Kategorie Rente Arbeit & Berufsleben

Bentele: „Gesundes Arbeiten bis zur Rente muss Vorrang vor höheren Altersgrenzen haben“

  • Empfehlungen der DGB-Rentenkommission wichtiger Kontrapunkt zur Debatte um höhere Altersgrenze
  • Gesunde Lebensjahre in Deutschland sinken, in der EU steigen sie

Heute legt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund) den ausführlichen Bericht seiner Rentenkommission vor. Mit ihren Empfehlungen setzt die Kommission einen klaren Kontrapunkt zur aktuellen Debatte um höhere Altersgrenzen und verschiebt so den Fokus in der Diskussion.

Die Bundesregierung arbeitet derzeit daran, den frühestmöglichen Rentenbeginn von 63 auf 64 Jahre anzuheben. Die Rente für besonders langjährig Versicherte will sie abschaffen und die Regelaltersgrenze sowie die Rente wegen Schwerbehinderung an die Lebenserwartung koppeln. Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, war Mitglied der DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund-Rentenkommission und widerspricht dieser Politik: „Das Argument, dass die steigende Lebenserwartung höhere Altersgrenzen erzwingt, löst sich schnell in Luft auf, wenn man sich die gesunden Lebensjahre anschaut, die man in Rente verbringt: Denn diese werden in Deutschland immer weniger statt mehr“, so Bentele. „Statt ältere Beschäftigte heute und künftige Generationen mit höheren Altersgrenzen oder höheren Abschlägen zu konfrontieren, haben wir in der DGB-Kommission die zukunftsweisende Frage beantwortet: Wie schaffen wir es, dass Menschen bis zuletzt gesund und zufrieden arbeiten können?”

Handlungsbedarf sieht der VdK vor allem bei den Arbeitgebern. Gesundheitsprävention im Betrieb, psychische Gefährdungsbeurteilungen, altersgerechte Arbeitsplätze und Arbeitszeitmodelle sowie altersspezifische Weiterbildungsangebote sind in der betrieblichen Realität stark unterentwickelt, auch Betriebsärzte kaum aktiv. Das wichtigste Instrument vieler Unternehmen im Umgang mit Älteren sind stattdessen Entlassungen und Abfindungen, kritisiert Bentele: „Statt lautstark die Rente mit 70 zu fordern, sollten die Arbeitgeber in ihren Personalabteilungen Modelle entwickeln, wie ältere Beschäftigte gut bis zur Rente arbeiten können. Entlassungen und Abfindungen für diese Generation dürfen nicht länger das wichtigste Instrument sein. Wenn wir den demografischen Wandel und alternde Belegschaften nicht als Last, sondern als Chance begreifen wollen, muss damit Schluss sein.”

Forderungen an die Bundesregierung

Der VdK empfiehlt der Regierungskoalition die Empfehlungen der DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund-Rentenkommission ernsthaft in ihre Überlegungen einzubeziehen. Wenn die Bundesregierung längeres Arbeiten ermöglichen und nicht erzwingen will, muss sie

  • sich flächendeckend für frühzeitige, wohnortnahe und leicht zugängliche Reha-Angebote einsetzen,
  • Gesundheitsversorgung, Arbeitsförderung sowie medizinische und berufliche Rehabilitation besser verzahnen,
  • das Betriebliche Eingliederungsmanagement verpflichtend machen,
  • den Reha-Deckel in der Rentenversicherung abschaffen.

Gesunde Lebensjahre in Deutschland sinken, in der EU steigen sie

Die Daten des Statistischen Amts der Europäischen Union (Eurostat) zeigen: Die Lebenserwartung ab 65 Jahren ist in Deutschland zwischen 2015 und 2024 kaum gestiegen. Die gesunden Lebensjahre sind dagegen um 3,3 Jahre auf nur noch 8,6 Jahre gesunken. In der EU ist die Entwicklung gegenläufig, dort stieg der Wert auf 10,3 Jahre, in Schweden und Norwegen liegt er sogar bei 14 Jahren. Während die EU also gesünder altert, verlieren ältere Menschen in Deutschland gesunde Lebensjahre. Besonders betroffen sind Frauen: Sie leben ab 65 zwar länger als Männer, verbringen aber deutlich mehr Jahre mit eingeschränkter Gesundheit (12,4 gegenüber 10,1 Jahren).

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