1. Juni 2017
VdK-Zeitung

„Ich fühle mich so viel sicherer“

Das Projekt „mobisaar“ ist ein kostenloser Lotsen-Begleitservice für Menschen mit Behinderung oder anderen Einschränkungen, der derzeit im Saarpfalz-Kreis und im Regionalverband angeboten wird. Jeden Donnerstag sind die Lotsen auch im Blieskasteler Stadtbus Dolmusch unterwegs.

Mobisaar-Lotsin Monika Warkotsch (2. von rechts) hilft älteren Menschen beim Einsteigen in den Blieskasteler Stadtbus. | © VdK/Wimmer


Ob Kleidung, Obst und Gemüse oder Tiroler Spezialitäten – der Wochenmarkt in Blieskastel am Donnerstag ist bei vielen älteren Menschen fest im Programm. Doch für Menschen mit Gehbehinderung ist der Weg oft eine Überwindung. Mit dem kostenlosen Lotsen-Begleitservice „mobisaar“, der ältere Menschen oder Menschen mit Geh-, Seh- oder Hörbehinderung beim Ein- und Aussteigen unterstützt, fällt es vielen leichter.

Das macht viel aus. Ich fühle mich so viel sicherer“, sagt Hildegard Schmidt (80), die sich auf einen Stock stützt und einen Einkaufstrolley neben sich herschiebt. Früher habe sie immer ihre Tochter gebeten, sie zu begleiten, aber die habe ja auch nicht immer Zeit. Gisela Scholl (82), die einen Rollator benutzt, fühlt sich ebenfalls sicherer. „Ich bin ja nicht mehr so beweglich, Einkaufen ist für mich beschwerlich. Die Lotsen sind sehr nett und freundlich“, sagt Scholl. Sie nutzt mobisaar regelmäßig, zum Beispiel wenn sie einen Arzttermin hat.

Hilfe beim Ein- und Aussteigen

Die beiden Lotsen, die an diesem Donnerstag mit dem Blieskasteler Stadtbus Dolmusch unterwegs sind, sind Sabi Keip und Monika Warkotsch. Als Gisela Scholl in den Bus steigt, nimmt ihr Monika Warkotsch den Rollator ab. Dann hilft sie der 82-Jährigen über die Buskante und begleitet sie zum Sitzplatz. Auch Hildegard Schmidt muss ihren Einkaufstrolley nicht alleine in den Bus heben – das übernimmt Warkotsch für sie und stützt dann ihren Arm beim Einsteigen.

Doch die Hilfe beim Ein- und Aussteigen ist nur ein Teil der Arbeit der mobisaar-Lotsen. „Wir müssen vor allem gut zuhören“, sagt Sabi Keip. Während der halbstündigen Busfahrt erfahren die Lotsen viel über die Lebensgeschichten der alten Menschen. „Wir nehmen die Leute, wie sie sind und geben ihnen das Gefühl, wichtig zu sein. Sie sind sehr offen und erzählen viel“, sagt Monika Warkotsch, die bereits vor ihrem Job als Lotsin jahrelang psychisch Kranke oder Menschen mit Demenz begleitet hat. „In der Regel sind die Leute sehr nett und geben einem viel Dankbarkeit zurück“, ergänzt Sabi Keip.

Die Lotsen helfen aber auch bei der Orientierung – wenn zum Beispiel ein Bus auf einem anderen Bahnsteig als geplant abfährt, wenn Flüchtlinge die Fahrpläne nicht lesen können oder man Hilfe beim Fahrkarten-Automaten braucht. Im Raum Homburg sei mobisaar mittlerweile sehr bekannt und werde oft nachgefragt, sagt Keip. Warkotsch und Keip gehören zu insgesamt zehn hauptamtlichen Lotsen, die vom Jobcenter an mobisaar vermittelt wurden. Ihr Einsatz wird von den Beschäftigungsgesellschaften GBQ in St. Ingbert und der Neuen Arbeit Saar in Homburg koordiniert. Neben den hauptamtlichen Lotsen werden für mobisaar regelmäßig ehrenamtliche Lotsen gebraucht. Diese werden auf ihre Einsätze vorbereitet und geschult.

Auf Wunsch bis an die Haustür Der nächste Einsatz führt Sabi Keip nach Frankenholz, wo er einen Rollstuhlfahrer nach Neunkirchen begleitet, dessen Rollstuhl dort repariert werden soll. Die Lotsen sind nicht nur in Bus und Bahn unterwegs, sondern holen die Kunden auf Wunsch auch an der Haustür ab.

Auf seinem Handy kann Keip in einem Programm, der mobisaar-App, sehen, welche Einsätze geplant sind. Es zeigt an, wo er den Kunden abholen und hinbringen soll und ob der Betroffene im Rollstuhl sitzt oder andere Einschränkungen hat. „Wenn jemand zum Beispiel Herzprobleme hat, könnte er uns das auch mitteilen, so dass wir in einem Notfall schnell reagieren können“, sagt Keip.

Wenn gerade kein Einsatz ansteht, fahren die Lotsen im Linienbetrieb mit – die Fahrten mit dem Stadtbus Dolmusch sind dabei fest im Programm und dienen auch dazu, den Lotsen-Service bekannter zu machen, der bisher im Saarpfalz-Kreis und im Regionalverband Saarbrücken angeboten und bis 2019 auf alle Landkreise ausgedehnt werden soll.

Maria Wimmer

Interesse, mobisaar-Lotse zu werden?

Alle Infos gibt es beim VdK Saarland
Referat Ehrenamt
Ingrid Wacht
Telefon (0681) 58459-129
ingrid.wacht@vdk.de


Über das Projekt

Der Sozialverband VdK Saarland ist einer von neun Partnern des Projekts mobisaar, neben der Saarbahn, dem iso-Institut, dem DFKI, B2M Software, dem SaarVV, der Neuen Arbeit Saar, der LAG Pro Ehrenamt und der Bahnhofsmission. Gefördert wird mobisaar für fünf Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die Förderung wird betreut durch die VDI/VDE/IT GmbH in Berlin.

Im Internet: www.mobisaar.de


Informationsbroschüren

Alle Infos und Anmeldung auch über die Broschüren zum Projekt:



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