31. Mai 2016
Zeitung Juni 2016

„Das Auto ist ein großer Schritt
in die Selbständigkeit“

Für den Weg zu ihrer Ausbildungsstelle muss Sarah Entinger mobil sein. Weil sie Bus und Bahn wegen ihrer Behinderung nicht nutzen kann, beantragte die 19-Jährige einen Zuschuss für ein behindertengerechtes Auto. Zu teuer, befand das Landesamt für Soziales und lehnte ab. Dagegen wehrte sich Sarah mit Hilfe des VdK Saarland – und bekam Recht.

Für VdK-Mitglied Sarah Entinger (19) aus Saarbrücken erstritt der VdK einen Zuschuss für ein behindertengerechtes Auto, das über Hebel am Lenkrad mit den Händen gesteuert werden kann. | © VdK / Scholl

Ihr Auto ist für Sarah Entinger mehr als ein Fortbewegungsmittel. „Es bedeutet für mich einen großen Schritt in die Selbständigkeit und Unabhängigkeit. Ich bin so froh, dass ich das Auto habe“, sagt die 19-jährige Saarbrückerin und strahlt. Weil sie kleinwüchsig ist, kann sie vor allem im Berufsverkehr nicht allein mit Bus und Bahn fahren; im Gedränge kann sie sich schlecht festhalten, der Einstieg fällt schwer, weite Strecken kann sie nicht laufen. Also musste ein Auto her, als Sarah ihre dreijährige Ausbildung zur Erzieherin anfing. Den Führerschein hatte sie da schon in der Tasche.

Antrag auf Kraftfahrzeughilfe gestellt

Die Familie stellte beim zuständigen Landesamt für Soziales einen Antrag auf Kraftfahrzeughilfe. Im Rahmen der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen wird dabei ein Zuschuss zur Anschaffung eines behindertengerechten Autos gewährt, wenn der Weg zur Arbeit sonst nicht möglich ist. Doch das Landesamt lehnte den Antrag ab – und VdK-Mitglied Sarah Entinger bat den Sozialverband VdK Saarland um Hilfe. VdK-Rechtsreferent Raphael Collet legte Widerspruch beim Landesamt ein.

Der Jurist erklärt, warum die Behörde falsch lag: „Nach Ansicht des Amtes bestand zwar aus medizinischer Sicht Bedarf für ein eigenes Fahrzeug. Aufgrund wirtschaftlicher Abwägungen wurde die Hilfe aber verweigert.“ Konkret schrieb die Behörde in ihrem Ablehnungs-Bescheid, dass Fahrtkosten-Zuschüsse für Bus und Bahn günstiger seien als ein Zuschuss zu Anschaffung und Umbau eines Autos. „Wir konnten in unserem Widerspruch darlegen, dass das zu kurzfristig gerechnet war“, erklärt Collet. „Denn das Landesamt hatte seine Rechnung lediglich auf das einjährige Vorpraktikum bezogen. Aber auf die gesamte Ausbildungszeit gerechnet, ist ein Auto günstiger.“ Zumal Sarah auch im weiteren Berufsleben auf ein Auto angewiesen sein werde. Das überzeugte das Landesamt. Nach Monaten des Wartens kam die frohe Botschaft: Ein Zuschuss über insgesamt rund 18.000 Euro wurde gewährt.

„Wir waren alle sehr glücklich“, sagt Sarah Entinger. In der Zwischenzeit hatte sie sich mit Unterstützung ihrer Eltern ein passendes Auto gekauft. „Es war richtig, den Kauf erst nach dem Ablehnungs-Bescheid zu tätigen“, erklärt VdK-Rechtsreferent Collet. „Wer sich selbst ein Hilfsmittel kauft, ohne vorher einen Antrag zu stellen und eine Ablehnung zu bekommen, hat keinen Anspruch auf Erstattung durch den Kostenträger.“ Entingers hatten diesen Anspruch – und für die Durchsetzung sorgte der VdK. Der nachträgliche Zuschuss des Amtes war eine finanzielle Erleichterung für die Familie – und die Bestätigung für Sarahs Recht auf berufliche und gesellschaftliche Teilhabe. Jetzt ist die begeisterte Autofahrerin ohne Hilfe mobil. Ihr Auto mit Automatik-Getriebe ist so umgebaut, dass Sarah nur mit den Händen steuern kann. Ein Hebel am Lenkrad sorgt für Bremse und Gas, weil Sarah mit ihren 1,17 Metern die Fuß-Pedale nicht erreichen kann. Das sei jetzt kein Problem mehr, sagt Sarah – und strahlt.

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Frauke Scholl

Schlagworte Landesrechtsabteilung | Rechtsberatung | VdK-Juristen | Kraftfahrzeughilfe | Eingliederungshilfe | Behinderte | Behinderung | Inklusion | Raphael Collet

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