27. März 2019
VdK-Zeitung Archiv

Die drei Hirten und ihre 700 Schafe

Zu Besuch bei einer Schäferfamilie in Unterfranken – Beruf verliert in Deutschland immer mehr an Bedeutung

Schäfer ist einer der traditionsreichsten Berufe der Welt. In der Bibel spielen der Hirte und das Lamm, das traditionell zu Ostern geschlachtet wird, eine zentrale Rolle. Doch immer weniger Menschen betreiben in Deutschland Schafzucht. Die VdK-Zeitung hat eine Schäferfamilie besucht.

Schäfer Michael Papp (links) mit seinen Söhnen David (Zweiter von links) und Pascal (rechts) sowie VdK-Kreisvorsitzendem Winfried Huppmann, der jahrelang Hobby-Schäfer war, in einem traditionellen Gewand. | © Sebastian Heise


„Mäh, mäh, mäh“ ist von allen Seiten zu hören. Die großen, kräftigen Schafe blöken lauter und tiefer, die Lämmer eher leiser und höher, die ganz jungen dagegen, die erst ein paar Tage alt sind, schauen die Besucher im Stall nur mit ihren kleinen Augen an und wenden sich dann wieder ihrer Mutter zu und trinken Milch.

Rund 700 Schafe hat die Familie Papp den Winter über in einer Halle in Opferbaum im unterfränkischen Landkreis Würzburg. 600 davon sind Mutterschafe. Dazu kommen noch zehn Böcke. Der Rest sind Lämmer. Die kleinsten von ihnen haben zusammen mit ihren Müttern jeweils eigene Bereiche im Stall. Aber jedes von ihnen hat eine Nummer. Landwirt Michael Papp ist mit Schafen aufgewachsen. Sein Vater hatte 1964 mit einer Herde begonnen. Mit der Zeit nahm die Zahl der Schafe immer mehr zu.

Zu Besuch bei der Schäferfamilie Papp.

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  • Zwei junge Lämmchen im Stall.
    Zwei junge Lämmchen im Stall.
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  • Blick in die Herde.
    Blick in die Herde.
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  • Pascal Papp beim Scheren eines Schafs.
    Pascal Papp beim Scheren eines Schafs.
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  • Schäfer Michael Papp (links) mit seinen Söhnen David (Zweiter von links) und Pascal (rechts) sowie VdK-Kreisvorsitzendem Winfried Huppmann, der jahrelang Hobby-Schäfer war, in einem traditionellen Gewand.
    Schäfer Michael Papp (links) mit seinen Söhnen David (Zweiter von links) und Pascal (rechts) sowie VdK-Kreisvorsitzendem Winfried Huppmann, der jahrelang Hobby-Schäfer war, in einem traditionellen Gewand.
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  • Der Autor mit einem Lamm auf dem Arm.
    Der Autor mit einem Lamm auf dem Arm.
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Sein 26-jähriger Sohn Pascal und dessen ein Jahr jüngerer Bruder David sind fest in den Betrieb eingestiegen, und auch der älteste Sohn Stefan hilft aus. Die ganze Familie liebt den Beruf und den Umgang mit den Tieren. 365 Tage im Jahr kümmern sie sich um sie. Der 59-jährige Seniorchef und seine Frau Angelika sind inzwischen aber auch froh, dass die Söhne den Betrieb alleine managen und die Eltern mal ein paar Tage ausspannen können.

Seit mehr als 2000 Jahren gibt es Schäfer. Der Beruf wird geachtet, wie auch Michael Papp bestätigt. Dennoch üben ihn immer weniger Menschen in Deutschland aus. 950 gewerbsmäßige Schäfereien gibt es hierzulande – Tendenz rückläufig. Gerade die Wanderschäfer, die keinen Stall zum Überwintern haben, nehmen deutlich ab. Familie Papp kennt noch ein paar von ihnen, die die kalten Monate auf Feldern am Bodensee verbringen. Vielen Schäfern fehlen auch die Felder, auf denen sie ihre Tiere grasen lassen können. Selbst Landwirte haben kaum noch Wiesen, die sie zur Verfügung stellen.

Familie Papp ist froh, dass ihre Schafe im Frühjahr auf dem 35 Kilometer entfernten Bundeswehr-Übungsplatz in Hammelburg Platz finden. Dort haben sie genug Fläche und Gras, um bis zum Herbst zu weiden. Die Schießübungen der Soldaten störten die Tiere nicht, sagen die Papps. Mindestens einer von ihnen ist zusammen mit den zwei altdeutschen Hütehunden täglich von 10 bis 20 Uhr bei der Herde. Im Frühjahr werden die Schafe nach Hammelburg gefahren, im Herbst wandern sie über mehrere Tage hinweg zurück. Umzäunt sind sie von einem mobilen Elektrozaun.

Die Schäferfamilie weiß immer, wie viele Tiere ihr gehören. Spätestens, wenn die Tiere neun Monate alt sind, müssen alle Schafe eine Ohrmarke tragen. So kann man auch den Besitzer ausfindig machen. Den Lämmern haben die Papps Nummern auf den Rücken geschrieben. Namen geben sie ihnen nicht. Das würde den Abschied vielleicht auch schwerer machen. Leicht fällt es dem Schäfer und seinen Söhnen nie, die Tiere zur Schlachtung zu geben. „Das ist ein Kommen und Gehen“, sagt Michael Papp. „Da darf man sich nichts vormachen.“

Wenn sie 45 bis 50 Kilogramm wiegen, im Alter von etwa fünf bis sechs Monaten, werden die Lämmer geschlachtet. Obwohl noch bei vielen Christen an Ostern traditionell Lammfleisch auf den Tisch kommt, ist die Nachfrage nicht viel höher als im übrigen Jahr. Ein paar Hundert Lämmer geben sie jedes Jahr zur Schlachtung, ein paar wenige schlachten sie für den Eigenbedarf selbst. Der Fleischverkauf ist jedoch nur ein geringerer Teil der Einnahmen. Viel stärker machen sich die öffentlichen Gelder bemerkbar, die die Schäfer für die Landschaftspflege bekommen. Außerdem verkauft die Familie Papp die Wolle. Etwa drei Kilogramm kommen bei einem ausgewachsenen Tier zusammen. Pro Kilo Wolle ihrer Merinoschafe erhalten sie zwischen 1,00 und 1,50 Euro.

Lebende Krippe

Schweinfurts VdK-Kreisvorsitzender Winfried Huppmann kennt die Familie. Er schätzt den Beruf des Schäfers sehr. 30 Jahre lang hatte er selbst ein paar Milchschafe. Mit diesen bildete er lange Zeit am 1. Advent eine lebende Krippe. Die Tradition führt Huppmann weiter. Doch jetzt, wo er selbst keine eigenen Schafe mehr hat, hofft er auf die Hilfe von Landwirten wie Michael Papp und seinen Söhnen. Huppmann muss allerdings damit rechnen, dass die Schafe sich sträuben werden, den heimischen Stall zu verlassen, und laut blöken.

Sebastian Heise

Schlagworte Schäfer | Schafe | Lamm | Ostern

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