25. August 2022
VdK-Zeitung

Zwangsmigration: Millionen Menschen verloren ihre Heimat

Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung widmet sich der Zwangsmigration in Geschichte und Gegenwart

Viele Deutsche fühlen sich bei den Bildern vom Krieg in der Ukraine an ihre eigene Flucht erinnert. Rund 14 Millionen Deutsche mussten infolge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verlassen. Das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin beleuchtet die Ursachen von Zwangsmigration, widmet sich dem Schicksal nicht nur deutscher Betroffener und schlägt einen Bogen in die Gegenwart.

Exponate der Sonderausstellung
Blick in den Ausstellungsraum des Dokumentationszentrums, hier die Sonderausstellung "Unser Mut. Juden in Europa 1945-48" | © Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung

Der Krieg tobte 1945 in Niederschlesien unerbittlich: Viele Deutsche ergriffen aus Angst vor der vorrückenden Roten Armee die Flucht in Richtung Westen. Da­runter auch Margita Paetsch und ihre Tochter. Für den Fall, dass Astrid in den Kriegswirren verloren gehen sollte, ritzte die Mutter die Heimatadresse in die Innenseite des braunen Brustbeutels und legte ihn Astrid um den Hals: „Astrid Paetsch Fraustadt/Schl. Adolf Hitler Straße 3“. Der Lederbeutel ist heute in einer Glasvitrine der Ausstellung des Dokumentationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung in Berlin zu sehen.

Ein weiteres Exponat ist die Armbinde von Hermine Sprinz, die sie bis zu ihrer Vertreibung aus der böhmischen Heimat im Sommer 1946 tragen musste. Auf dem schmutzigen Stück Stoff steht der Buchstabe „N“ für „Niemec“, das im Tschechischen „Deutsch“ heißt. Deutsche wurden so stigmatisiert und nach dem Krieg für die Gräueltaten der Nazis verantwortlich gemacht. Sie mussten von den Tschechoslowaken Demütigungen über sich ergehen lassen.

Als die deutschen Truppen nach ihrem barbarischen Feldzug zurückgedrängt wurden, richtete sich der Zorn der einheimischen Bevölkerung auch in anderen Regionen oft gegen die Deutschen. Nur wenige entschieden sich, dennoch in ihrer alten Heimat zu bleiben. Viele wurden später vertrieben.

Schwierige Integration

Die Ausstellung zeichnet anhand historischer Karten nach, aus welchen Regionen Geflüchtete und Vertriebene kamen. Während die Deutschen Rumänien, Jugoslawien, Schlesien, Ostpreußen und Pommern verließen, drängte die Sowjetunion wiederum rund 1,7 Millionen Polen und Ukrainer aus Ostpolen, das sich Stalin einverleibt hatte. Diese Menschen wurden oft in den neuen polnischen Westgebieten wie Schlesien angesiedelt.

Ein weiterer Bereich im Dokumentationszentrum widmet sich der Integration deutscher Flüchtlinge und Vertriebener in Nachkriegsdeutschland, die nicht ohne soziale Spannungen verlief. Damit wird die Gründungsphase der jungen Republik beleuchtet, in der sich auch der Sozialverband VdK gründete. Der VdK trat für die Rechte Kriegsbeschädigter ein und leistete einen wichtigen sozialpolitischen Beitrag in jener Zeit.

Wie aktuell das Thema Flucht und Vertreibung ist, macht die Ausstellung mit Hinweisen auf jüngste Flüchtlingsbewegungen innerhalb Afrikas sowie aus Syrien und der Ukraine deutlich.

Jörg Ciszewski

Schlagworte Dokumentationszentrum | Flucht | Migration | Vertreibung

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