Kategorie Aktuelle Meldung| Soziale Gerechtigkeit| Arbeit & Berufsleben
ArbeiterKind.de: Kletterhilfe für den sozialen Aufstieg
Von: Jörg Ciszewski
Finanzielle Möglichkeiten der Eltern entscheiden oft über Wohlstand und Erfolg ihrer Kinder. Die Organisation „ArbeiterKind.de“ will jungen Menschen den sozialen Aufstieg erleichtern und unterstützt Studierende aus Nichtakademikerfamilien.
Die soziale Mobilität ist in Deutschland zurückgegangen. Das zeigen die Externer Link:Ergebnisse einer Studie des ifo-Instituts für Makroökonomik und Befragungen. So hat sich der Einfluss der Vermögensverhältnisse der Eltern auf den sozialen Aufstieg der Kinder innerhalb einer Generation verdoppelt.
Immer häufiger gilt: Wer reiche Eltern hat, wird später auch ein hohes Einkommen erzielen, und Kinder von weniger betuchten Eltern werden im Erwachsenenalter nicht gut verdienen. Der soziale Aufstieg hängt oft stärker vom Geldbeutel der Eltern ab als von Fleiß, Leistung und Talent der Kinder.
Ich halte es für unsere Demokratie für sehr wertvoll, dass in juristischen oder anderen akademischen Berufen viele Perspektiven eingebracht werden, auch von Menschen, die Einblick in nichtakademische Milieus haben.
Bildungserfolg hängt mit den Finanzen zusammen
Ein Schlüssel zu Wohlstand und beruflichem Erfolg ist Bildung. Katja Urbatsch unterstützt mit ihrer gemeinnützigen Organisation „Externer Link:ArbeiterKind.de“ junge Menschen, die als erste in ihrer Familie studieren. Sie beobachtet, dass insbesondere der Bildungserfolg stärker von den finanziellen Möglichkeiten der Eltern beeinflusst wird als früher.
„Studieren ist teurer als zu meiner Zeit“, sagt die 46-Jährige. Die Lebenshaltungskosten seien enorm gestiegen. Und die Semesterbeiträge lägen häufig bei 400, 500 Euro. Oft drohe das Studium aus finanziellen Gründen zu scheitern. Das könne sich eine Gesellschaft, die auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen ist, wirtschaftlich nicht leisten.
„Gleichzeitig halte ich es für unsere Demokratie für sehr wertvoll, dass in juristischen oder anderen akademischen Berufen viele Perspektiven eingebracht werden, auch von Menschen, die Einblick in nichtakademische Milieus haben“, so Urbatsch. Diese Vielfalt sei wichtig für den Zusammenhalt der Gesellschaft und das gegenseitige Verständnis.
Video: Kinderarmut beseitigen!
Video: JASOZIAL: Wir fordern Maßnahmen zu Beseitigung von Kinderarmut
Auf Basis Ihrer Cookie-Einstellungen haben wir die Verbindung zu YouTube blockiert. Diese Inhalte können Sie über die Cookie-Einstellungen oder über die unterstehenden Buttons aktivieren.
Video-Player
BAföG neu ausrichten
Sie weiß aus vielen Gesprächen, dass Studierende wenig Zeit für einen Nebenjob haben, weil das Studium eng getaktet ist. Daher wäre es notwendig, das BAföG – also die staatliche Unterstützung für die Ausbildung von Studierenden – neu auszurichten. „Aktuell erhalten nur rund zehn Prozent der Studierenden diese Förderung, obwohl viel mehr Studierende sie bräuchten. Aber die Anträge sind zu kompliziert und die Bearbeitung dauert zu lange. Das schreckt viele ab.“ Zudem spiegele die Höhe des BAföGs nicht die Lebenshaltungskosten wider, so Urbatsch.
Doch es liege nicht ausschließlich an den hohen Kosten, dass von 100 Akademikerkindern ungefähr 78 studieren, während es von 100 Nichtakademikerkindern nur 25 sind. „Kinder aus Familien, in denen zuvor niemand studiert hat, trauen sich das Studium oft schlicht nicht zu. Als ich mit dem Studium begann, war ich gemeinsam mit meinem Bruder die erste in meiner Familie. Ich kam eigentlich mit einem größeren Selbstbewusstsein an die Uni, war dann aber völlig verunsichert“, erinnert sich Urbatsch.
Sie habe gemerkt, dass andere Studierende größere Unterstützung von zu Hause erhielten, mehr Informationen hatten und das Netzwerk der Eltern nutzen konnten, um Praktika zu absolvieren. „Als ich mit einem Stipendium in die USA gegangen bin, hat das vieles verändert. Ich kam zurück und war selbstbewusster. Ich habe anderen geholfen, auch an ein Stipendium zu kommen. So bin ich dann in dieses Thema hineingerutscht.“
Oft haben Studierende noch weitere Belastungen, wie zum Beispiel chronische Erkrankungen oder pflegebedürftige Angehörige oder was alles noch dazukommt. Und das verzögert das Studium.
Infos, Mentoring und Workshops
Heute leitet sie eine Organisation mit mehr als 80 lokalen Gruppen und tausenden Ehrenamtlichen. „Wir haben Infostände an Unis und gehen in Schulen, informieren über Stipendien und BAföG. Wir erzählen unsere eigene Bildungsgeschichten und geben Tipps, wie sich das Studium finanzieren lässt. Außerdem bieten wir zum Beispiel Mentoring und Workshops für Berufseinsteigerinnen und -einsteiger an“, sagt Urbatsch.
Externer Link:ArbeiterKind.de trage dazu bei, dass mittlerweile an allen Hochschulstandorten das Bewusstsein für Studierende aus Nichtakademikerfamilien wächst. „In ländlichen Regionen haben wir es ein bisschen schwerer, aber auch dort machen wir Fortschritte und besuchen viele Schulen“, erklärt Urbatsch.