27. Februar 2014
VdK-Zeitung

Film über die Proteste beim Max-Ophüls-Festival

Das Saarbrücker Max-Ophüls-Festival ist zwar schon wieder lange vorbei, nicht aber die Verärgerung der behinderten Menschen, die sich Jahr für Jahr ausgeschlossen fühlen. Das Problem: Es fehlen Rollstuhlplätze, untertitelte Filme für Hörgeschädigte und Audiodeskriptionen für Sehbehinderte. Der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter hat darüber jetzt einen Film gedreht.

Der Auftritt von Dunja Fuhrmann bei der diesjährigen Eröffnung des Max-Ophüls-Festivals im Kinosaal 11 des Cinestar war Wochen vorher geplant. Nur die Veranstalter des Nachwuchsfestivals waren ahnungslos, als Peter Reichert die junge Frau im Rollstuhl mit Blumen bewaffnet ins Kino schob. „Wir wollten überraschend zugreifen“, erzählt der Sprecher des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter. In Saal 11 wurden am Abend der Eröffnung Ehrenpreise verliehen. „Wir kamen unter dem Vorwand rein, dass Dunja einem Preisträger Blumen überreichen wollte.“ Doch als die junge Frau endlich auf der Bühne ist und das Mikro in der Hand hält, hört das Publikum alles andere als lobende Worte.

Ihr Auftritt wird auch in andere Kinosäle übertragen. Vor über 1000 Menschen spricht sie über die Rechte der Behinderten und macht ihrem Ärger Luft, dass die Veranstalter kein barrierefreies Festival organisieren können. „Die Ansprache von Dunja ist eine Szene in unserem Film, der die gesamte Protestaktion am Tag der Eröffnung am 20. Januar dokumentiert“, sagt Reichert. Denn auch vor den Türen des Cinestar standen an diesem Abend rund 70 Menschen in Rollstühlen mit Transparenten.
„Adressiert ist unser Film nicht nur an die Veranstalter, auch die Landeshauptstadt und das Land sehen wir in der Verantwortung“, so Reichert weiter. Denn schließlich hätten Land und Stadt das Festival mit fast einer halben Million Euro unterstützt. „Damit hätte man eine barrierefreie Lösung für alle finden können.“
Barrierefreiheit schaffen

Die Veranstalter würden gerne nach eigener Aussage etwas verbessern: „Wir haben vorgeschlagen, im Cinestar Plätze zu entfernen, um für Rollstühle Platz zu schaffen“, erzählt der künstlerische Leiter Philipp Bräuer. „Das Kino hat das jedoch abgelehnt. Die Situation ist nicht zufriedenstellend, aber wir brauchen die Kinos als Partner.“ Reichert schlägt unter anderem andere Veranstaltungsräume wie die Congress- oder Saarlandhalle vor. Denn in den Sälen des Cinestar gibt es jeweils nur einen Platz für einen Rollstuhl, im Kino Achteinhalb immerhin vier. Die anderen Kinos sind für Rollstuhlfahrer überhaupt nicht zugänglich.

Was die Möglichkeit angeht, Filme für Sehbehinderte erlebbar zu machen, erzählt Bräuer: „Wir hatten extra 30 Kopfhörer für barrierefreie Fassungen besorgt. Aber wir hatten nur einen Film mit Audiodeskription.“ Die Zahl der Filme mit Untertitel sei dagegen gestiegen: „In diesem Jahr wurden 20 bis 30 eingereicht, im letzten Jahr kein einziger.“ Reichert betont in diesem Zusammenhang: „Das waren Fremdsprachentitel. Die mussten untertitelt werden.“ Das habe nichts damit zu tun gehabt, dass besonders an Behinderte gedacht wurde.

Der saarländische Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderung, Wolfgang Gütlein, verfolgt die Diskussion schon seit Jahren: „Mit etwas gutem Willen müsste man mit den Plätzen etwas verändern können.“ Die Umsetzung von Untertitelungen und Audiodeskriptionen aller Filme hält er für schwieriger: „Das ist aufwendig. Dazu gibt es immer wieder Diskussionen. Die Sehbehinderten selbst sind sich nicht einig, wie eine gute Deskription gemacht werden muss.“
Weitere Infos, wo und wann der Film zu sehen ist, gibt es auf der Internetseite des Bundesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter unter www.bsk-ev.org/

nkl

Schlagworte Barrierefreiheit | Barrieren | Behinderung | Behinderte | Saarland

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