28. Mai 2015
VdK-Zeitung Juni 2015

VdK-Inklusionslotsen besuchten den Wendelinushof

Auf dem Wendelinushof in St. Wendel arbeiten rund 100 Menschen mit Behinderung. Ob auf dem Feld oder bei den Tieren; alle Beschäftigten werden ganz nach ihren Fähigkeiten gefördert. Bei einem Besuch auf dem Hof informierten sich die Inklusions-Lotsen des VdK über die Einrichtung und ihren Träger, das Werkstattzentrum für behinderte Menschen der Lebenshilfe (WZB).

Bernd Andre (rechts) vom WZB informierte die Inklusions-Lotsen des VdK Saarland über das Konzept des Wendelinushofs.
Bernd Andre (rechts) vom WZB informierte die Inklusions-Lotsen des VdK Saarland über das Konzept des Wendelinushofs. | © VdK

Gemüse ernten und Blumen pflanzen, die Tiere versorgen und ihre Produkte verarbeiten, die Gäste bedienen oder im Hofladen helfen – auf dem Wendelinushof gibt es jede Menge zu tun. Rund 100 Menschen mit Behinderung arbeiten in der St. Wendeler Einrichtung des Werkstattzentrums für behinderte Menschen der Lebenshilfe (WZB). In seiner „grünen Werkstatt“ auf dem historischen Anwesen will das WZB „die Produktion und den Verkauf landwirtschaftlicher Güter mit der Förderung schöpferischer Selbstentfaltung und der Erwirtschaftung finanzieller Mittel für behinderte Menschen“ verbinden. Um mehr darüber zu erfahren, kamen die Inklusions-Lotsen des Sozialverbands VdK Saarland zu Besuch auf den Hof.

Anlass war ein aktueller Arbeitsschwerpunkt des Projekts Inklusion beim VdK, das sich im April mit dem Themenfeld „Arbeitsmarkt und Behinderung“ beschäftigte. „Am Beispiel des Wendelinushofs sollen Angebote aufgezeigt werden, die Werkstätten und Integrationsfirmen für behinderte Menschen bereithalten“, erklärte VdK-Projektleiterin Ingrid Wacht. Auf dem Wendelinushof verbinden sich beide Beschäftigungsformen, wie die 16-köpfige VdK-Gruppe bei einem Rundgang mit anschließendem Vortrag erfuhr. Während der eigentliche Hofbetrieb mit Gärtnerei, Ackerbau, Viehzucht, Restaurant und Hofladen eine Werkstatt für behinderte Menschen ist, zählt die hofeigene Schlachterei (St. Wendeler Landfleisch) zu den Integrationsbetrieben im Saarland. Den Unterschied erklärte Bernd Andre, zuständiger Ressortleiter des WZB und Gastgeber beim VdK-Besuch.

Teilhabe am Arbeitsleben ermöglichen

„In einer Werkstatt für behinderte Menschen steht der Reha-Gedanke im Vordergrund“, betonte Andre. Ziel ist, die Beschäftigten in geschütztem, arbeitnehmerähnlichem Rahmen für eine Teilhabe am Arbeitsleben zu qualifizieren und zu begleiten. Plätze gibt es für Menschen, die „nicht, noch nicht oder noch nicht wieder“ auf den allgemeinen Arbeitsmarkt integriert werden können – aufgrund der Art und Schwere ihrer Behinderung. „In einem Integrationsbetrieb dagegen arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, mit ‚ganz normalen‘ Arbeitsverträgen“, sagte Andre. Anerkannt wird eine Firma als Integrationsbetrieb, wenn mindestens 40 Prozent der Belegschaft eine Behinderung haben.

Beim Rundgang über den Hof betonte Andre weiter, dass Inklusion durch beide Formen der Beschäftigung gelinge. Er wehre sich gegen den oft erhobenen Vorwurf, dass Werkstätten exklusiv seien und nicht zur Inklusion beitrügen. Sie würden zudem allzu leicht als zweiter Arbeitsmarkt abgetan.

Beispiel für Inklusion

Zwar sei die Vermittlungsquote von behinderten Menschen aus Werkstätten in den sogenannten ‚ersten Arbeitsmarkt‘ beim WZB mit 0,6 Prozent – und im Bundesschnitt mit 0,3 Prozent – sehr gering. „Aber damit wir vermitteln können, müssen auch Betriebe vorhanden sein, die einstellen“, sagte Andre. „Und wenn man Inklusion ernst nimmt, wird es teuer.“ Oft sei dies nicht der Fall. Begrifflichkeiten und Zahlen seien daher relativ, was bei den VdK-Vertretern viel Zustimmung erntete. Auf dem Wendelinushof arbeiteten Menschen mit und ohne Behinderung zusammen und umgeben von jährlich bis zu 300.000 Besuchern – „das ist doch eigentlich das beste Beispiel für Inklusion“, sagte Andre.

Die VdK-Lotsen erhielten Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche und Abläufe auf dem Hof, der auf naturnahen Ackerbau, artgerechte Tiermast und hochwertige Produkte zielt. Jeder Mitarbeiter werde nach seinen Fähigkeiten gefördert und sozialpädagogisch betreut, erklärte Andre. Auf die regen Fragen nach der Vergütung und Betreuung der Werkstattbeschäftigten oder dem Rechtsrahmen der Eingliederungshilfe erhielten die VdK-Teilnehmer ebenso Antworten.

Der Wendelinushof, der zuvor zum Ordensbesitz der Steyler Missionare gehörte, ist seit 2005 eine von fünf Werkstätten, die das WZB im Saarland betreibt. Insgesamt beschäftigt das WZB 970 Menschen mit Behinderung. Saarlandweit gibt es derzeit rund 3800 Arbeitsplätze in Behindertenwerkstätten, bundesweit sind es 300.000.

Wie die Arbeitsagentur behinderten Menschen helfen kann

Bei einer weiteren Projektveranstaltung zum Thema „Arbeitsmarkt und Behinderung“ haben sich die Inklusions-Lotsen des VdK Saarland über Angebote und Fördermöglichkeiten zur „Teilhabe am Arbeitsleben“ durch die Agentur für Arbeit informiert. Michael Altpeter, Teamleiter der Abteilung für Schwerbehinderte und Rehabilitanden bei der Arbeitsagentur Saarbrücken, stand den 14 Teilnehmern in einer regen Debatte Rede und Antwort. Altpeter beleuchtete den gesetzlichen Rahmen zur beruflichen Integration von behinderten Menschen und die Unterstützung durch die Arbeitsagentur.

Zum Thema:

Frauke Scholl

Schlagworte Inklusionslotsen | Inklusion | Behinderung | Wendelinushof | Behindertenwerkstatt | Lebenshilfe | St. Wendel

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