2. April 2015
VdK-Zeitung Archiv

Akuter Handlungsbedarf in der Pflege

Steigende Zahl der Pflegebedürftigen bestätigt die Forderungen des VdK

Wie gravierend der Handlungsbedarf für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ist, machen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts deutlich. Demnach ist die Zahl der Pflegebedürftigen zwischen den Jahren 2011 und 2013 um fünf Prozent auf insgesamt 2,63 Millionen gestiegen.

© imago/Sven Simon

Auch die Zahl derer, die zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt werden, ist gestiegen. Insgesamt werden 1,86 Millionen Menschen zu Hause versorgt, das sind mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen. Von diesen erhielten 1,25 Millionen ausschließlich Pflegegeld. Das bedeutet, dass sie in der Regel allein durch Angehörige zu Hause gepflegt werden. „Familien schultern die Hauptlast der häuslichen Pflege. Sie sind die tragende Säule des Systems und sparen dem Sozialstaat viel Geld“, so VdK-Präsidentin Ulrike Mascher.

Die familiäre Pflege bedeute eine enorme Entlastung des Pflegesystems. „Wir fordern die Bundesregierung auf, schnellstmöglich eine große Pflegereform auf den Weg zu bringen, die ganzheitlich, bedarfsgerecht und zukunftsfähig ausgestaltet ist. Nur so kann der Pflegenot wirksam entgegengetreten werden“, so die VdK-Präsidentin. Diese Forderung untermauert der VdK auch mit seiner bundesweiten Kampagne „Große Pflegereform – jetzt!“.

Die Politik ist in der Pflicht, die Situation von Pflegebedürftigen, Angehörigen und Pflegekräften vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft grundlegend zu verbessern. Das Pflegestärkungsgesetz 1 hat zwar kleine Verbesserungen gebracht. Zentrale Herausforderungen der Pflege wie ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff, die Stärkung von Prävention und Rehabilitation zur Vermeidung von dauerhafter Pflegebedürftigkeit, der Fachkräftemangel in der Pflege und das ungerechte Nebeneinander von privater und gesetzlicher Pflegeversicherung sind jedoch nach wie vor ungelöst.

Vor allem die längst überfällige Einführung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs muss nach Auffassung des Sozialverbands VdK endlich kommen. „Zwei Monate sind verstrichen, seitdem Bundesgesundheitsminister Gröhe nach einer erneuten Erprobungsphase verkündet hat, dass das neue Begutachtungsverfahren funktioniert. Alle Fakten liegen auf dem Tisch, es muss nun endlich gehandelt und den Betroffenen rasch geholfen werden“, betont Mascher. Darüber hinaus muss der Vermeidung von Pflegebedürftigkeit oberste Priorität eingeräumt werden.

Derzeit wird der Grundsatz „Reha vor Pflege“ kaum umgesetzt. „Es ist belegt, dass sich durch Prävention und Rehabilitation bei vielen älteren Patienten die Pflegebedürftigkeit vermeiden oder hinausschieben lässt“, so Ulrike Mascher. Wegen der geringen Unterstützung der geriatrischen Rehabilitation würden hohe Pflegekosten und viel persönliches Leid in Kauf genommen.

Ines Klut

Schlagworte Pflege | Pflegereform | Pflegebedürftigkeitsbegriff

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