Grabowsky Neugierige und Unentschlossene bestimmt, aber herzlich ein. Zweimal in der Woche hat sie Sprechstunde in der „Senioren-Infothek Märkisches Viertel“, genannt „Viertel Box“. Sie hilft in allen Fragen des täglichen Lebens weiter, vermittelt, kümmert sich. Das können Fragen sein von „Wo finde ich einen Facharzt?“ über „Wo kann ich Sport treiben?“ bis hin zu „Wer berät mich in puncto Pflege?“ Die Infothek ist Teil des „Netzwerks Märkisches Viertel“, das 2003 auf Initiative der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft Gesobau gegründet wurde. Unter dem Motto „Hier will ich bleiben“ unterstützen die verschiedenen Netzwerkpartner Senioren dabei, ihren Alltag besser zu bewältigen.

„Ich bin selbst alt und weiß, was ältere Menschen brauchen“, erklärt Marianne Grabowsky, die seit 1969 im Märkischen Viertel wohnt. Es gehe um mehr als Supermarkt, Ärzte und Apotheke vor der Haustür. „Wer hier wohnt, soll sich wohlfühlen und auf Wunsch Anschluss an Vereine, Gruppen oder die Nachbarn bekommen“, so die 70-Jährige. Besonders wichtig sei das für all jene, die stark mobilitätseingeschränkt sind und ihre Wohnung kaum noch verlassen können.

In den Seniorenwohnhäusern, wo sehr kleine altersgerechte Wohnungen vorgehalten werden, ist Manfred Grabowsky die „gute Seele des Hauses“. „An ihm kommt keiner vorbei“, scherzt Ehefrau Marianne. Ihm falle es auf, wenn der 85-jährige Mieter aus Parterre plötzlich nicht mehr seinen Nachmittagsspaziergang macht. Dann schaut Manfred Grabowsky nach dem Rechten. Hier muss keiner Angst haben, in der Anonymität unterzugehen oder vergessen zu werden.

Ein weiterer Teil des großen Netzwerks, das bereits mehrfach ausgezeichnet wurde, ist das Projekt „Nachbar hilft Nachbar“. „Es geht um Hilfe, aber auch um Gesellschaft für Menschen, die allein sind“, erläutert Projektverantwortlicher Jürgen Marx. Menschen spenden ihre Zeit für andere und helfen ihnen bei alltäglichen Dingen wie Einkaufen oder kleineren Reparaturen im Haushalt. „Ist der Kontakt erst einmal hergestellt, entwickelt sich das Miteinander ganz von alleine“, so Marx.

Eine Art strukturierter und gut organisierter Selbstläufer ist das gesamte „Netzwerk Märkisches Viertel“ in den vergangenen Jahren geworden. „Es lebt von einer starken Basis und Menschen, die sich einbringen wollen und an einem Strang ziehen“, erklärt Helene Böhm, die sich bei der Gesobau um soziale Quartiersentwicklung kümmert. Das Projekt sei auch gut auf andere Quartiere mit anderen Bedingungen anwendbar. Voraussetzung seien lediglich eine stabile Basis, die auch die kommunale Verwaltung sein kann, und engagierte Menschen, die ihr Umfeld selbst gestalten möchten. „Diese Menschen gibt es überall, man muss nur auf sie zugehen“, ist sich Marianne Grabowsky sicher.

Mehr Infos zur "Viertel Box" im Märkischen Viertel in Berlin:

www.mein-maerkisches-viertel.de/viertel-box

Beispiele

Das vom Deutschen Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V. koordinierte Bundesprogramm „Anlaufstellen für ältere Menschen“ zeigt, wie auch anderswo neue Wege gegangen werden, um Wohnen und Leben für Ältere attraktiver zu gestalten, so wie im Märkischen Viertel in Berlin. Hier einige Beispiele:

  • In Neunkirchen im Saarland bietet ein Verein in den Dörfern und städtischen Randgebieten einen Mittagstisch an. Alleinlebende Senioren haben so die Möglichkeit, gut versorgt zu werden und sich nebenbei noch auszutauschen.
  • „Von Tür zu Tür“ heißt das Konzept in Dorsten in Nordrhein-Westfalen. Ältere Menschen wurden zu Hause besucht, um Angebote passgenau entwickeln zu können.
  • In der hessischen Kleinstadt Ebersburg hat ein Verein verschiedene Anlaufstellen wie Beratungen, Fahrdienste und einen Mittagstisch für Senioren entwickelt.
  • Altersdepressionen waren das Thema in Oberreichenbach im Schwarzwald. Ein Netzwerk vermittelt dort Ehrenamtliche für Hauswirtschaft und Betreuung.

ikl

Schlagworte Viertel Box | Berlin | Märkisches Viertel | Nachbarschaft | Wohnen und Leben | Ältere | Senioren | Projekte | Infrastruktur | Wohnen im Alter | Beratung

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