Kategorie Aktuelle Meldung| Soziale Gerechtigkeit| Armut & Umverteilung
Neue Grundsicherung sieht Verschärfungen vor
Von: Jörg Ciszewski
Das Bürgergeld soll durch eine neue Grundsicherung ersetzt werden. Der VdK warnt: Die Neuregelungen könnten Menschen in schwierigen Lebenslagen zusätzliche, teils unüberwindbare Hürden auferlegen.
Die Grundsicherung ist das letzte soziale Netz, das wir haben. Wenn es jetzt diese großen Löcher bekommt, droht eine neue Dimension von Armut und Obdachlosigkeit.
Reform mit verheerenden sozialen Folgen
Die Reform des Bürgergelds wurde häufig damit begründet, dass Kosten gespart und Missbrauch eingedämmt werden müssen. Ganz davon abgesehen, dass nachweislich nur ein sehr kleiner Teil der Beziehenden das System tatsächlich ausnutzt, befürwortet der VdK angemessene Maßnahmen gegen kriminellen Missbrauch.
Allerdings gehen die Reformpläne der Bundesregierung weit über dieses Ziel hinaus. Sie widersprechen im Kern in mehreren Punkten dem Sozialstaatsverständnis des VdK. Ihre Umsetzung könnte gerade für kranke, ältere und schwerbehinderte Menschen verheerende soziale Folge haben.
Kompletter Verlust der Leistungen
Wer dreimal Termine beim Jobcenter versäumt, würde als nicht erreichbar eingestuft und seinen Anspruch auf Leistungen komplett verlieren. Das Amt könnte theoretisch in einem kurzen Zeitraum Termine anberaumen. Ob die Person diese nicht wahrnehmen kann, weil sie schwer erkrankt ist oder sich im Krankenhaus befindet, wird nicht geprüft.
Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass man nach einem Krankenhausaufenthalt nach Hause kommt, keine Leistungen mehr erhält, die Miete nicht bezahlt ist und die Wohnungskündigung droht.
Video: Wer sind die Menschen, die Bürgergeld beziehen?
Video: Wer sind die 5,5 Millionen Menschen, die Bürgergeld bekommen? | Klipp und Klar
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Mietpreise in der Realität über den angemessenen Grenzen
Die Kosten für die Unterkunft, die das Jobcenter trägt, dürfen jetzt schon nicht die lokale Angemessenheitsgrenze übersteigen. In Ausnahmefällen und in der einjährigen Karenzzeit übernahm das Jobcenter auch höhere Mieten. Aber selbst in diesen Ausnahmesituationen sollen die Mietkosten jetzt auf das Anderthalbfache der Angemessenheitsgrenze gedeckelt werden.
Sehr viele Mietpreise liegen in der Realität aber immer noch weit darüber. Diese Regelungen würden auch besonders schutzwürdige Gruppen wie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, verdeckten psychischen Erkrankungen, Pflegebedürftige und Menschen mit einer Schwerbehinderung betreffen und in ihrer Existenz bedrohen. Sie sind zudem für Beziehende von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung geplant.
"Das letzte soziale Netz, das wir haben"
Wohnkosten, welche die gemäß Mietpreisbremse zulässige Höhe überschreiten, werden als unangemessen bewertet und nicht mehr übernommen. Der Leistungsempfänger soll verpflichtet werden, den Vermieter zu verklagen, damit dieser die Mietpreisbremse einhält und die Miete absenkt. Wer dem nicht nachkommt, muss befürchten, wegen Mietschulden seine Wohnung zu verlieren.
VdK-Präsidentin Verena Bentele warnt: „Die Grundsicherung ist das letzte soziale Netz, das wir haben. Wenn es jetzt diese großen Löcher bekommt, droht eine neue Dimension von Armut und Obdachlosigkeit.“
BSG-Urteil zur Grundsicherung
Kategorie Urteil| Soziale Gerechtigkeit| Armut & Umverteilung
Bundessozialgericht: Regelbedarfe 2022 trotz Inflation noch verfassungsgemäß
BSGkurz fürBundessozialgericht-Urteile: Trotz stark gestiegener Preise im Jahr 2022 sieht das Bundessozialgericht keinen Verstoß gegen das Existenzminimum. Die Regelbedarfe seien nicht evident zu niedrig gewesen, auch wegen zusätzlicher Ausgleichsmaßnahmen.
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