11. Oktober 2019
VdK-Zeitung

Was in Schwalbach anders läuft

Weniger Bürokratie für arme Familien – das war das Ziel des Starke-Familien-Gesetzes. Doch die Realität vor Ort sieht anders aus. Eine Grundschule in Schwalbach zeigt, wie es besser laufen könnte.

In der Bachtalschule in Elm werden Kinder aus armen Familien aktiv unterstützt. | © Foto: VdK


Ein Schulausflug, eine Mitgliedschaft im Verein oder das Mittagessen – viele Eltern mit geringem Einkommen können diese Ausgaben nicht bezahlen. Damit Kinder aus armen Familien nicht benachteiligt werden, haben sie seit 2011 Anspruch auf Leistungen für Bildung und Teilhabe. Doch der bürokratische Aufwand war so hoch, dass nur ein Bruchteil der anspruchsberechtigten Kinder überhaupt davon profitieren.

In Schwalbach läuft es etwas anders – dort profitieren an den beiden Grundschulen rund 80 Kinder von Leistungen aus dem Bildungspaket. Schulsekretärin Klaudia Leidner erklärt, was hier anders läuft. „Wenn wir einen Ausflug machen, mussten die Eltern den Antrag auf einen Zuschuss vom Lehrer abstempeln lassen und dann dem Landkreis zur Genehmigung schicken. Stattdessen sammeln wir die Anträge und übermitteln sie dem Landkreis als Paket.“ Eine Lösung, die auch das Starke-Familien-Gesetz vorsieht, das seit Juli in Kraft ist.

Doch warum das in der Realität so einfach nicht funktionieren wird, erklärt Wilfried Hose, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Elm und früherer Geschäftsführer des Saarbrücker Jobcenters. „Das Problem ist, dass das Sekretariat der Grundschule für Leistungen des Bildungspakets laut Gesetz gar nicht zuständig ist, sondern der Landkreis. Dass es in Schwalbach funktioniert, liegt am guten Willen des Bürgermeisters und der Verwaltung.“ Denn die Eltern so zu unterstützen, wie sie es tue, bedeute für Klaudia Leidner einen bedeutenden Mehraufwand. Geld vom Bund für den Verwaltungsaufwand ist zwar vorhanden – allerdings geht auch dieses an den zuständigen Landkreis.

Entbindung von der Schweigepflicht

Fehlende Zuständigkeit heißt auch: die Schule weiß gar nicht, wer überhaupt einen Anspruch auf Leistungen des Bildungspakets hat. Aus diesem Grund lässt sie allen Eltern ein Informationsblatt zukommen. „Vielen Eltern sind diese Leistungen gar nicht bekannt. Dabei hätten ihre Kinder schon im Kindergarten einen Anspruch gehabt. Auch in den Kitas oder Vereinen fehlt es an Wissen darüber“, sagt Leidner, die auch Vorstandsmitglied im Ortsverband Elm ist. Sie informiert die Eltern aktiv – vor allem Alleinerziehende seien in der Regel anspruchsberechtigt.

Damit die Schule die Anträge überhaupt bearbeiten und gesammelt übermitteln darf, müssen die Eltern sie von der Schweigepflicht der zuständigen Stellen im Landkreis entbinden. „Es ist paradox. Wir müssen darum betteln, dass wir den Kindern helfen dürfen“, sagt Hose. Tatsache ist, dass nicht alle Eltern Leistungen in Anspruch nehmen, obwohl sie Anspruch hätten. „Natürlich gibt es Eltern, die nicht als arm erkannt werden wollen, sie beantragen dann nur das kostenlose Mittagessen“, sagt Leidner.

Ein weiteres Problem: Die Leistungen sind befristet und müssen jedes Mal neu beantragt werden, wenn die jeweilige Unterstützung verlängert werden soll. „Das haben viele Eltern nicht im Blick, darum weise ich sie immer darauf hin“, sagt Leidner. Die Arbeit der Schule zeige, dass die Gemeinde ihrer sozialen Verantwortung nachkomme, ergänzt Hose. Er ist sich sicher, dass in Zukunft deutlich mehr Leistungen des Bildungspaktes beantragt werden.

mwi

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