10. April 2014
VdK-Zeitung

Ältere fühlen sich heute jünger - Kulturprogramme nicht mehr zeitgemäß

Wenn Museen die Generation 60plus ansprechen wollen, sollten sie ihre Vorurteile abbauen. Das findet zumindest Kulturwissenschaftlerin Esther Gajek. Bei einem Vortrag in Saarbrücken hat sie erklärt, warum Ältere nicht nur zum Kaffeeklatsch eingeladen werden wollen.

Symbolfoto: Ein Seniorenpaar geht Hand in Hand spazieren

Die heutige Generation 60plus will weniger Ruhe, sondern eher Aktion. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Kulturwissenschaftlerin Esther Gajek von der Universität Regensburg. „Ich habe an 70 Museumsführungen teilgenommen und die Älteren gefragt, was sie von kulturellen Angeboten erwarten und warum sie an der Führung teilnehmen.“ Die Antworten seien relativ eindeutig gewesen: „Ein Großteil will Interaktion und geistige Herausforderungen“, erklärt Gajek. Eben am Leben teilnehmen.

Im Rahmen einer Veranstaltung des Saarländischen Museumsverbandes, die vor Kurzem im Haus der Wirtschaftsförderung stattfand, sprach die Kulturwissenschaftlerin über die Selbstwahrnehmung von älteren Menschen. Diese fühlten sich heute im Schnitt etwa zehn Jahre jünger als sie tatsächlich seien. Eine Altersstudie eines großen deutschen Versicherungsunternehmens bestätigt das. Demzufolge seien ältere Menschen heute deutlich mobiler, sportlicher, aktiver und gesünder als noch Mitte der 1980er-Jahre.

Für Museen und Veranstalter sind das wichtige Informationen, um ihr Angebot anzupassen. Denn das, was heute an sogenannten Seniorenprogrammen existiert, vermittelt ein Bild von älteren Menschen, das nicht mehr zeitgemäß ist. „Wenn es kulturelle Veranstaltungen speziell für Ältere gibt, werden sie oft zum Museumskaffeeklatsch eingeladen“, so Gajek. „Solche Angebote enthalten das Vorurteil, die Älteren brauchen eher Entspannung und schmausen lieber, als dass sie sich intensiv mit einem Thema beschäftigen.“ Dabei sei es eher der Wunsch der Berufstätigen nach einer anstrengenden Arbeitswoche, mehr Ruhe zu haben. „Die Älteren wollen mehr als Ruhe. Deshalb schließen Sie die Seniorenschublade“, riet Gajek. Die Gruppe der älteren Menschen sei sehr heterogen, mit Vorurteilen müsse endlich Schluss sein. Das Motto mancher Älterer heiße sogar: „Auffallen statt verschwinden.“
Aber auch mit einem weniger schönen Punkt müssten sich Museen und Veranstalter in Zukunft auseinandersetzen, wenn sie Angebote für ältere Menschen entwickeln: „In der Generation 60plus gibt es eine Tendenz zur Verarmung“, erklärt Gajek. „Gerade viele ältere Frauen haben aufgrund von geringerer Schulbildung, Kindererziehungszeiten und kürzeren Arbeitszeiten während ihres Erwerbslebens heute sehr wenig Rente.“ Somit sei es auch wichtig, dass Programme für ältere Frauen, die den größeren Teil ihrer Generation ausmachten, nicht zu teuer seien.

nkl

Schlagworte ältere Menschen | Senioren | Rentner | Saarland | Generation 60plus | Museum | Museumsbesuch | Kultur | Esther Gajek | Selbstwahrnehmung

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