Jüngere gehen kränker Richtung Rente
Die Lebenserwartung steigt, das Renteneintrittsalter soll ebenfalls steigen. Doch eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zeigt: Künftige Generationen könnten das Rentenalter bei schlechterer Gesundheit erreichen.

Arbeitswelt wird belastender
Die Studie legt dar, dass die gesundheitliche Entwicklung vieler Menschen nicht mit dem Anstieg der Lebensarbeitszeit Schritt hält. Zwischen 18 und 44 Jahren nehmen die Lebensjahre in guter Gesundheit während des Erwerbsalters ab. Muskel-Skelett-Erkrankungen treten der Studie zufolge häufiger und früher auf. Sie sind für einen erheblichen Teil der Arbeitsunfähigkeitstage verantwortlich und begleiten Betroffene zunehmend über längere Phasen ihres Erwerbslebens.
Als mögliche Gründe für diese Entwicklung nennt Projektleiterin Dr. Juliane Tetzlaff unter anderem die steigende Zahl von Adipositas-Fällen sowie belastende Veränderungen in der Arbeitswelt. Dazu zählen
- häufigere Arbeitsplatzwechsel,
- eine Verdichtung von Arbeitszeit sowie
- fehlende oder zu kurze Pausen.
Für die Übersichtsstudie werteten die Forschenden nationale und internationale Studien aus und führten eigene Recherchen durch. Ergänzend analysierten sie Daten der AOK Niedersachsen. Betrachtet wurde der Zeitraum von 2005 bis 2018. Zu verschiedenen Zeitpunkten verglichen die Forschenden dabei Kohorten gleichen Alters miteinander.
Das überraschende Ergebnis: Die über viele Jahre beobachtete Verbesserung des Gesundheitszustands älterer Menschen setzt sich bei später geborenen Generationen nicht fort.
Höheres Bildungsniveau, mehr gesunde Lebensjahre
Deutlich wird zudem der Einfluss des sozialen Status. Menschen mit höherem Bildungsniveau profitieren zwischen dem 30. und 69. Lebensjahr von einer Zunahme gesunder Lebensjahre und können deutlich mehr Jahre in guter physischer und mentaler Gesundheit erwarten als jene mit niedrigeren Bildungsabschlüssen. Auch die berufliche Belastung spielt eine Rolle. Erwerbstätige mit hoher körperlicher oder psychosozialer Belastung haben im Erwerbsalter weniger gesunde Jahre zu erwarten.
Die Studie zeigt, dass eine längere Lebenserwartung nicht automatisch mit mehr gesunden Lebensjahren einhergeht. Der Sozialverband VdK fordert, diese Erkenntnis bei der kommenden Rentenreform dringend zu berücksichtigen. „Das Renteneintrittsalter einfach an die Lebenserwartung zu koppeln, funktioniert nicht, wenn die Gesundheit nicht mitspielt. Statt längeres Arbeiten durch höhere Altersgrenzen zu erzwingen, geht es darum, durch eine gute Versorgung, Prävention und Reha längeres Arbeiten und möglichst viele gesunde Lebensjahre zu ermöglichen“
, erklärt VdK-Präsidentin Verena Bentele.
Mehr zur Studie
Hier geht es zur Studie auf der Website der MHH:
Externer Link:Gesunde Lebensarbeitszeit passt oft nicht zur Erwerbsbiografie