
Elektronische Patientenakte: kompliziert und nicht barrierefrei
Die elektronische Patientenakte (ePA) hat großes Potenzial – sie wird aber von vielen Versicherten noch kaum genutzt. Der Sozialverband VdK fordert neben einem starken Datenschutz auch konsequente Barrierefreiheit.

94 Prozent der gesetzlich Versicherten kennen die ePA. Doch rund 71 Prozent verwalten sie nicht aktiv. Neun Prozent haben Widerspruch gegen die ePA eingelegt oder sie löschen lassen. Das ist das Ergebnis einer Externer Link:repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa. Es hat 1037 Personen im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) befragt.
„Die elektronische Patientenakte ist noch nicht im Alltag der Menschen angekommen“
, stellt Ramona Pop, Vorständin des vzbv fest. Laut Umfrage haben sich drei Viertel noch nicht mit der ePA auseinandergesetzt. Jede und jeder Dritte sieht keinen persönlichen Nutzen in der digitalen Akte. Und rund 13 Prozent haben Bedenken wegen des Datenschutzes.
Einrichtung erleichtern
Der vzbv hat auch Erfahrungsberichte von Verbraucherinnen und Verbrauchern ausgewertet. Demnach war vor allem der komplizierte und unübersichtliche Einrichtungsprozess der ePA eine Hürde für die Nutzung. Zudem wurden der Mangel an Unterstützung und Information durch die Krankenkassen sowie die Regelung des Datenzugriffs kritisiert. Es zeigte sich auch, dass manche Arztpraxen die ePA nicht nutzen oder relevante Daten nicht hochladen. Bislang bleibe die ePA hinter den Erwartungen zurück, so Pop.
Der VdK sieht in der digitalen Akte, in der etwa Arztbriefe, Befunde und Medikationspläne gespeichert werden können, eine große Chance, um Patientinnen und Patienten gezielter zu versorgen. Mit ihr können Ärztinnen und Ärzte alle wichtigen Gesundheitsdaten sofort abrufen. Doppelte Untersuchungen lassen sich vermeiden und Wechselwirkungen von Medikamenten besser kontrollieren. Besonders für ältere und chronisch kranke Menschen kann dies den Alltag erleichtern und die Behandlung sicherer machen.
Der vzbv bemängelt, dass nach wie vor zentrale Funktionen, wie etwa digitale Impf- oder Bonushefte, fehlen. Die Umfrage habe gezeigt, dass sich Verbraucherinnen und Verbraucher wünschen, in der ePA genau festlegen zu können, wer welche Daten sehen darf. Sie legen Wert auf digitale Untersuchungshefte, Hinweise zu Wechselwirkungen von Medikamenten und erforderliche Impfungen.
Nicht barrierefrei
Der VdK kritisiert vor allem, dass die ePA nicht Externer Link:barrierefrei ist. „Dieser Mangel muss endlich behoben werden“
, fordert VdK-Präsidentin Verena Bentele. Es fehlt unter anderem an der Kompatibilität mit Screenreadern, leichter Sprache, assistiven Technologien und einer niedrigschwelligen Benutzerführung. All dies schließt viele Menschen mit Behinderung von der Nutzung aus, erschwert aber auch älteren oder wenig technikaffinen Personen den Zugang.
Daher ist es aus Sicht des VdK notwendig, die Krankenkassen zur barrierefreien Gestaltung der ePA zu verpflichten. Denkbar sind etwa barrierefreie Webportale oder ausgedruckte Übersichten. „Alle Versicherten müssen ihre Gesundheitsdaten verstehen und nutzen können – unabhängig von Behinderung, Alter oder vorhandener Technik“
, so Bentele.
Der VdK sieht die Digitalisierung im Gesundheitswesen grundsätzlich positiv. Sie sollte dazu führen, Informationsflüsse zu optimieren und die Versorgung besser zu koordinieren. Aber immer muss sie barrierefrei, nutzerfreundlich und datenschutzkonform erfolgen. Analoge Alternativen müssen für jene bleiben, die sie aufgrund fehlender digitaler Kompetenzen oder Zugänge benötigen. „Digitale Angebote können eine moderne Versorgung unterstützen – aber sie dürfen niemanden ausschließen. Entscheidend ist, dass alle Menschen sie selbstbestimmt, verständlich und ohne Barrieren nutzen können“
, sagt Bentele.

