6. Januar 2022
VdK-Zeitung

Teurer Schlüsseldienst

Wer sich versehentlich aus der Wohnung ausschließt, kann hinterher sein blaues Wunder erleben: Unter den Schlüsseldiensten gibt es viele schwarze Schafe, die horrende Preise verlangen. Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt, wie man seriöse Anbieter erkennt und sich gegen Betrüger zur Wehr setzt.

Das Bild zeigt eine Hand, die einen Schlüssel hält, im Hintergrund ist ein Ausschnitt der Haustür zu ssehen.
© unsplash

Die Tür fällt ins Schloss, und drinnen liegt der Schlüssel. Das kann jedem passieren. Doch das Malheur kann teuer werden: Bis zu 1000 Euro und mehr fordern betrügerische Schlüsseldienste für ihre Leistungen – ein Vielfaches von den in der Branche üblichen Preisen. „Ein seriöser Anbieter berechnet etwa 80 bis 90 Euro brutto für eine einfache Türöffnung, an Sonn- und Feiertagen maximal das Doppelte“, sagt Bauer. Er rät, den Dienstleister zuvor genau unter die Lupe zu nehmen.

Das fängt schon bei der Suche an: Wer Hilfe braucht, neigt dazu, die erstbeste Telefonnummer zu wählen, um das Missgeschick so schnell wie möglich zu beheben. Das wissen auch Betrüger. Deshalb haben sie in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass ihr Notdienst bei der Google-­Suche im Internet ganz oben landet. Zwar hat Google mittlerweile diese bezahlten Anzeigen für Schlüsseldienste in Deutschland zumindest vorläufig verboten. „Dennoch sollte man bei der Auswahl einen kühlen Kopf bewahren“, rät Bauer.

„Es ist empfehlenswert, einen ortsnahen Dienst zu wählen, damit die Anfahrtskosten nicht zu hoch ausfallen“, sagt er. Wer im Internet nach einem Anbieter sucht, sollte darauf achten, dass die Webseite ein Impressum hat und der Betreiber namentlich genannt wird. Am Telefon lässt sich erfragen, woher der Handwerker kommt, wo die Firma ansässig ist, und wie viel die Türöffnung kosten soll. Dazu ist es wichtig, die Situation am Telefon genau zu beschreiben – etwa, um welche Art von Schloss es sich handelt, und ob der Schlüssel von innen steckt oder abgebrochen ist.

Manchmal ist es auch möglich, einen verbindlichen Festpreis zu vereinbaren, der bereits die Anfahrt und eventuelle Zuschläge enthält. Hellhörig sollte man werden, wenn Firmen behaupten, sie könnten erst vor Ort sehen, wie aufwendig der Einsatz sein wird.

Unseriöse Dienstleister werden meist über Callcenter vermittelt. Sie verlangen nicht nur horrende Preise, sondern liefern oft auch schlechte Qualität. So sei es schon vorgekommen, dass bei der Türöffnung das Schloss oder der Türrahmen beschädigt wurde, warnt der Experte.

Auch bei der Anfahrt gibt es einige Anzeichen, an denen sich ein teurer Schlüsseldienst erkennen lässt. „Oft sind es mehrere Handwerker, obwohl nur einer benötigt wird. Sie kommen in einem Privatfahrzeug und haben kein Werkzeug dabei“, erklärt Bauer. Selbst zu diesem Zeitpunkt könne man die Türöffnung noch stoppen, so der Experte: „Schwierig wird es erst, wenn die Handwerker schon an der Tür werkeln. Dann hat man quasi einen Vertrag mit ihnen geschlossen.“

Noch vor Vergabe des Auftrags sollte man deshalb genau festlegen, was gemacht werden soll. Manche Handwerker tauschen etwa das ganze Schloss aus, obwohl das nicht notwendig wäre. Außerdem lohnt es sich, das Auftragsformular genau anzusehen. Ist es unvollständig ausgefüllt, fehlen Pflichtangaben, wie beispielsweise die Steuernummer des Unternehmens, oder enthält es fehlerhafte Angaben, rät Bauer, nicht zu unterschreiben, sondern lieber einen anderen Dienstleister zu beauftragen.

Nötigung und Bedrohung

Meist wird das Formular im Nachhinein um mehrere Pauschalen „ergänzt“, und der Rechnungsbetrag steigt enorm an. Die Täter sind in der Regel gut geschult und überreden das Opfer, sofort und in bar zu bezahlen. Manchmal üben sie erheblichen Druck aus und erzwingen es, mit ihnen zur Bank zu fahren. Darauf solle man sich unter keinen Umständen einlassen, rät Bauer: „Nötigung und Bedrohung sind Straftaten. In solchen Fällen ist es besser, die Polizei zu rufen.“ Oft ergreifen die Täter dann schnell die Flucht.

Einmal gezahlt, lässt sich das Geld meist nicht wieder zurück­holen. Das liegt auch daran, dass viele Firmen gefälschte Adressen haben und deshalb kaum juristisch belangt werden können. „Wenn Sie bezahlt haben, ist das Geld weg“, sagt Bauer. „Deshalb gilt: Je früher Sie aus der Sache herauskommen, desto besser.“

Annette Liebmann

Schlagworte Schlüsseldienst | Dienstleistungen | Betrüger

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