vor 2 Tagen
So hilft der VdK

VdK Hessen-Thüringen erstreitet elektrischen Rollladen für 76-Jährige

VdK-Mitglied Ingeborg Sturm leidet unter chronischer Polyarthritis in mehreren Gelenken sowie Schmerzen in Rücken, Knien und Händen. Die 76-Jährige wohnt allein in einer Dreizimmerwohnung. Als sie den schweren Rollladen der Terrassentür nicht mehr eigenhändig hochziehen kann, beantragt sie bei ihrer Pflegekasse einen Zuschuss für einen elektrischen Rollladenantrieb. Die Kasse lehnt ab, doch der VdK hilft ihr.

Das Bild zeigt ein Fenster mit Rolladen von außer angebracht
© Canva / U. J. Alexander

Mit dem Tod ihres Mannes verändert sich im Leben von Ingeborg Sturm vieles. Sie zieht um in das Erdgeschoss des Hauses, in dem sie seit Langem lebt, und muss sich an die neuen Umstände gewöhnen. Die Umstellung fällt ihr nicht leicht. In ihrem neuen Zuhause zeigen die Fenster vieler Räume Richtung Süden. Das Wohnzimmer, in dem sie die meiste Zeit verbringt, heizt sich im Sommer schnell auf.

Es stört sie, dass Passanten durch die zweiflügelige Terrassentür in ihr Wohnzimmer blicken können. Was jeder andere in solchen Momenten machen würde, um sich vor der Sonne und den Blicken Fremder zu schützen, ist Ingeborg Sturm allerdings nicht möglich. Wegen der starken Schmerzen in ihren Händen kann sie den schweren Rollladen nicht herunterlassen. An solchen Tagen muss sie warten, bis jemand kommt. Besucht sie niemand, bleibt der Rollladen auch in der Nacht oben. In solchen Nächten fühlt sie sich sehr unwohl.

Niedriger Toilettensitz

Darum beantragt Ingeborg Sturm bei ihrer Pflegekasse einen Zuschuss für einen elektrischen Rollladenantrieb. Weil auch ihre Toilette viel zu niedrig ist und die Erhöhung instabil, beantragt sie auch gleich einen Zuschuss für den Einbau einer höheren Toilette. Beides ohne Erfolg – die Kasse lehnt ab. Juristin Jana Stein vom Landesverband Hessen-Thüringen legt daraufhin Widerspruch für sie ein – ebenfalls vergeblich.

Dabei hatte sogar der MDK in seinem letzten Gutachten im Juli 2018 bereits eine elektrische Bedienung des Rollladens empfohlen. Ingeborg Sturm kann sich an den Besuch erinnern: „Als wir in mein Wohnzimmer gingen, fragte mich der MDK-Gutachter, ob ich depressiv sei, weil mitten am Tag der Rollladen heruntergelassen war. Aber ich konnte ihn ja nicht hochziehen.“

Recht bekommen

Die Pflegekasse schreibt, die Umrüstung eines Rollladens sei weder ein Hilfsmittel der Pflegeversicherung noch eine zuschussfähige Umbaumaßnahme. Der Einbau einer höheren Toilette sei ebenfalls nicht zuschussfähig. Und Toilettensitzerhöhungen seien Sache der Krankenkasse. Jana Stein von der VdK-Bezirksgeschäftsstelle in Darmstadt kann und will das nicht nachvollziehen. Sie reicht beim Sozialgericht Darmstadt Klage ein und bekommt Recht.

Durch die elektrische Rollladenbedienung und einen höheren Toilettensitz werde eine möglichst selbstständige Lebensführung der Klägerin wiederhergestellt, heißt es in der Entscheidungsbegründung des Gerichts. Beide Maßnahmen seien auch mit Blick auf die Kosten angemessen, weil ein durchschnittlicher Wohnstandard nicht überschritten werde.

Das Sozialgericht erkennt ebenso an, dass die Erhöhung der zu niedrigen Toilette rechtmäßig ist. Der Sitz sei rund zehn bis zwölf Zentimeter niedriger als ein barrierefreier Toilettensitz.
Ingeborg Sturm konnte wegen ihrer Rücken- und Knieschmerzen kaum noch allein von dem Toilettensitz aufstehen. Außerdem konnte sie ihn mit seinen „Schnörkeln und Scharnieren“ wegen ihrer Arthritis in den Händen nur sehr schwer reinigen.

Das Leben erleichtert

Die 76-Jährige kann kaum glauben, wie viel leichter ihr Leben nun mit dem elektrischen Rollladen und dem höheren Toilettensitz geworden ist. Im Sommer konnte sie wegen einer Lungenkrankheit ihre Wohnung kaum verlassen. Sie mag sich nicht vorstellen, was das bei den teilweise sehr hohen Temperaturen ohne heruntergelassenen Rollladen für sie bedeutet hätte.

Jörg Ciszewski

Schlagworte So hilft der VdK | Pflegekasse | Sozialgericht

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