2. Oktober 2018
VdK-Zeitung

„Saarländer haben viele alte Schätzchen“

Im Sommer sind es die Ventilatoren, im Winter die Lampen, der Kühlschrank steht unter Dauerverdacht. Wenn der Energieversorger unerwartet hohe Nachzahlungen einfordert, wird der eigene Stromverbrauch zum greifbaren Problem. Ina Kunz, Projektleiterin von „Stromspar-Check Kommunal“, über Haushaltsmythen, einen Fernseher für Tiere und die Frage, ob der Hartz-­IV-Regelsatz die Kosten deckt.

Kühlschränke sind für Projektleiterin Ina Kunz oft die größten Stromfresser. | © Myriam Moser


Wohin schauen Sie zuerst, wenn Sie eine Wohnung zum Stromspar-Check betreten?

Ina Kunz: Auf den Bewohner. Jeder ist anders, viele Menschen sind vorsichtig, wenn Unbekannte in die Wohnung kommen. Wir machen schnell klar, dass wir nicht die Moralkeule schwingen und Befehle geben, sondern den Blick dafür schärfen wollen, wie sich der eigene Stromverbrauch zusammensetzt.

In welcher Situation erleben Sie die Menschen, die Sie beraten?

Ina Kunz: Manche stehen kurz vor der Stromsperre, weil sie mit Zahlungen an den Energieversorger in Verzug sind. Einige kommen von sich aus und sind neugierig, weil wir Stromsparhilfen verteilen.

Wie gehen Sie bei der Beratung vor?

Ina Kunz: Anfangs schauen wir gemeinsam die Stromrechnung durch und fragen nach dem Nutzungsverhalten. Wir wollen herausfinden, welche Geräte wann und wie oft gebraucht werden. Wenn wir dürfen, gehen wir durch die Räume, um Stromfresser zu entdecken. Nach der Analyse entscheiden wir, welche Soforthilfen wie LEDs die Situation verbessern. Bei einem zweiten Gespräch rechnen wir vor, wie hoch die Ersparnis dadurch sein kann. Wir bauen sie direkt ein, die Bewohner müssen nicht selbst auf die Leiter steigen.

Worauf verzichten Menschen, wenn sie auf eigene Faust versuchen, Strom zu sparen?

Ina Kunz: Ein junger Mann sagte zu uns, jemand müsse ihm Strom klauen. Er hatte schon seinen Kühlschrank, Fernseher, und Spielkonsolen abgeschafft und dennoch einen hohen Stromverbrauch. Wir haben nach seinen Gewohnheiten gefragt. Es stellte sich heraus, dass er gerne lange duscht und ein elektronischer Durchlauferhitzer im Badezimmer monatlich hundert Euro an Stromkosten verursacht.

Sollten alle Haushalte auf energieeffiziente Geräte umrüsten?

Ina Kunz: Das kann sich keiner leisten, aber alte Kühlschränke sind Stromfresser. Wir bezuschussen die Neuanschaffung eines energieeffizienten Geräts mit 150 Euro. Manche Energieversorger haben auch eigene Förderprogramme.

Fällt es nicht schwer, ein Gerät abzugeben, das noch funktionstüchtig ist?

Ina Kunz: Wir wollen verhindern, dass das Altgerät bei einem Kollegen in der Gartenlaube landet. Der Tausch soll sich auch für das Klima bezahlt machen. Die Saarländerinnen und Saarländer neigen dazu, viele alte Schätzchen aufzubewahren.

Ist die Küche der Knackpunkt?

Ina Kunz: Manchmal ist sie so klein, dass der Kühlschrank auf dem Balkon steht und in der Sonne noch mehr Strom benötigt. Dann haben wir schon umgeräumt. Die Essgewohnheiten beeinflussen den Verbrauch. Deckel auf die Töpfe, den Kühlschrank gut befüllen, die Kochstelle anstatt des Backofens benutzen – es gibt viele Möglichkeiten, effizienter zu werden.

Gibt es Tipps, die schwer zu vermitteln sind?

Ina Kunz: Wie lange und wie heiß jemand duscht, ist natürlich ein persönliches Thema. Und bisher hat noch niemand nach unserer Beratung sein Aquarium abgeschafft, weil wir einen hohen Stromverbrauch feststellen. Dass manche Kaffeemaschinen und Handy-Ladekabel auch im Standby-Verbrauch Energie verbrauchen, erklärt sich leichter.

Stoßen Sie in den Gesprächen auf Haushaltsmythen, die zu einem hohen Verbrauch führen?

Ina Kunz: Ja. Der Kühlschrank muss möglichst kalt sein, Energiesparlampen darf man nicht oft ein- und ausschalten, Wäsche sollte unbedingt auf 60 Grad gewaschen werden. Das ist Quatsch!

Fiel es diesen Sommer besonders leicht, Strom zu sparen?

Ina Kunz: Klima-Anlagen oder Ventilatoren müssen nicht sein, man kann einen Raum anders kühlen. Nach Möglichkeit sollte man die Zimmer beschatten, morgens gut lüften oder feuchte Handtücher in sonnige Räumen aufhängen, weil durch die Verdunstung von Wasser eine Kühle freigesetzt wird.

Welche Angewohnheiten sind Ihnen bei den Besuchen begegnet?

Ina Kunz: Kollegen haben eine Familie mit einem Hund betreut, der tagsüber alleine zu Hause war. Das mochte er nicht, deshalb durfte er sechs Stunden täglich fernsehen, was zu einer immensen Stromrechnung führte. Ich glaube, mittlerweile hört er Radio. Viele machen sich keine Gedanken, weil der Alltag gefüllt ist durch andere Dinge, die sie bewältigen müssen.

Glauben Sie, dass der Hartz-­IV-Regelsatz ausreicht, um die Stromkosten zu decken?

Ina Kunz: Der Satz ist sehr, sehr knapp bemessen und man muss wirklich aufpassen, dass man damit zurechtkommt. Ich denke aber nicht, dass es sinnvoll wäre, wenn ein Amt pauschal die Energiekosten übernehmen würde. Die Menschen sollen eigenverantwortlich über ihr Verhalten entscheiden.

Wie reagiere ich am besten, wenn die Stromsperre droht?

Ina Kunz: Spätestens bei der ersten Mahnung sollten die Menschen unbedingt eine Beratung aufsuchen. Lokale Energieanbieter sind oft gesprächsbereit, wenn Kunden einen Stromspar-Check wahrnehmen oder auf sie zukommen. Für mich ist die Stromsperre das Schlimmste, was es gibt.

Über das Projekt

Das Projekt „Stromspar-Check KOMMUNAL“ will den Energie- und Wasserverbrauch und die damit verbundenen Kosten in einkommensschwachen Haushalten senken. Die kostenlosen Beratungen richten sich an Menschen mit geringem Einkommen, beispielsweise Empfänger von Sozialleistungen sowie Menschen mit kleiner Rente. Saarlandweit haben bislang über 2125 Haushalte teilgenommen. Mehr Informationen unter www.stromsparcheck-saar.de oder telefonisch unter (0681) 99884880.

Kleine Helfer wie Messgeräte, LEDs und ein wassersparender Duschkopf werden beim „Stromspar-Check“ verteilt. | © VdK Saarland

Myriam Moser

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