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Eine Rentenreform geht gerechter

Von: Jörg Ciszewski

Wie kann eine sozial gerechte Alterssicherung gestaltet sein? VdK-Präsidentin Verena Bentele hat in der DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund-Rentenkommission zusammen mit Fachleuten Vorschläge für eine zukunftsfähige Alterssicherung entwickelt. 

Gruppenfoto der Mitglieder der DGB-Rentenkommission
Die Mitglieder der DGB-Rentenkommission. Vierte von rechts: VdK-Präsidentin Verena Bentele © DGB_Gordon Welters

Gegenentwurf zu den Vorschlägen der Bundesregierung

In Zeiten des Sozialabbaus setzt der Sozialverband VdK auf eine enge Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Verena Bentele hat auf Einladung des DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund in einer Rentenkommission mitgewirkt, die ein tragfähiges Alterssicherungssystem erarbeitet hat – als Gegenentwurf zu den Vorschlägen der Alterssicherungskommission der Bundesregierung. Das Konzept empfiehlt sie der Bundesregierung als Pflichtlektüre.

In vielen Gremiensitzungen mit Vertreterinnen und Vertretern von Gewerkschaften, Wissenschaftlerinnen, Politikern und Juristinnen hat Bentele die Perspektive der Sozialverbände eingebracht. Das Konzept der DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund-Rentenkommission wurde nun vorgestellt.

Demografischer Wandel nicht als Krise

Die Empfehlungen verfolgen einen anderen Ansatz als die Vorschläge der Alterssicherungskommission der Regierung. Der demografische Wandel wird nicht als Krise verstanden, die nur durch ein höheres Rentenalter oder Kapitaldeckung zu bewältigen ist. Für die DGBkurz fürDeutscher Gewerkschaftsbund-Rentenkommission ist vielmehr entscheidend, Erwerbstätigkeit und Produktivität zu stärken und den erwirtschafteten Wohlstand gerecht zu verteilen. 

Dafür empfiehlt sie 

  • eine stärkere Tarifbindung,
  • einen armutsfesten Mindestlohn,
  • die Eindämmung des Niedriglohnsektors und
  • die Schließung der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. 

So würde die Alterssicherung besser vor Armut schützen. Außerdem regt die Kommission an, die Grundrente zu reformieren und den Zuschlag leichter zugänglich zu machen.

Statt einer risikoreichen Aktienrente wird eine verpflichtende Betriebsrente vorgeschlagen, in die Arbeitgeber zwei Prozent des Bruttolohns einzahlen. Diese sollte auch vor Erwerbsminderung und Inflation schützen und Hinterbliebene absichern.

Wichtig ist dem Gremium, dass älteren Beschäftigten nicht über höhere Altersgrenzen immer mehr abverlangt wird. Längeres Arbeiten sollte stattdessen durch altersgerechte und barrierefreie Arbeitsplätze ermöglicht werden.

Konkrete Vorschläge statt Kleinreden von Armut

Bentele hat insbesondere zu den Themen Reha, Erwerbsminderung und Maßnahmen gegen Altersarmut gearbeitet. „Nach Auffassung der Kommission ist es notwendig, dass auch Menschen mit Brüchen in ihrer Erwerbsbiografie im Alter abgesichert sind und nicht in die Altersarmut abstürzen“, erklärt die VdK-Präsidentin. 

Das passiere etwa, wenn das Einkommen sinkt, weil jemand wegen der Pflege der Eltern nicht mehr in Vollzeit arbeiten kann oder wenn hohe Abschläge drohen, weil die Gesundheit nicht bis zur Rente mitmacht. Prävention, Rehabilitation und berufliche Wiedereingliederung müssen daher besser zwischen Rentenversicherung, Krankenkassen, Arbeitsagenturen, Jobcentern und Betrieben abgestimmt werden.

„Statt Armut im Alter kleinzureden, haben wir konkrete Vorschläge entwickelt, wie Zeiten der Kindererziehung, der Krankheit, der Pflege, aber auch der Arbeitslosigkeit besser für die Rente bewertet werden“, erklärt die VdK-Präsidentin. Das ausführlichere Gesamtkonzept der DGB-Rentenkommission soll demnächst veröffentlicht werden.