Altersarmut und Wohnungsnot lassen sich nicht durch Kürzungen verhindern.
Wohngeld: Was soll sich ändern?
Seit das Wohngeld-Plus-Gesetz im Jahr 2023 in Kraft getreten ist, hat sich die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Wohngeld nahezu verdoppelt: auf aktuell rund 1,2 Millionen Haushalte. Nun plant die Bundesregierung, im Jahr 2027 1,5 Milliarden und im Jahr 2028 zwei Milliarden Euro einzusparen. Der Sozialverband VdK kritisiert dieses Vorhaben scharf.
Der Externer Link:Gesetzentwurf sieht vor, die Heizkostenpauschale zu halbieren und die geplante Erhöhung des Wohngelds zum 1. Januar 2027 auszusetzen. Zudem ist beabsichtigt, künftig einen größeren Anteil des Einkommens anzurechnen. Damit sollen die Ausgaben für das Wohngeld drastisch sinken. Die Änderungen sollen zu Beginn des kommenden Jahres umgesetzt werden.
Wie bewertet der VdK die Pläne?
Der VdK bewertet die Pläne als fatal. 52 Prozent der Wohngeldbeziehenden sind Rentnerinnen und Rentner und 44 Prozent Familien sowie Alleinerziehende. „Die Menschen leiden unter den hohen Wohnkosten und haben Angst, ihre Wohnung zu verlieren. Werden die Pläne umgesetzt, wird sich deren Not weiter vergrößern“, warnt VdK-Präsidentin Verena Bentele.
Laut Bundesbauministerin Verena Hubertz wären zukünftig rund ein Drittel der derzeit 1,2 Millionen Wohngeldhaushalte von den Kürzungen betroffen. Haushalte, denen das Wohngeld bereits gewährt wurde, sind vorerst geschützt. Diese Bescheide sollen Bestand haben.
Schon heute ist absehbar, dass die Wohngeldkürzungen noch mehr Menschen in Grundsicherung und Sozialhilfe drängen werden. Das Bundesbauministerium geht von rund 164.000 Haushalten im Jahr 2029 aus. Auf Bund und Länder kommen dann zusätzliche Kosten in Höhe von mehr als 700 Millionen Euro zu.
VdK-Umfrage zum Wohngeld
Kategorie Wohnen| Sozialpolitik| Soziale Gerechtigkeit
Umfrage: Mehrheit der Bevölkerung lehnt Kürzungen beim Wohngeld ab
Für viele Menschen ist das Wohngeld unverzichtbar, um ihre Miete bezahlen zu können. Umso kritischer werden Pläne gesehen, die Leistung zu kürzen. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des VdK.
Gibt es genug günstigen Wohnraum?
Während viele Menschen auf Wohngeld angewiesen sind, stehen immer weniger Sozialwohnungen zur Verfügung. Deren Zahl ist auch im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen. Nach Angaben der Bundesregierung wurden im Jahr 2025 zwar 27.283 Sozialwohnungen neu gebaut, gleichzeitig fielen aber 57.621 Einheiten aus der Sozialbindung heraus. Bundesweit sollen laut Schätzungen insgesamt etwa eine Million Sozialwohnungen fehlen.
Günstiger Wohnraum ist inzwischen zur Mangelware geworden, und Umzüge in eine bezahlbare Alternative sind vielerorts nahezu unmöglich. Stattdessen treiben hohe Mieten und steigende Energiepreise die Wohnkosten weiter in die Höhe. „Die Reform des Wohngelds trifft vor allem arme Menschen in der Gesellschaft. Altersarmut und Wohnungsnot lassen sich nicht durch Kürzungen verhindern“, so Bentele.
VdK-Stellungnahme zur Wohngeld-Reform
Stellungnahme Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes
Stellungnahme des Sozialverbands VdK Deutschland e. V. zum Entwurf eines Gesetzes zur Vereinfachung und Fortentwicklung des Wohngeldgesetzes | Stand: 26.6.2026