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Vom Pauschbetrag bis zu besonderen Aufwendungen: Steuervergünstigungen für Menschen mit Behinderung

Therapien, Fahrtkosten, Medikamente oder Pflegeleistungen - mit einer Behinderung gehen in den meisten Fällen zusätzliche finanzielle Belastungen einher. Wie sich diese mindern lassen, weiß der Lohn- und Einkommensteuer Hilfe-Ring Deutschland e. V. (Steuerring).

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Pauschbeträge für Menschen mit Behinderung

Je nach Grad der Behinderung (GdB) gewährt das Finanzamt den Betroffenen steuerliche Pauschbeträge in unterschiedlicher Höhe. Voraussetzung ist ein Beleg des Versorgungsamtes, das ab einem GdB von 50 einen entsprechenden Schwerbehindertenausweis ausstellt. Bei einem niedrigeren GdB erhält man lediglich eine Bescheinigung und kann den Pauschbetrag nur dann in der Einkommensteuererklärung geltend machen, wenn die körperliche Beweglichkeit dauerhaft eingeschränkt ist.

Ändert sich der GdB im Laufe eines Jahres, gilt stets der höhere Pauschbetrag, da es sich um einen Jahresbetrag handelt. Neben dem GdB bezieht das Finanzamt noch die sogenannten Merkzeichen bzw. Nachteilsausgleiche mit ein. So erhöht sich der Pauschbetrag z. B. auf 3.700 Euro, wenn im Schwerbehindertenausweis ein "H" (hilflos) oder "Bl" (blind) vermerkt ist.

Wichtig: Steht der Pauschbetrag einem steuerlich zu berücksichtigenden Kind zu, das diesen nicht selbst in Anspruch nimmt, dürfen die Eltern den Pauschbetrag in ihrer Steuererklärung beantragen. Hat ein Ehepartner eine Behinderung, besteht die Möglichkeit, den entsprechenden Steuerbonus zu teilen – wenn die Verheirateten zwei einzelne Steuererklärungen abgeben.

Außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art

Als Alternative zum Pauschbetrag setzen Menschen mit Behinderung ihre Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen allgemeiner Art an. Der Nachteil: Das Finanzamt kürzt die Gesamtaufwendungen um eine zumutbare Belastung. Diese richtet sich nach dem Einkommen, dem Familienstand und der Anzahl der Kinder. Welche Lösung besser ist, muss im Einzelfall errechnet werden. Zusätzlich sind Krankheitskosten, die die zumutbare Belastung überschreiten, abzugsfähig.

Dazu zählen z. B. Medikamente, Rechnungen von Ärzten oder Heilpraktikern, Brillen, Zahnarztrechnungen, Zuzahlungen im Krankenhaus oder eine physikalische Therapie. Voraussetzung für deren Anerkennung ist die Vorlage einer ärztlichen Verordnung (Rezept). Ausnahme: Ein Arzt verordnet als Dauertherapie ein nichtverschreibungspflichtiges Medikament, das grundsätzlich in der Apotheke selbst gekauft wird. Bei einem GdB von 70 und dem Merkzeichen "G" oder einem GdB von mindestens 80 berücksichtigt das Finanzamt Aufwendungen für Privatfahrten mit dem PKW bis zu einer Höchstgrenze von 3.000 Kilometer pro Jahr. Mit den Merkzeichen "aG", "Bl" oder "H" sind es sogar bis zu 15.000 Kilometer - allerdings ist dann ein Nachweis über die Fahrten erforderlich.

Aufwendungen für Pflege

Darüber hinaus gehören Pflegeaufwendungen vorrangig zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. Das Finanzamt zieht von den Aufwendungen eine zumutbare Belastung ab. Für den hierdurch nicht berücksichtigten Teil können Steuerzahler eine Steuerermäßigung von 20 Prozent beantragen. Erstattungen der Pflegeversicherung müssen im Vorfeld allerdings abgezogen werden. Eine Besonderheit ist beim Pflegegeld zu beachten: Dieses mindert zwar die außergewöhnlichen Belastungen, jedoch nicht den Betrag für die Steuerermäßigung.

Wer eine Person mit dem Merkzeichen "H" oder dem Pflegegrad 4/5 in deren oder dem eigenen Haushalt pflegt, dem steht zusätzlich ein Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 Euro zu. Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass die pflegende Person keine Einnahmen für die Pflege erhält. Der Pflegepauschbetrag steht auch Eltern zu, deren Kind die Voraussetzungen erfüllt.

Änderung des Steuerbescheids

Grundsätzlich gilt: Sowohl die Bescheide über den Pflegegrad 4/5 als auch über GdB und Merkzeichen sind für das Finanzamt bindend. Wurden die Vorteile in einem bestandskräftigen Steuerbescheid nicht erfasst, ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Änderung möglich.

Haushaltsnahe Dienstleistungen oder Beschäftigungsverhältnisse

Das Finanzamt erstattet auch die Kosten für sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen. Ist eine Person angestellt, die typische Hausarbeiten wie das Waschen, Putzen oder Kochen in Form eines Minijobs verrichtet, übernimmt das Finanzamt auf Antrag 20 Prozent der Kosten – höchstens jedoch 510 Euro. Zudem sind andere haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse oder Pflege- und Betreuungsleistungen steuerlich begünstigt – mit 20 Prozent, aber höchstens 4.000 Euro Steuerermäßigung. Achtung: Wenn bereits Pauschbeträge oder außergewöhnliche Belastungen angerechnet wurden, ist ein zusätzlicher Steuerbonus nicht möglich.

Unterstützung durch den Steuerring

Ihnen ist das alles zu kompliziert? Dann wenden Sie sich an den Steuerring. Die nächstgelegene Beratungsstelle finden Sie über das Infotelefon unter der Nummer
(08 00) 9 78 48 00 oder unter www.steuerring.de. Selbstverständlich unterstützt Sie auch Ihr VdK-Orts- oder Kreisverband gerne bei der Suche.

Schlagworte Behinderung | Steuerfreibeträge


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