Nachhaltig heizen, dauerhaft sparen
Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) will die Bundesregierung wieder mehr Flexibilität beim Heizen schaffen. Doch der Sozialverband VdK warnt: Wer jetzt auf alte Technik setzt, riskiert hohe Kosten.

Ausblick: Energie wird noch teurer werden
Neue Öl- und Gasheizungen wirken auf den ersten Blick günstiger, doch ihr Betrieb wird laut Expertinnen und Experten langfristig teurer. Die Preise für Heizöl und Erdgas dürften in den kommenden Jahren weiter steigen.
Denn ab dem Jahr 2028 wird der europäische CO2-Preis auf Wärme und Verkehr eingeführt und löst den nationalen ab. Wie sich die Kosten dann entwickeln, lässt sich noch nicht voraussagen. Zudem müssen Verbraucherinnen und Verbraucher ab dem Jahr 2029 zehn Prozent grünes Gas oder Öl beimischen; die Quote erhöht sich schrittweise. Diese Energieträger sind sehr knapp und teuer, weshalb fossiles Heizen zukünftig noch kostspieliger wird.
Auch die Netzentgelte dürften steigen. Denn die Energieversorger müssen ihre Kosten künftig auf immer weniger Gas- und Ölkundinnen und -kunden verteilen. Hinzu kommen geopolitische Krisen, die – wie beim Krieg in der Ukraine oder dem Iran – das Risiko für weitere Preissprünge bergen.
Erneuerbare Wärme ist langfristig günstiger
„Deshalb halten wir es nicht für zielführend, an alten Technologien festzuhalten – weder für Verbraucherinnen und Verbraucher noch für das Klima“
, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele. Sie ist überzeugt: Langfristig ist erneuerbare Wärme die günstigere Lösung.
Für viele Menschen ist der Wechsel zu klimafreundlicher Wärme dennoch eine große Hürde, zum Beispiel für ein Rentnerpaar, das sich in den 1960er-Jahren ein kleines Haus mit einer Ölheizung gebaut hat. Wegen einer niedrigen Externer Link:Rente haben sie keine Rücklagen für eine Sanierung oder einen Heizungstausch. Laut Paritätischem Gesamtverband betrifft dies rund 12,8 Prozent aller Hauseigentümerinnen und -eigentümer in Deutschland.
Auch Mieterinnen und Mieter, wie die alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, können nicht über die Heizungsart entscheiden. Und Menschen, die sehr alt oder krank sind, ein Kind mit einer Behinderung versorgen oder einen pflegebedürftigen Angehörigen betreuen, haben oft weder Kraft noch Zeit, um sich mit Sanierungsfragen zu befassen.
Alle bei der Wärmewende mitnehmen
Damit alle Menschen an der Wärmewende teilhaben können, fordert der VdK, die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sozial auszurichten. „Das frühere Heizungsgesetz enthielt eine sozial gestaffelte Förderung“
, sagt Bentele. Diese Idee muss weiter ausgebaut werden. Hier sei zu berücksichtigen, dass viele Interessierte keine 30.000 Euro vorstrecken könnten, um sie sich rückwirkend erstatten zu lassen. Dies ist nach Ansicht des VdK für Menschen mit geringen finanziellen Spielräumen eine der größten Hürden bei der Nutzung der BEG.
Der VdK fordert, den Grundzuschuss der BEG um weitere Boni zu ergänzen. Die Förderung muss sich am Einkommen und an besonderen Lebenslagen orientieren. Hier braucht es einen Bonus für sehr ineffiziente Gebäude, in denen häufig Menschen mit niedrigem Einkommen leben. Daneben ist ein mehrstufiger Einkommensbonus erforderlich, über den neben dem Heizungstausch auch Dämmung, Fenstertausch und andere Maßnahmen finanziert werden können. Die Boni müssen kombinierbar sein – ohne sie zu kürzen.
VdK fordert Härtefallregelung
Weiterhin fordert Bentele eine Härtefallregelung mit einer 100-prozentigen Förderung. Sie verweist auf Familien mit Kindern mit Behinderung sowie Haushalte mit pflegebedürftigen oder schwer kranken Angehörigen ohne finanzielle Rücklagen.
Vermieterinnen und Vermieter brauchen Anreize, auf klimafreundliche Systeme umzusteigen und energetisch zu sanieren. Es darf aber nicht sein, dass sie die Kosten auf die Mieterinnen und Mieter abwälzen, so Bentele.
Für Eigentümerinnen und Eigentümer, die ihr Haus selbst bewohnen, fordert der VdK Kreditvergaberichtlinien, die Ältere nicht diskriminieren, sowie alternative Finanzierungsmodelle. Ein weiterer Hebel wäre, die Stromsteuer auch für Privathaushalte zu senken, um den Umstieg auf elektrische Heizsysteme zu erleichtern.
Entscheidend ist zudem eine kostenfreie, leicht zugängliche Beratung rund um Heizungstausch, Sanierung und Förderung. Die Anträge müssen barrierefrei und einfach zu stellen sein. „Nur so können alle Menschen – unabhängig von Einkommen, Alter oder Lebenslage – die Chancen der Wärmewende nutzen“
, erklärt Bentele.