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Attest ab dem ersten Krankheitstag: VdK-Umfrage zeigt, was Beschäftigte davon halten
Eine neue VdK-Umfrage zeigt: Die meisten Beschäftigten melden sich nur krank, wenn sie tatsächlich arbeitsunfähig sind. Eine Attestpflicht ab dem ersten Tag könnte zudem unerwünschte Folgen haben.
VdK-Umfrage zeigt: Attest ab Tag 1 würde Ziel verfehlen
Wer krank ist, soll sich auskurieren können. Doch wie sollte eine Krankmeldung künftig geregelt sein? Der Koalitionsausschuss hat Anfang Juli 2026 beschlossen, eine Attestpflicht bereits ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Außerdem soll die telefonische Krankschreibung abgeschafft werden.
Die Regelungen sind bislang noch nicht gesetzlich umgesetzt. Die konkrete Ausgestaltung soll zunächst erarbeitet und anschließend in ein Gesetzgebungsverfahren überführt werden. Bis dahin gelten die bisherigen Regelungen zur Krankschreibung weiter.
Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag des Sozialverbands VdK Deutschland zeigt nun, dass viele Beschäftigte eine solche Regelung kritisch sehen – und dass sie möglicherweise nicht den gewünschten Effekt hätte.
Für die Beschäftigten würde die geplante Neuregelung bedeuten: Schon am ersten Krankheitstag wäre ein ärztliches Attest erforderlich. Für viele könnte das zusätzlichen Aufwand bedeuten – gerade bei Erkrankungen, die nach wenigen Tagen von selbst wieder abklingen.
60 Prozent der Befragten sagen, dass sich ihr Verhalten durch eine Attestpflicht ab dem ersten Tag nicht verändern würde. Bei einem Teil der Beschäftigten könnte die Regelung allerdings genau das Gegenteil bewirken: 14 Prozent geben an, dass sie eher krank zur Arbeit gehen würden, um einen Arztbesuch zu vermeiden. Das kann nicht nur die eigene Genesung erschweren, sondern auch das Risiko erhöhen, Kolleginnen und Kollegen anzustecken.
Weitere 21 Prozent würden sich nach eigenen Angaben vorsorglich für einen längeren Zeitraum krankschreiben lassen, um nicht wegen einer erneuten Krankschreibung noch einmal eine Arztpraxis aufsuchen zu müssen.
Wer Beschäftigte zwingt, schon am ersten Tag zum Arzt zu gehen, riskiert, dass sich Menschen krank zur Arbeit schleppen oder sich vorsorglich länger krankschreiben lassen. Das wäre das genaue Gegenteil dessen, was die Reform angeblich erreichen soll, und schadet am Ende allen: den Beschäftigten, den Betrieben und den ohnehin überlasteten Arztpraxen.
Auch bisher kein "Blaumachen"
Die Umfrage wirft außerdem einen Blick auf die Frage, wie häufig Beschäftigte Krankmeldungen missbrauchen. Das Ergebnis ist deutlich: Die große Mehrheit gibt an, sich nur dann krankgemeldet zu haben, wenn tatsächlich eine Erkrankung vorlag.
73 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sagen, dass sie sich bislang ausschließlich krankgemeldet haben, wenn sie eindeutig krank und arbeitsunfähig waren. Nur drei Prozent geben an, sich schon einmal krankgemeldet zu haben, obwohl sie vollständig gesund waren.
Aus Sicht des VdK sprechen diese Zahlen gegen die Annahme, dass Krankmeldungen in großem Umfang missbraucht werden.
Wer Beschäftigten massenhaften Missbrauch von Krankmeldungen unterstellt, täuscht bewusst. Diese Annahme ist Ausdruck eines tiefsitzenden Misstrauens gegenüber Millionen ehrlicher Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
Abschaffung der telefonischen Krankschreibung wird abgelehnt
Auch die telefonische Krankschreibung, die insbesondere bei leichteren Erkrankungen eine unkomplizierte Möglichkeit bietet, eine Arbeitsunfähigkeit feststellen zu lassen, steht zur Diskussion.
In der VdK-Umfrage spricht sich eine klare Mehrheit von 61 Prozent gegen eine Abschaffung aus. Nur 29 Prozent der Befragten befürworten das Ende der telefonischen Krankschreibung.
Psychische Erkrankungen häufigste Ursache für Fehlzeiten
Gleichzeitig verändert sich das Krankheitsgeschehen in Deutschland. Nach Externer Link:aktuellen Zahlen der DAK-Gesundheit lag der Krankenstand im ersten Halbjahr 2026 bei 5,3 Prozent und damit etwas niedriger als im Vorjahreszeitraum.
Die einzelne Krankheitsphase dauerte allerdings im Durchschnitt länger: 9,7 Tage wurden für einen Krankheitsfall registriert. Besonders auffällig ist die Entwicklung bei psychischen Erkrankungen. Sie waren im ersten Halbjahr erstmals die häufigste Ursache für Fehlzeiten.
Psychische Erkrankungen führen zudem häufig zu längeren Ausfallzeiten. Im Durchschnitt dauerten entsprechende Krankheitsfälle rund 28 Tage. Das wirkt sich auch auf die durchschnittliche Dauer aller Krankheitsfälle aus.
Hinweise zur Methodik
Die Daten der Befragung zur Krankschreibung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben.
Für diese Befragung wurden im Zeitraum 24. bis 27.07.2026 insgesamt 2.341 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht, Bildung, Region, Wohnumfeld, Wahlverhalten und politisches Interesse quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet.
Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.
Grafiken für die Berichterstattung
Download per Klick auf das Grafik, Bildnachweis: Sozialverband VdK Deutschland