3. Februar 2014
VdK-Zeitung

Osteoporose rechtzeitig erkennen

Eine Studie belegt, dass die meisten Patienten mit Osteoporose nicht so therapiert werden, wie es eigentlich nötig wäre. Denn immer noch nehmen Ärzte und Patienten Symptome zu selten wahr.

Osteoporose-Patienten werden häufig nicht behandelt. Dies ist kein Einzelfall, wie das Ergebnis einer aktuellen Studie der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: 60 Prozent der Patienten in Deutschland mit der Knochenkrankheit erhalten nicht die notwendigen Medikamente. Der saarländische Osteologe Dr. Gerd Lanzer aus Wadgassen, erklärt weshalb: „Ein wesentlicher Grund ist, dass die Osteoporose-Krankheit nicht so im Bewusstsein der Patienten und auch vieler Ärzte ist wie andere Krankheiten.“ Viele Ärzte würdigten die Symptome, wie Größenverlust und Knochenbrüche ohne entsprechendes Unfallereignis, nicht ausreichend. „Knochenbrüche bei Bagatellereignissen werden einfach hingenommen, oft operiert, die eigentliche Ursache, nämlich die starke Knochenbrüchigkeit aufgrund der Osteoporose aber nicht behandelt.“ Es werde einfach zu selten an diese Erkrankung gedacht und spezielle Untersuchungen in der Folge nicht veranlasst.

Das Risiko steigt mit dem Alter rapide an

Dr. Gerd Lanzer aus Wadgassen | © VdK Saarland

Bis zum Frühjahr 2013 gab es zusätzlich noch ein finanzielles Problem. Denn die Krankenkassen übernahmen bis dahin nur für diejenigen Patienten die Kosten für eine Knochendichtemessung, die bereits einen Bruch erlitten hatten. „Manche Patienten mussten erst mehrere Knochenbrüche erleiden, bis die nötige Untersuchung veranlasst wurde“, sagt Dr. Lanzer. Für eine DXA-Knochendichtemessung, die ein Patient zur Abklärung selbst wünschte, habe er bis vor einigen Monaten 40 bis 50 Euro bezahlen müssen. Mittlerweile übernehmen die Krankenkassen die Kosten bereits bei einem begründeten Verdacht. Dieser Verdacht besteht, wenn ein Patient eine der Fragen auf dem Fragebogen des DVO (Dachverband der Osteologen) (siehe Kasten rechts) mit ja beantwortet. „Dann besteht ein juristischer Anspruch auf eine Untersuchung“, erklärt Dr. Lanzer. Der Fragebogen sei wissenschaftlich fundiert. Wer nur einmal mit ja antworte, habe ein Risiko von 20 Prozent, in den nächsten zehn Jahren einen Knochenbruch zu erleiden und solle dann deshalb untersucht werden.

Das Risiko, an Osteoporose zu erkranken, steigt mit dem Alter rapide an – vor allem bei Frauen. Insgesamt sind den neuesten ­Statistiken zufolge bundesweit 6,3 Millionen Menschen betroffen, 5,2 Millionen davon sind Frauen. Jedes Jahr kommen der Studie nach 885 000 Neuerkrankungen dazu. Die Zahlen stammen aus der „Bone Evaluation Study“ von 2012, einer Analyse von Krankenkassendaten. Deshalb rät der saarländische Osteologe: „Jede Frau nach der Menopause sollte sich untersuchen lassen, jede Frau über 70 Jahre und jeder Mann über 80 Jahre. Die älteren Menschen haben viel höhere Risiken. Ich empfehle zusätzlich jedem zur Einschätzung des eigenen Frakturrisikos den ­Risikofragebogen“.

Knochenbrüche: In Saarbrücken besonders häufig
Die Saarbrücker erleiden im Vergleich mit Einwohnern anderer deutscher Städte besonders häufig Knochenbrüche. Das geht aus einer aktuellen Statistik des Männermagazins „Men’s ­Health“ hervor. Die Zahlen be­ruhen auf Patientendaten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK.
Beim Vergleich 50 deutscher Städte belegte Saarbrücken Platz zehn. 4,55 Prozent der AOK-Krankenversicherten in der saarländischen Landeshauptstadt wurde 2012 wegen einer Fraktur behandelt. Die meisten Brüche erlitten die Menschen in Rostock mit 7,15 Prozent (Platz eins). Die gesündesten Menschen gibt es anscheinend in Duisburg. Hier wurden nur 3,29 Prozent der AOK-Versicherten wegen einer Fraktur behandelt.
Eine Erklärung für die Zahlen liefert der stellvertretende Geschäftsführer beim Wissenschaftlichen Institut der AOK in Berlin, Helmut Schröder: „Beim Knochenbruch-Risiko haben viele Faktoren Einfluss, beispielsweise das Alter, das Geschlecht sowie das Sport- und Freizeitverhalten.“ Allein der Aspekt des Alters könnte somit eine Erklärung für die hohe Zahl in Saarbrücken sein: Denn laut Zensus 2011 leben im Saarland mehr Menschen über 65 Jahre als in den meisten anderen Bundesländern.

Nadine Klees

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Wie hoch ist mein Osteoporose-Risiko?

Der Fragebogen wendet sich bei vorhandenen Knochenbrüchen an Frauen ab 50 Jahren und Männer ab 60 Jahren und ohne Brüche an Frauen ab 60 und Männer ab 70 Jahren sowie an Frauen unter 50 Jahren und Männer unter 60 Jahren, die einen Wirbelkörperbruch hatten oder mehr als 7,5 mg Kortison täglich längerfristig einnehmen.

Wenn Sie zu den genannten Gruppen gehören und nur eine Frage mit ja beantworten, ist ein Gespräch mit Ihrem Arzt sinnvoll. Denn dann liegt das Risiko, dass Sie in den nächsten zehn Jahren eine Fraktur er­leiden, bei 20 Prozent.

  • Haben Sie aus geringem Anlass einen Knochenbruch erlit­ten (z. B. bei einem Sturz aus dem Stand)?
  • Gab es Oberschenkelhalsbrüche bei Ihrem Vater oder Ihrer Mutter?
  • Haben Sie schon einmal länger als drei Monate Kortison eingenommen (mehr als 2,5 mg pro Tag)?
  • Sind Sie im letzten Jahr zweimal oder häufiger gestürzt?
  • Können Sie nicht mehr regelmäßig das Haus verlassen?
  • Waren Sie längere Zeit bettlägerig oder auf einen Rollstuhl angewiesen?
  • Sind oder waren Sie in den letzten zwei Jahren Raucher?
  • Wurde bei Ihnen ein Unter­gewicht festgestellt?
  • Liegt bei Ihnen eine der folgenden Erkrankungen vor: entzündliches Gelenkrheuma, Epilepsie, Diabetes mellitus Typ I, Nebenschilddrüsenerkrankung oder wurde Ihnen der Magen entfernt?
  •  Nehmen Sie Medikamente für eine Antihormontherapie (bei Brust- und Prostatakrebs)?

Quelle: Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO) 2009

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