1. März 2020
VdK-Zeitung

Schaukeln ohne fremde Hilfe

Im Dillinger Stadtpark ist Anfang Januar eine Inklusionsschaukel eingeweiht worden. Es ist die zweite dieser Art im Saarland und laut des Vereins „Pro Inklusionsschaukel“ auch die zweite dieser Art in ganz Deutschland.

Peter Haffner und die Behindertenbeauftragte der Stadt Dillingen, Ivonne Hellenbrand, testen die Inklusionsschaukel. Außerdem im Bild: Mike Mathes (links), Dillingens Bürgermeisr Franz-Josef Berg, Sozialministerin Monika Bachmann (Zweite von rechts) und der Beigeordnete Dietmar Bonner (rechts). | © Stadt Dillingen

Das Besondere dieser Schaukel: Ein Rollstuhlfahrer kann sie ohne fremde Hilfe benutzen und ist dabei mit einem Sicherheitsgurt gesichert. „Wir haben uns verschiedene Hersteller angeschaut. Erst die Schaukel des polnischen Herstellers Terma hat uns überzeugt“, sagt Peter Haffner, der den Verein zusammen mit Freunden vor einem Jahr gegründet hat. Bei Modellen anderer Marktführer seien Rollstuhlfahrer auf fremde Hilfe angewiesen.

„Diese Schaukeln hängen an einem Gerüst. Die Schaukel muss von der Seite geöffnet und der Rollstuhlfahrer von einer zweiten Person hineingeschoben werden. Das ist für uns weder inklusiv noch selbstbestimmt“, sagt Haffner. Der inklusive Gedanke ist für den Verein zentral. „Ob jemand auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen ist, man soll selbst entscheiden können, ob man das machen will.“

Eine polnische Rechtsanwältin im Bekanntenkreis hatte bei einem Aufenthalt in Polen die Schaukel entdeckt und den Verein darauf aufmerksam gemacht. Die Schaukel erfüllt weitere wichtige Kriterien: Sie ist mit einem Preis von 7500 Euro deutlich günstiger als die handelsüblichen Modelle mit Gerüst, sodass Kommunen sie sich eher leisten können. Das Sozialministerium unterstützt das Projekt mit insgesamt 30000 Euro, also 5000 Euro für jeden Landkreis.

Erste Inklusionsschaukel in Saarlouis

Die erste Inklusionsschaukel wurde im Oktober in Saarlouis eingeweiht. Weitere Schaukeln sind in Lebach, in Schmelz, am Noswendeler See, am Bostalsee und am Saarbrücker Staden geplant. Unter den Unterstützern sind unter anderem der Friedenskünstler Mike Mathes, der Oberbürgermeister der Stadt Saarlouis, Peter Demmer, und der Verband Selbsthilfe Körperbehinderter Saarland BSK.

Weiterer Vorteil der Schaukel: Sie entspricht der DIN-Norm. „Die Schaukel ist als Fitnessgerät zu­gelassen. Sie gilt also nicht als Spielgerät, darf aber neben einem Spielplatz aufgestellt werden. Inklusives Spielen ist möglich“, erklärt Haffner.

Die Idee zu dem Projekt kam ihm, als er beim Joggen an einem Spielplatz vorbeikam und ein Kind im Rollstuhl sah, das den anderen Kindern beim Spielen zuschaute, aber nicht teilhaben konnte. „Das Kind hat den anderen beim Toben zugesehen. Dieses Bild hat mich nicht mehr losgelassen. Daheim habe ich im Internet nach Rollstuhlschaukeln gesucht und mit Freunden und Unterstützern eine Facebook-Gruppe gegründet“, sagt Haffner. Denn das Schaukeln habe eine therapeutische Wirkung. „Schaukeln beruhigt und macht Spaß. Gerade für Menschen mit Behinderung ist es wichtig, um ihren Körper besser zu spüren“, sagt Haffner.

Im Januar hat der Verein das erste 24h-Inklusions-Schwimmen in Saarlouis organisiert. Dabei schwammen rund 450 Teilnehmer 24 Stunden lang insgesamt 1113 Kilometer für den guten Zweck. Der Erlös von 5000 Euro ging zur einen Hälfte an den Verein und zur anderen Hälfte an das Projekt „Helft Maya“. Die 13-jährige Maya aus Völklingen leidet an der seltenen Nervenkrankheit MPAN, die zu Krämpfen, Bewegungsstörungen, Erblindung und einer verkürzten Lebenserwartung führt.

Eine Inklusionsschaukel nutzt der Verein als Vorführmodell, zum Beispiel bei diversen Fastnachtsumzügen. „Wir transportieren die Schaukel auf einem Hänger. Natürlich wird während der Fahrt geschaukelt.“

Mehr Infos zum Verein unter www.pro-inklusionsschaukel.de

Maria Wimmer

Schlagworte Rollstuhl | Inklusionsschaukel | Schaukeln | Teilhabe | Inklusion | Rollstuhlfahrer

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