
VdK zu Linnemanns Ankündigung: „Wichtiges Signal für pflegende Angehörige – jetzt kommt es auf die Umsetzung an“
- Finanzierung bleibt offen: Bentele fordert verbindliche Zusagen
- VdK korrigiert Zahlen: Rund 5,1 Millionen Pflegebedürftige werden zu Hause versorgt
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann hat im Interview mit der BILD am Sonntag angekündigt, die vorgesehene Kürzung der Rentenansprüche von pflegenden Angehörigen um 30 Prozent zurückzunehmen. VdK-Präsidentin Verena Bentele: „Die Anerkennung der Leistung pflegender Angehöriger ist überfällig. Dass Minister Linnemann die Kritik an den geplanten Kürzungen aufgreift und so früh nach seinem Amtsantritt eine Korrektur angekündigt hat, ist ein wichtiges und positives Signal für viele Millionen Menschen. Jetzt muss diesem Signal eine verbindliche Entscheidung mit gesicherter Finanzierung folgen.“
Der VdK hatte den Referentenentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes von Linnemanns Amtsvorgängerin Nina Warken zuvor scharf kritisiert. Die darin vorgesehene Absenkung der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auf 70 Prozent des bisherigen Werts hätte die soziale Absicherung der Betroffenen aus Sicht des Verbands deutlich verschlechtert. Der rentenrechtliche Ausgleich für pflegende Angehörige ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Baustein ihrer sozialen Absicherung. Gerade weil viele Angehörige ihre Erwerbstätigkeit wegen der Pflege reduzieren oder zeitweise aufgeben müssen, schützt er vor langfristigen Einbußen bei der Altersvorsorge. Die geplante Absenkung der rentenrechtlichen Bewertung auf 70 Prozent würde diesen Ausgleich jedoch deutlich beschneiden – und damit das Risiko erhöhen, dass Pflege im Alter zur Armutsfalle wird.
„Gleichzeitig bleibt die entscheidende Frage der Finanzierung offen“
, so Bentele. „Im Interview spricht der Minister lediglich von einem Spielraum, den er sich sehr, sehr genau anschauen wolle. Für den VdK reicht das nicht aus. Die Finanzierung der besseren rentenrechtlichen Absicherung pflegender Angehöriger muss verbindlich geklärt werden. Aus unserer Sicht handelt es sich dabei um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die aus Steuermitteln finanziert werden sollte.“
Darüber hinaus fordert der VdK den Bundesgesundheitsminister auf, die bisher bestehende Möglichkeit zu erhalten, auch während des Rentenbezugs über eine Teilrente zusätzliche Entgeltpunkte für die Pflege von Angehörigen zu erwerben. Gerade für ältere Menschen, die selbst bereits Rente beziehen, kann die Pflege eines Angehörigen mit erheblichen persönlichen und finanziellen Belastungen verbunden sein. Die Begründung, es handele sich lediglich um eine ursprünglich nicht beabsichtigte Gesetzesfolge beziehungsweise eine gesetzgeberische Lücke, überzeugt den VdK nach knapp zehn Jahren gelebter Praxis nicht. Die Möglichkeit ist seit Jahren bekannt und wird auch von Sozialverbänden und der Deutschen Rentenversicherung in der Beratungspraxis berücksichtigt.
Der VdK weist zudem auf eine ungenaue Zahlenangabe in dem Interview hin. Linnemann hatte von rund sechs Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland gesprochen, von denen „über drei Millionen“ zu Hause gepflegt würden. Nach aktuellen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums wurden im Dezember 2025 jedoch rund 5,1 Millionen Pflegebedürftige zu Hause versorgt. Das entspricht mehr als 80 Prozent aller Pflegebedürftigen. Bentele: „Auch mit Unterstützung durch ambulante Dienste ist die Pflege für Angehörige ein Kraftakt, der honoriert werden muss. Pflegende Angehörige sind das Rückgrat unseres Pflegesystems. Sie vor zusätzlichen Belastungen zu bewahren, ist das Mindeste – was sie wirklich brauchen, ist spürbare Entlastung.“
Der VdK setzt sich seit Langem für bessere Rahmenbedingungen für pflegende Angehörige ein. Dazu gehören aus Sicht des Verbands insbesondere:
- Mehr Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Flexible Arbeitszeitmodelle und verlässliche Regelungen müssen unabhängig von der Größe des Betriebs möglich sein.
- Eine echte finanzielle Entlastung: Notwendig ist eine längst überfällige Lohnersatzleistung beziehungsweise ein Pflegelohn, damit Pflege nicht zur finanziellen Belastungsprobe für Angehörige wird.
- Mehr Entlastungsangebote: Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege müssen spürbar ausgebaut werden, damit pflegende Angehörige verlässlich Unterstützung und Auszeiten erhalten.
- Volle Rentenansprüche sichern: Die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige müssen in voller Höhe erhalten bleiben.
- Anerkennung auch praktisch umsetzen: Die Leistung pflegender Angehöriger muss gesellschaftlich und politisch stärker anerkannt werden. Sie tragen einen wesentlichen Teil der Pflege in Deutschland.
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