9. Dezember 2021
VdK-Zeitung

Von den Alpen bis zur Adria

TV-Reporter radelt mit seinem an Alzheimer erkrankten Vater bis ans Mittelmeer

Das Bild zeigt einen Weg in den Alpen
© unsplash

Boulevard-Reporter Philipp Hageni hat mit seinem Vater im Sommer eine Fahrradtour von Arnoldstein in Österreich bis nach Grado an der Nordküste der Adria unternommen. Doch das war nicht irgendeine Reise. Denn Rainer Hageni leidet an Alzheimer. Sein Sohn kam auf die Idee, den gemeinsamen Trip zu filmen. Daraus ist eine sehr persönliche, einfühlsame Fernseh-­Reportage geworden, die in drei Teilen beim „Frühstücksfernsehen“ des Privatsenders Sat.1 ausgestrahlt worden ist.

Der kurze Dialog zwischen Vater und Sohn ist eine Szene mit leisem Humor. „Ich habe eine spezielle Sorte von Alzheimer. Bei mir vertrocknet die Hypophyse, das Kleinhirn“, erklärt Rainer Hageni dem Publikum seine Krankheit. „Du guckst also völlig klar raus, aber deine Bewegungen sind eingeschränkt?“, hakt Philipp Hageni nach. „Meine Bewegungen sind unkontrolliert wie bei einem Besoffenen“, bestätigt der 77-Jährige und schmunzelt. „Du hast Honig in der Bewegung“, schlussfolgert der Sohn.

Damit spielt er auf einen erfolgreichen deutschen Kinofilm über das Thema Demenz an: In dem Spielfilm „Honig im Kopf“ von 2014, Regie Til Schweiger, verkörperte Dieter Hallervorden einen Großvater, der an Alzheimer erkrankt ist. „Honig im Kopf“ ist eine Metapher für den schleichenden Abbauprozess im Gehirn, wodurch es zu Gedächtnis- und Orientierungsverlust kommt.

Rainer Hageni ist nicht von Demenz betroffen. „Doch die nachlassende Motorik macht ihm sehr zu schaffen“, erzählt sein Sohn der VdK-ZEITUNG. „Diese Erkrankung hat er nun seit drei Jahren. Seit zwei Jahren wird es schlimmer. Er ist ein praktisch veranlagter Mensch und hat viel mit den Händen gemacht. Dass das jetzt nicht mehr geht, macht ihn traurig“, bedauert der 45-Jährige.

Philipp Hageni hat seinen Vater während der viertägigen Tour mit dem Rollstuhl mitgenommen, den er vorne an sein Fahrrad geschraubt hat. Beschwerlich sei die Fahrt nicht gewesen. „Ich bin ein sportlicher Typ. Außerdem sind wir die meiste Zeit abwärtsgerollt“, räumt er ein und lacht. Überhaupt kommt der Humor nicht zu kurz. So erklärt der gebürtige Sachse, weshalb sein Vater eine sowjetische Panzerhaube statt eines Fahrradhelms trägt. „Er hat eben ein starkes Faible für Russland.“
Mit seiner Reportage möchte er ein Stück von der unerschöpflichen Fürsorge zurückgeben, die er in seinem Elternhaus erfahren hat. „Mein Vater war vor seinem Ruhestand evangelischer Pastor. Meine Eltern waren in Freiberg sehr aktiv in der Behindertenhilfe. In der ehemaligen DDR sind es vor allem die Kirchen gewesen, die sich hier engagiert haben. Das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung war für mich völlig normal.“ Gleichzeitig sendet er eine Botschaft an Jung und Alt: „Kümmert euch umeinander!“

Nächstes Ziel New York

Angefangen hatte alles damit, dass sein Bruder dieselbe Tour mit dem Vater bereits im Mai geradelt war. Nachdem Philipp Hageni ein Foto dieser Reise in einem sozialen Netzwerk veröffentlicht hatte, erntete dies zahlreiche begeisterte Reaktionen, die ihn dazu ermutigten, diesen Trip einmal selbst zu versuchen. Dieses Mal mit Kamera-Begleitung. „Mein Vater und ich sind beide reiselustig und haben keine Scheu, in der Öffentlichkeit zu stehen. Sonst wäre der Film nicht entstanden.“
Nun haben die beiden ein neues Ziel: New York City. Die Flüge sind schon gebucht. „Am 5. Dezember geht’s los. Meine Mutter kommt mit auf die Reise.“ Im Gepäck sind natürlich wieder das Rollstuhlfahrrad und die sowjetische Panzerhaube.

Tipp: Die Reportage ist im Internet bei YouTube zu finden.

Elisabeth Antritter

Schlagworte Demenz | Reise | Rollstuhl

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