27. September 2016
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Armutsgefährdung ist alarmierend

VdK fordert, Armut in allen Altersgruppen wirksam zu bekämpfen

Immer mehr Menschen in Deutschland sind von Armut bedroht. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Statistischen Bundesamts zur Armutsgefährdung im Jahr 2015. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher nannte die Zahlen alarmierend.

Arme Kinder haben schlechtere Teilhabechancen. | © imago/Schöning

Laut Statistik ist die Armutsgefährdungsquote im Vergleich zu 2014 von 15,4 auf 15,7 Prozent im Jahr 2015 gestiegen. "Es ist beschämend für ein reiches Land wie Deutschland, wenn 15,7 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht sind", so Präsidentin Mascher. Vor allem Alleinerziehende, Ältere, Erwerbsgeminderte und Langzeitarbeitslose müssen jeden Cent zweimal umdrehen, damit das Geld zum Leben reicht. Viele können sich Medikamente nur leisten, wenn sie an anderer Stelle sparen, beispielsweise bei Strom- und Heizkosten.

Fast zwei Millionen Kinder in Deutschland sind auf Hartz IV angewiesen. Eine Million dieser Kinder wachsen mit nur einem Elternteil auf, meist der Mutter. Trotz guter Wirtschaftskonjunktur ist ihre Zahl seit 2011 um 52.000 gestiegen, wie eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt.

Wirksame Armutsbekämpfung muss aus Sicht des VdK bereits im Kindesalter beginnen. Dazu gehört etwa ein bedarfsgerechter Hartz- IV-Regelsatz, der Armut verhindert, gute Teilhabemöglichkeiten bietet sowie vor Ausgrenzungen in der Gesellschaft schützt. "Die geplanten Hartz-IV-Regelsätze werden nicht reichen. Sie sind immer noch zu niedrig", so Mascher.

Um Armut in allen Altersgruppen nachhaltig zu bekämpfen und zu vermeiden, fordert der VdK von der Politik übergreifende Maßnahmen. Mascher: "Erst durch das Zusammenwirken von Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, von Bildungs-, Familien-, Gesundheits- und Wohnungspolitik kann Armut nachhaltig bekämpft werden."

Einkommensarmut

Eine wesentliche Ursache für Altersarmut ist Einkommensarmut. Daher will der VdK einen deutlich höheren gesetzlichen Mindestlohn und eine Eindämmung des Niedriglohnsektors. Ziel muss es sein, dass Menschen wieder von ihrer Arbeit leben können und dass sie die Chance haben, selbst eine angemessene Alterssicherung oberhalb des Grundsicherungsniveaus aufzubauen. "Davon würden vor allem Frauen profitieren, die oft in Teilzeitarbeit, prekären Beschäftigungen und Minijobs sind", betont VdK-Präsidentin Mascher.

Um Armut entgegenzuwirken, muss mehr Geld für nachhaltige Programme zur Wiedereingliederung Langzeitarbeitsloser bereitgestellt werden. Auch in der Rentenpolitik besteht dringender Handlungsbedarf.
Damit das Armutsrisiko nicht weiter steigt, muss das Rentenniveau stabilisiert werden. Um der Altersarmut entgegenzuwirken, fordert der VdK einen Freibetrag von 100 Euro für Grundsicherungsbezieher sowie die Abschaffung der Abschläge für Erwerbsminderungsrentner. 

Sabine Kohls

Schlagworte Armut | Armutsgefährdung | Altersarmut | Kinderarmut | Einkommensarmut | Hartz IV | ALG 2

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