Übertherapie bei Prostatakrebs vermeiden
Neue Leitlinie zur Prostatakrebs-Früherkennung: Warum bei wenig aggressiven Tumoren oft Abwarten statt Operation sinnvoll ist, welche Rolle der PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen-Test spielt und wie Übertherapie vermieden werden soll.

65.000 neue Erkrankungen pro Jahr
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Der bösartige Tumor der Vorsteherdrüse wird jedes Jahr etwa 65.000 Mal diagnostiziert. Seit Juli 2025 gibt es eine neue medizinische Leitlinie zur Früherkennung bei Prostatakrebs. Der VdK sprach mit einem Experten der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU) darüber.
Bei fast der Hälfte aller Männer im mittleren Alter verändert sich die Prostata: Am häufigsten kommt es zu einer gutartigen Vergrößerung, doch manchmal steckt auch ein Tumor dahinter. Bei der Behandlung und auch, um Patienten unnötige Operationen und Einschränkungen im Alltag zu ersparen, wurde in den vergangenen Jahren auf eine geänderte Therapie gesetzt.
In bestimmten Fällen: abwarten und engmaschig kontrollieren
Entscheidend bei der neuen Leitlinie, die auf dem neuesten Wissensstand beruht, ist: Wenn sich der Tumor als wenig aggressiv herausstellt, soll erst einmal abgewartet und der Patient engmaschig überwacht werden. Bisher wurde Patienten mit langsam wachsenden Tumoren auch eine Operation und Bestrahlung zur Behandlung mit entsprechenden Nebenwirkungen angeboten.
Der Bluttest auf das prostataspezifische Antigen (PSA) spielt bei der Vorsorge eine Schlüsselrolle, wie Prof. Dr. Frank König, Vertreter der niedergelassenen Ärzte im Vorstand der DGU, erklärt. König, der eine Professur an der Magdeburger Universität hat, betont: „Meine Empfehlung ist, mit 45 Jahren eine PSA-Messung zu machen, um einen Ausgangswert zu haben, und dann je nach Risikoabschätzung anzupassen, wie oft ein weiterer Bluttest gemacht werden muss, um nichts zu übersehen.“
In diesem Zusammenhang nennt König die „Probase-Studie“ von Prof. Dr. Peter Albers vom Universitätsklinikum Düsseldorf, die darauf zielt, eine Überdiagnose und auch Übertherapie zu vermeiden. Die neue Leitlinie für die Urologinnen und Urologen hat sich auch an dieser Studie orientiert.
„PSA ist ein sehr wertvoller Tumormarker, weil damit eine echte Früherkennung möglich ist“
, sagt König. Eine Risikoeinschätzung sollte immer dann erfolgen, wenn der PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen-Wert über 3 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) ist. Erst bei dieser Risikoabwägung ist die Tastuntersuchung durch den Enddarm notwendig. „Wenn der Vater oder der Bruder, also die nächsten Verwandten, Prostatakrebs haben, dann gibt es generell ein erhöhtes Risiko“
, so König. Zudem sollten auch Lebensstilfaktoren wie Alkohol, Nikotin, Stress oder übermäßiger Fleischkonsum berücksichtigt werden.
Bestimmung des PSA-Wertes mit Ultraschall
Für die Diagnose ist die Größe der Prostata bei erhöhtem PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen-Wert ausschlaggebend. Diese wird mit Ultraschall bestimmt. Nur so können hohe PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen-Werte richtig eingeordnet werden. Eine sehr große Prostata produziert deutlich mehr PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen als eine kleine. Das heißt, bei einer kleinen Vorsteherdrüse ist ein Wert von 3 ng/ml wesentlich problematischer als bei einer großen Prostata.
„Im Frühstadium zeigt das Prostatakarzinom oft keine spezifischen Symptome. Wenn es mit einer Vergrößerung der Prostata einhergeht, dann können es die normalen Beschwerden beim Wasserlassen sein, die man auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung hat, wie abgeschwächter Harnstrahl, häufiges Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen, häufiger Harndrang“
, sagt König. Bei solchen Symptomen, die auch die Lebensqualität negativ beeinflussen, sollte man zeitnah zum Arzt gehen. Grundsätzlich können auch Entzündungen oder Druck auf die Prostata den PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen-Wert erhöhen.
VdK zum Weltkrebstag am 4.2.
Gute Heilungschancen bei früher Erkennung
Wenn sich der Verdacht auf einen Tumor erhärtet, sollte laut König eine Kernspin-Untersuchung (MRT) der nächste Schritt sein. Es gibt Krebs mit einer sehr geringen Aggressivität, der keine Metastasen bildet, und aggressive Formen. Das MRT hilft hier bei der Differenzierung. „In der Leitlinie steht, dass bei Verdacht auf Prostatakrebs zuerst ein MRT gemacht wird, bevor eine Biopsie in Erwägung gezogen wird. Im Vergleich zu früher macht man um die Hälfte weniger Biopsien, weil es oft mehr geschadet als geholfen hat.“
Es werde gerade auch diskutiert, ob beim MRT ein Kontrastmittel unbedingt notwendig ist.
„Wenn man einen Tumor frühzeitig entdeckt, ist die Heilungschance sehr groß“
, macht König Hoffnung. Prostatakrebs lasse sich heute in jedem Stadium behandeln. Es werde computergestützt bestrahlt und operiert. Gefürchtete Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz würden nur noch selten vorkommen.
König wirbt eindringlich für Früherkennung: „Wir haben die Vision, dass, wenn Männer frühzeitig PSA-Messungen machen und sich beobachten lassen, es dann nur in Ausnahmefällen passiert, dass jemand an Prostatakrebs stirbt.“
Ein Problem ist vorerst: Die Krankenkassen zahlen nicht automatisch für die empfohlenen Untersuchungen, PSAkurz fürProstata-spezifisches Antigen-Tests zur Vorsorge sind eine Externer Link:IGeL-Leistung, die die Krankenkassen nicht übernehmen. Der Mediziner plädiert dafür, dass sich dies ändert.






