1. Juni 2022
So hilft der VdK

VdK-Mitglied darf mit Begleitung ins Krankenhaus

VdK Saarland setzt durch, dass ALS-Patient seine Ehefrau zur jährlichen Untersuchung mitnehmen darf

Wenn VdK-Mitglied Wilhelm Klein nachts die Beatmungsmaske verrutscht, wenn er sich verschluckt und dadurch keine Luft mehr bekommt, ist er in Lebensgefahr. Klein leidet an ALS, und seine Atemmuskulatur arbeitet nicht mehr ausreichend. Alleine ist er hilflos. Trotzdem lehnte die Krankenkasse ab, dass seine Frau ihn während eines Krankenhausaufenthalts begleitet. Der VdK Saarland setzte sich erfolgreich für sein Mitglied dagegen zur Wehr.

Symbolfoto: Eine Frau schiebt einen Mann im Rollstuhl durch einen Krankenhaus-Flur
Viele Menschen wünschen sich, im Krankenhaus eine Begleitung mitnehmen zu können. In manchen Fällen besteht ein rechtlicher Anspruch auf die damit verbundene Kostenübernahme durch die Krankenkasse. (Symbolbild) | © IMAGO / photothek

Wilhelm Klein leidet an amyotropher Lateralsklerose – kurz ALS – und ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Die unheilbare Krankheit schädigt Zellen des ­zentralen Nervensystems, die Befehle an die Muskulatur weitergeben, um Bewegungen auszuführen. Die Krankheit führt zu einem allmählichen Muskelschwund. Klein kann seine Beine nicht mehr bewegen und die Arme kaum noch. Er hat nur noch wenig Kraft in Bauch und Rücken, um frei zu sitzen.

Hilfe beim Essen

Bei den Mahlzeiten helfen ihm der Pflegedienst oder seine Frau, sie reichen ihm meist das Essen an. Manchmal schafft er es, mit der linken Hand zuzugreifen. „Aber eigentlich kann ich nur noch die Knöpfe auf der Fernbedienung drücken, sonst funktioniert kaum noch etwas“, beschreibt er seine Situation.
Nachts betreut ihn ein Intensivpflegedienst. Dieser wacht über Kleins vitale Körperfunktionen und darüber, ob die Beatmungsmaske korrekt sitzt. Ist das nicht der Fall, wird es für ihn gefährlich. Denn das nicht ausgeatmete Kohlendioxid kann ihn vergiften, oder er droht zu ersticken.

Einmal im Jahr untersuchen Ärzte in einem Schlaflabor, ob Kleins Beatmungstherapie richtig eingestellt ist. Dazu muss der 58-Jährige in ein Krankenhaus. Für ihn ist es lebenswichtig, dass er auch dort 24 Stunden lang eine Person an seiner Seite hat, die ihm im Notfall helfen kann. Deshalb beantragte das VdK-Mitglied bei seiner Krankenkasse, seine Ehefrau als Begleitperson mitzunehmen. Sie ist Krankenschwester, pflegt ihren Mann schon seit Langem und weiß, was im Notfall zu tun ist.

Doch die Krankenkasse wollte die Kosten für die Übernachtung seiner Frau nicht zahlen. Das Klinikpersonal sei in der Lage, „trotz des komplexen Krankheitsbildes“, die Versorgung sicherzustellen, lautete die Begründung.

Das sah VdK-Sozialrechtsreferentin Sandra Fixemer-Kleemann anders. In ihrem Widerspruch machte sie deutlich, dass nachts am Krankenbett ständig jemand die Beatmung überwachen muss. Diese Intensivbetreuung
könne das Krankenhauspersonal nicht gewährleisten. Ihrem Widerspruch fügte sie ein aktuelles ­Attest eines Neurologen bei.

Überholtes Gutachten

Tatsächlich hatte sich die Krankenkasse bei ihrer Ablehnung auf ein veraltetes Gutachten berufen. Kleins Gesundheitszustand hatte sich in der Zwischenzeit aber weiter verschlechtert. Die Krankenkasse lenkte ein und bewilligte die Begleitung durch die Ehefrau.

ALS ist eine Krankheit, die unaufhaltsam voranschreitet. Daher sind regelmäßige Untersuchungen, wie die jährliche Überprüfung der Beatmungstherapie bei Klein, dringend erforderlich.

Die Untersuchung im Krankenhaus verlief dann reibungslos. Klein und seine Frau konnten es bereits nach einer Nacht wieder verlassen.

Menschen wie Wilhelm Klein sind im Krankenhaus auf Unterstützung angewiesen. Deshalb können Krankenkassen die Kosten für eine Begleitperson übernehmen, wenn ein Arzt bestätigt, dass das medizinisch notwendig ist. VdK-Juristin Fixemer-Kleemann ist überzeugt, dass viele Betroffene nichts von dieser Möglichkeit wissen und keinen Antrag stellen oder diese Leistung nur selten bewilligt wird.

Neuregelung

Ab 1. November 2022 haben Versicherte zudem einen Anspruch auf Krankengeld, wenn sie einen Angehörigen im Krankenhaus begleiten. Menschen, die Leistungen der Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe oder Leistungen nach dem Bundesversorgungsgesetz beziehen, können eine vertraute Betreuungsperson mitnehmen. Die Personalkosten dafür werden der Einrichtung vom Träger der Eingliederungshilfe ersetzt.

Für den Sozialverband VdK greift diese Neuregelung allerdings zu kurz, denn Pflegebedürftige sind davon ausgeschlossen. Er fordert deshalb, dass auch Begleitpersonen für diese Menschen einen Anspruch auf Krankengeld erhalten. Denn beispielsweise Demenzkranke brauchen dringend eine vertraute Person in ihrer Nähe, um sich in einer für sie fremden Umgebung zurechtzufinden.

Jörg Ciszewski


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Schlagworte Begleitung | Krankenhaus | ALS | Krankenkasse | Kostenübernahme | Krankengeld | Begleitperson

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