6. Februar 2019
VdK-Zeitung

Cindy Berger: Schlagerstar, VdK-Mitglied und ehrenamtliche Helferin

„Es ist nichts schöner, als gebraucht zu werden“

Ihren größten Hit „Immer wieder sonntags“ haben noch viele der Generation 50 plus im Ohr. Doch das Schlagerduo „Cindy & Bert“ gibt es nicht mehr. Jutta Berger (Künstlername: Cindy Berger) engagiert sich heute als Alltagsbegleiterin für Senioren. Das prominente VdK-Mitglied spricht mit der VdK-Zeitung über ihre Aufgabe und ihr neues Leben in Berlin.

Cindy Berger sitzt neben VdK-Zeitungsredakteurin Ines Klut auf einem Sofa.
Cindy Berger (links) im Interview mit Ines Klut, Redakteurin der VdK-Zeitung. Sie beiden plauderten über Cindy Bergers Leben, ihr ehrenamtliches Engagement und ihre VdK-Mitgliedschaft. | © VdK

VdK-Zeitung: Ihre zweite Karriere ist so ganz anders als Ihre erste. Als Alltagsbegleiterin sorgen Sie dafür, dass es alten Menschen gut geht. Wie sind Sie dazu gekommen?

Cindy Berger: Nach dem Tod meiner Mutter, um die ich mich lange gekümmert habe, bin ich in ein Loch gefallen. Ich habe mich gefragt: Was kommt jetzt? Die erste Antwort, die ich damals fand, war, zu meinem Sohn nach Vietnam zu gehen. Ein Leben unter Palmen schien mir vor drei Jahren ein Ziel zu sein.

VdK-Zeitung: Warum haben Sie sich anders entschieden?

Cindy Berger: Nach dem Urlaub bei meinem Sohn war ich fest entschlossen, auszuwandern. Ich habe meine Wohnung aufgelöst, Sachen verkauft und verschenkt, mich von allen Dingen getrennt, die mir einst wichtig waren. Und dann fragte mich meine Tochter: Mama, was willst du eigentlich in Vietnam tun? Da bin ich aufgewacht und habe gemerkt: Urlaub für immer, das ist nichts für mich.

VdK-Zeitung: Die Vorstellung scheint für einige dennoch sehr verlockend zu sein. Warum nicht für Sie?

Cindy Berger: Ich brauche etwas, was mich erfüllt, eine Aufgabe. Früher mit „Cindy & Bert“ waren es die Auftritte, die Termine. Wir waren ständig unterwegs. Auch als Solokünstlerin habe ich diese Art von Leben geführt. Ich kannte es nicht, mich länger auszuruhen. Deshalb beschloss ich, noch einmal neu anzufangen.

VdK-Zeitung: Sie haben Ihre Mutter gepflegt. Sind Sie deshalb Alltagsbegleiterin geworden?

Cindy Berger: Nein, eher nicht. Ich wusste ja gar nicht, ob ich das auch außerhalb der Familie kann. Ich habe von dieser Arbeit gelesen und habe es einfach probiert. Relativ schnell merkte ich, dass es genau das Richtige für mich ist.

VdK-Zeitung: Was machen Alltagsbegleiter?

Cindy Berger: Ich leiste keine Pflege wie eine professionelle Kraft. Dafür habe ich ja gar keine Ausbildung. Ich gehe zu den Menschen nach Hause und mache das, was gerade anfällt. Ich koche, helfe im Haushalt, gehe mit den Senioren einkaufen oder bin einfach nur da, höre zu oder leiste ihnen Gesellschaft.

VdK-Zeitung: Singen Sie auch Ihre Hits von damals gemeinsam?

Cindy Berger: Viele kennen mich nicht als Cindy Berger. Denen ist es auch egal, wer ich mal war. Ihnen ist wichtig, dass sie sich auf mich verlassen können.


Cindy Berger – Ein engagiertes VdK-Mitglied

"Immer wieder sonntags ..." - In den 1970ern schrieb sie als Teil des Gesangsduos "Cindy und Bert" Schlager-Geschichte. Heute lebt Cindy Berger in Berlin. Mit VdK-TV spricht sie über ihr neues Leben, ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Mitgliedschaft im VdK.


VdK-Zeitung: Was brauchen diese Menschen?

Cindy Berger: Vielen fällt es schwer, allein zu sein. Sie brauchen einen Menschen, der verlässlich für sie da ist. Natürlich brauchen sie auch Unterstützung bei alltäglichen Verrichtungen. Das ist es aber nicht allein, sondern die Gesellschaft. Es gibt nichts Schlimmeres als Einsamkeit und das Gefühl, abgeschoben und nichts mehr wert zu sein. Bei alten Menschen, die dieses Gefühl haben, leidet nicht nur die Psyche, es wirkt sich auch körperlich negativ aus.

VdK-Zeitung: Geht es den Menschen besser, wenn Sie da sind?

Cindy Berger: Ja, das spüre ich ganz deutlich. Wenn ich mich verabschiede, drücken sie meine Hand und vergewissern sich, ob ich wiederkomme. Ich bin ein Teil ihres Lebens geworden. Einige haben Fortschritte gemacht, es geht ihnen besser.

VdK-Zeitung: Warum schöpfen Sie viel Kraft aus diesem Engagement?

Cindy Berger: Ich kann mir ein Leben ohne diese Aufgabe nicht mehr vorstellen. Ich fahre höchst ungern in den Urlaub, weil ich dann befürchte, dass es meinen Senioren nicht gut geht. Es ist nichts schöner, als gebraucht zu werden.

VdK-Zeitung: Sie sind also gern mit alten Menschen zusammen?

Cindy Berger: Ja. Sie haben so viel erlebt und geleistet. Nur viele wollen das heute nicht mehr wissen. Das finde ich sehr schade, weil wir auch für unser Leben viel von alten Menschen lernen können. Auch wenn man selbst schon 70 ist, wie ich.

VdK-Zeitung: Sie wohnen in einer Zweier-WG. Ihr Mitbewohner ist 30 Jahre jünger als sie. Wie läuft der Alltag?

Cindy Berger: Es ist ein Geschenk für mich, mich mit Jüngeren und Älteren austauschen zu können. Ich habe Gesellschaft in der WG, wenn wir beide es möchten. Wenn ich mit Gleichaltrigen zusammen bin, merke ich, dass vielen dieser Austausch fehlt und sie oft nur die eigene Perspektive haben. Das WG-Zimmer habe ich von meiner Tochter übernommen. Es sollte nur eine Übergangslösung sein, aber jetzt ist es gut, so wie es ist. Ich habe mich selten so wohl gefühlt, so völlig frei und ohne unnötigen Ballast.

VdK-Zeitung: Hören Sie noch Ihre alten Hits?

Cindy Berger: Es braucht den richtigen Anlass. Den ganzen Tag Schlager hören, das könnte ich nicht. Ich bin offen für viele Musikrichtungen. Jedes Lied, das gut ist, hat seine Berechtigung. Interview: Ines Klut

Ich bin im VdK, weil ...

Auch der VdK gehört zum neuen Leben von Jutta Berger. Wie viele andere, die zum VdK kommen, brauchte auch sie Hilfe:

„Gemeinsam mit Bert habe ich jahrelang freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Als ich dann Rentnerin wurde, war ich froh, dass es den VdK gab. Ich wusste nicht, welche Unterlagen ich brauche und welche ich noch besorgen muss. Das hat alles der VdK für mich erledigt. Allein hätte ich das wahrscheinlich nicht geschafft und keine Rente bekommen. Ich bin Mitglied geblieben, weil ich gut finde, wofür der VdK steht. Und vielleicht brauche ich ja noch einmal Hilfe.“

Schlagworte Cindy Berger | Cindy und Bert | Schlager | Interview | Ehrenamt | Engagement | Jutta Berger | Alltagsbegleiter

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