15. März 2021

Corona: eine „weibliche“ Krise?

VdK-Frauen diskutieren über Ungleichheiten in der Pandemie

32 Frauen aus Rheinland-Pfalz haben am Weltfrauentag miteinander diskutiert, inwiefern die Corona-Krise „weiblich“ ist, also Frauen stärker belastet als Männer. Während der Online-Veranstaltung berichteten die Teilnehmerinnen von ihren Erfahrungen und stellten Forderungen an Politik und Gesellschaft: Sie wünschen sich mehr Empathie, Entlastungsmöglichkeiten, finanzielle Honorierung, weniger Bürokratie und vor allem: Impfungen.

Screenshot eines Online-Treffens der VdK-Frauen.
© VdK/Dominika Klemmer

„Die traditionellen Rollenverteilungen werden durch Corona verstärkt, da die Entlastungsangebote in jenen Bereichen wegfallen, in denen traditionell Frauen die Verantwortung haben“, sagte VdK-Sozialrechtsexpertin Nadine Gray in ihrem Impulsvortrag. So sind es hauptsächlich Frauen, die sich um die Fürsorgearbeit, also die Erziehung der Kinder, das Homeschooling oder die Pflege von Angehörigen kümmern – und das größtenteils neben ihrer eigenen Erwerbstätigkeit.

Um die Doppelbelastung zu stemmen, reduzieren viele Frauen ihre Arbeitsstunden, was am Ende wieder Auswirkungen auf die Höhe der Rente hat. Außerdem arbeiten Frauen überwiegend in Branchen, die vom zwischenmenschlichen Kontakt leben. „Im Einzelhandel arbeiten 80 Prozent Frauen, im Gastgewerbe sind es 65 Prozent“, so Gray. Durch die Pandemie sind das aber hochgefährdete Arbeitsplätze. Einige Teilnehmerinnen berichteten von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit; in absehbarer Zeit gebe es für sie kaum Aussichten auf einen neuen Job.

Hinzu kommen psychische Faktoren: Angst vor Armut, vor dem Besuch der Großeltern und Verwandten sowie die Einsamkeit prägen den Alltag. Die Teilnehmerinnen betonten, dass die soziale Komponente in solchen Zeiten komplett fehle. Durch die Corona-Einschränkungen könne man sich nicht wie gewohnt mit der Familie oder Freundinnen austauschen, Auszeiten fehlen und es gebe keine Rückzugsmöglichkeit.

Die Teilnehmerinnen sorgten sich auch um Frauen, die gerade in schwierigen Partnerschaften leben. Wenn soziale Kontakte und Rückzugsorte fehlten, sei es besonders gefährlich für diejenigen, die unter häuslicher Gewalt leiden, inklusive deren Kinder. Die ganzen Sorgen, Ängste und Belastungen könnten zudem zu Depressionen führen.

Forderungen

Screenshot eines Online-Treffens der VdK-Frauen mit Grafik.
© VdK/Dominika Klemmer

So vielfältig die Lebenslagen für Frauen in der Corona-Pandemie sind, sind auch ihre Forderungen an Politik und Gesellschaft. Die baldige Impfung gegen Covid-19 steht ganz oben auf der Wunschliste. Langfristig müssten mehr Entlastungsangebote für Frauen geschaffen werden – möglichst ohne bürokratische Hürden. Die VdKlerinnen wünschten sich Wertschätzung und Empathie von Politik und Gesellschaft, für eine Hausfrau und Mutter genauso wie für eine berufstätige Frau. Und da reiche das Händeklatschen nicht aus: Finanziell müsse die Sorgearbeit von Frauen honoriert werden.

Aber auch die Männer müssten mehr Verantwortung übernehmen. „Es klingt immer noch nicht normal, wenn Männer die Kinder hüten oder ihre Mütter pflegen”, unterstrich die stellvertretende VdK-Landesverbandsvorsitzende Christa Schulz in ihrem Grußwort. Die jüngeren Mütter in der Runde pflichteten ihr bei, dass etwa die Väter ihre Elternzeit im Betrieb nicht mehr rechtfertigen, sondern schlichtweg beanspruchen sollten. Auch die abschließende Kleingruppenarbeit zeigte, dass noch viel Handlungsbedarf bei der Gleichstellung besteht und Corona die Ungleichheit nicht hervorgerufen, sondern lediglich verstärkt habe. Insofern wird es nicht die letzte Diskussion der VdK-Frauen sein.

Der Austausch wurde erstmals von den VdK-Pressereferentinnen Dominika Klemmer und Martha Lubosz am Weltfrauentag moderiert. Der Aktionstag am 8. März macht weltweit auf Frauenrechte, Lohnunterschiede sowie die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam.

Martha Lubosz

Schlagworte Weltfrauentag | Gleichberechtigung | Corona

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