Kommentar: Heilen statt warten
Jeder vierte Versicherte wartet über einen Monat auf einen Facharzttermin – oft entscheidet nicht die Dringlichkeit, sondern Wissen oder Kontakte. Warum eine verbindliche Termingarantie jetzt dringend nötig ist.

Länger als ein Monat bis zum Facharzttermin
Anfang des Jahres veröffentlichte der GKVkurz fürGesetzliche Krankenversicherung-Spitzenverband die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Versicherten. Sie bestätigten die Erfahrungen der VdK-Mitglieder: Jeder vierte Versicherte musste länger als einen Monat auf einen Facharzttermin warten, jeder zehnte sogar mehr als drei Monate. Dabei ist Zeit genau das, was Menschen fehlt, wenn sie krank sind oder Schmerzen haben.
Ähnliche Erfahrungen habe auch ich gemacht. Nach einem Skiunfall im Dezember, bei dem mir in der Wade ein Muskel gerissen war, brauchte ich dringend fachärztliche Hilfe. In der Praxis eines Orthopäden wurde mir ein Termin im Februar angeboten – mit Blindenstock und zwei Krücken hat mir jedoch sprichwörtlich eine dritte Hand gefehlt. So lange zu warten war daher für mich keine Option. Durch einen persönlichen Kontakt und einen verständnisvolleren Arzt habe ich schließlich schnell die nötige Hilfe bekommen. Ich lebe in einer Stadt mit einem guten ärztlichen Angebot und bin als VdK-Präsidentin mit den Strukturen der medizinischen Versorgung vertraut. Auch das hat mir bei der Arztsuche geholfen.
Guter Vorstoß: Termingarantie
Zu oft führt nicht die medizinische Dringlichkeit zum schnellen Termin, sondern Wissen, Beziehungen oder Hartnäckigkeit. Bei der Terminvergabe darf aber nie entscheidend sein, ob sich Hilfesuchende im komplexen Gesundheitssystem zurechtfinden, ob sie Bürokratie überwinden können oder über Arztkontakte im privaten Umfeld verfügen.
Deshalb finde ich den Vorstoß des niedersächsischen Gesundheitsministers Andreas Philippi für eine Termingarantie richtig. Patientinnen und Patienten sollten innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin erhalten – oder, wenn der Bedarf durch die Hausarztpraxis festgestellt wird, alternativ einen Termin im Krankenhaus vermittelt bekommen. Dieses Vorhaben einer guten Koordination im Gesundheitswesen durch ein Primärversorgungssystem findet sich auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Ein Vorsatz, der dringend in diesem Jahr zum Wohle aller Patientinnen und Patienten umgesetzt werden sollte.



