30. Juni 2021
VdK-Zeitung Archiv

„Ich bin top motiviert und will gewinnen“

Tischtennisspieler und VdK-Mitglied Thomas Schmidberger gehört bei den Paralympics in Tokio zu den Favoriten

Die Hängepartie um die Verschiebung der Olympischen und Paralympischen Spiele war für die Sportlerinnen und Sportler nervenaufreibend. Bis zuletzt war unsicher, ob die Großveranstaltungen in diesem Sommer stattfinden werden. Thomas Schmid­berger, VdK-Mitglied und einer der besten Rollstuhl-Tischtennisspieler der Welt, äußert sich im Interview mit der VdK-ZEITUNG zu diesem Hin und Her sowie seinen Chancen.

Auf nach Tokio! – Interview mit Paralympic-Star Tom Schmidberger

Gerade hat Tom Schmidberger noch den höchsten deutschen Titel, die Champions Trophy, souverän gewonnen. Jetzt geht es für den Para-Tischtenniskünstler nach Tokio zu Olympia. Wir haben das VdK-Mitglied gefragt, wie groß nach dem langen Warten auf die Paralympics nun die Vorfreude ist – bei ihm und im deutschen Team.

Japan litt bis zuletzt sehr unter der Corona-Pandemie. Eine große Mehrheit der Japaner war bei Umfragen gegen die Ausrichtung der Spiele in Tokio. Wie sicher sind Sie, dass die Paralympics stattfinden?
Wenn ich mich zu sehr um die Meldungen aus Japan kümmern würde, hätte ich natürlich starke Zweifel. Ich gehe aber davon aus, dass die Spiele nicht mehr abgesagt werden können. Dazu sind die Vorbereitungen zu weit fortgeschritten. Das wäre für Japan ­ansonsten eine wirtschaftliche Katas­trophe.

Was bedeutete die Verschiebung für Sie?
Die Verschiebung im vergangenen Jahr war ziemlich hart für mich. Da bin ich in ein Loch gefallen. Ich war mehrere Wochen lang unruhig, wusste nicht, wie es weitergeht. Es war keine schöne Zeit damals.

Können Sie das Loch genauer beschreiben?
Erst wollte ich das nicht so richtig wahrhaben. Als dann die Gewissheit eintrat, habe ich mich so leer gefühlt, unmotiviert. Ich habe mir die Nächte mit Serien um die Ohren gehauen, viel geschlafen, war schlecht gelaunt, leicht reizbar.

Und wie kam die Motivation wieder zurück?
Als die Verschiebung konkret wurde und später das Training wieder möglich war, natürlich mit Hygienekonzept und großer Vorsicht, stieg die Stimmung wieder. Wir haben uns an die Umstände, wie regelmäßige Testungen, Training nur mit einem bestimmten Personenkreis, gewöhnt. Es wurde Routine und ab September/Oktober vergangenen Jahres lief dann alles auch ganz gut ab. Und jetzt ist einem die Brisanz bekannt, man kennt das Risiko und kann es einschätzen.

Ihr persönliches Risiko ist durch die Corona-Impfung inzwischen sehr gering. Im vergangenen Jahr sah das noch ganz anders aus.
Ja. Die Verschiebung war deswegen vollkommen richtig. Das haben wir Sportler auch so gesehen. Das Problem war nur, dass wir so lange hingehalten wurden, dass mit uns gar nicht geredet wurde. Die Verschiebung haben wir aus den Medien erfahren.

Jetzt ist das abgehakt, und Ihr Sportler seid bestens vorbereitet?
Das ist schwierig zu sagen, da uns die Wettkämpfe fehlen. Wir wissen zwar, wie man sich auf so ein Groß­ereignis vorbereitet, aber wir wissen nicht, wo die anderen stehen. Wir haben ja so etwas noch nie erlebt. Wir können unseren Leistungsstand nur mit Erfahrungen aus der Vergangenheit vergleichen. Aber so geht es ja allen.

Die Paralympics sind also das erste internationale Turnier seit ...
... ja, seit der EM 2019.

Im Gegensatz zu den Paralympics 2012 und 2016, bei denen Sie dreimal Silber und einmal Bronze gewannen, wird es dieses Mal keine oder nur wenige Zuschauer geben. Sie werden wahrscheinlich abgeschirmt sein. Konzentrieren Sie sich dann komplett auf den Sport und blenden das aus?
Ja, natürlich. So gehen wir das an. Wir wissen weiterhin nicht genau, was uns erwartet. Es wird anders sein, für uns alle. Es wird ein Hygienekonzept geben, wir werden nur im Paralympischen Dorf und an unserer Wettkampfstätte sein können. Wir rechnen nicht mit Zuschauern, wir wissen noch nicht, wer alles mit in die Halle darf. Es ist alles offen. Man muss das so annehmen, sich hoffentlich von den Umständen nicht ablenken lassen, fokussiert sein und sein Ding machen.

Fehlt Ihnen denn die Vorfreude wie 2012 und 2016?
Das würde ich so nicht sagen. Gerade nach der Verschiebung sagt man sich: Jetzt erst recht! Jetzt will ich es allen zeigen! Die Vorfreude ist also nicht geringer. Nur die Spiele werden halt anders sein.

Mit welcher Einstellung und welchem Ziel gehen Sie nach Tokio?
Ich habe Bock drauf, ich bin top motiviert, und ich will gewinnen.

Bei den letzten Weltmeisterschaften und Paralympics verloren Sie die Finals jeweils gegen Panfeng Feng aus China. Haben Sie Chancen, ihn dieses Mal zu besiegen?
Ich bin körperlich so gut drauf wie noch nie, ich bin spielerisch bestens vorbereitet. Die Spiele können also beginnen.

Werden Sie im Team-Wettbewerb wieder mit Thomas Brüchle starten, mit dem Sie vor fünf Jahren Silber gewannen?
Ja. Wir sind durch die Umstände der Pandemie noch viel enger zusammengewachsen, weil wir uns viel stärker beim Training abstimmen mussten. Das schweißt zusammen. Die Stimmung passt also.

Sie haben 2019 einen Bachelor in Sport­ökonomie gemacht. Wie sehen Ihre beruflichen Pläne aus?
Ich bin Profisportler, und wenn ich etwas mache, mache ich es voll und ganz. Ansonsten wäre ich auch nicht konkurrenzfähig. Es gibt Spieler, die aus finanziellen Gründen arbeiten müssen. Aber das ist bei mir nicht der Fall. Ich konzentriere mich auf den Sport und werde so lange professionell Tischtennis spielen, wie ich das kann. Die beiden kommenden Paralympics in Paris und Los Angeles habe ich auf jeden Fall noch als Ziel.


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Schlagworte Thomas Schmidberger | Paralympics 2021 | Tischtennis | Rollstuhl-Tischtennis

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