2. Oktober 2013
VdK-Zeitung

Einbahnstraße für Rollstuhlfahrer

Für gehbehinderte Menschen sind Straßen oft ein Hindernisparcours. Umso wichtiger ist es, dass der öffentliche Nahverkehr barrierefrei wird. Doch der Ausbau ist auch ein finanzielles Problem.

Die Bordsteinkante an der Haltestelle vor Thimmels Haustür ist nur wenige Zentimeter hoch. Keine große Hilfe beim Einsteigen. Auf 18 cm soll sie angehoben werden, damit das Einsteigen in einen Bus mit Gehbehinderung leichter wird. | © Nadine Klees


Als Rollstuhlfahrer geht es manchmal nur in eine Richtung. Diese Erfahrung hat Marcel Thimmel (26) aus Merzig-Menningen bereits gemacht. So kann er ab dem Merziger Hauptbahnhof mit dem Zug nur nach Trier fahren, aber nicht nach Saarbrücken. Denn nur Gleis 1 ist barrierefrei und somit für gehbehinderte Menschen zu erreichen. Zu Gleis 2 führt der Weg durch eine Unterführung mit unzähligen Treppen. Für Thimmel unmöglich, selbst mit Hilfe. Aufzüge oder Rampen sucht man vergebens.

„Es geht nicht nur um mich“, betont der 26-Jährige. Auch ältere Menschen mit Rollatoren seien betroffen oder Kranke, die mit Krücken laufen. Aber nicht nur am Bahnhof heißt es für Thimmel Endstation, auch Bushaltestellen sind häufig Hindernisse – angefangen mit der direkt vor seiner eigenen Haustür. Da der Bordstein zu niedrig ist, kann er ohne Hilfe nicht in den Bus einsteigen. „Ich frage mich,wieso nicht einfach alle Haltestellen barrierefrei umgebaut werden.“ Für den jungen Mann würde das mehr Unabhängigkeit und Selbstständigkeit bedeuten.

Die Antwort auf seine Frage ist wie häufig ein finanzielles Problem. Zwischen 10 000 und 30 000 Euro kostet der Umbau einer einzigen Haltestelle inklusive Wartehäuschen, sagt Ulrich Mey vom Bauamt in Merzig auf Anfrage des VdK. Besonders teuer sei ein Umbau dann, wenn beim Anheben des Bordsteins noch eine Rinne gebaut werden müsse, damit das Regenwasser nicht zu den Häusern hinläuft. „Deshalb machen wir das zunächst auf Zuruf, dort wo Rollstuhlfahrer wohnen.“ Die Haltestelle vor der Tür des 26-Jährigen soll noch bis Ende des Jahres umgebaut werden. Dann wird der im Moment noch sehr niedrige Bordstein auf 18 Zentimeter angehoben, damit Gehbehinderte besser einsteigen können. Insgesamt könnten in Merzig wegen der Höhe der Kosten nur zwei bis drei Haltestellen pro Jahr erneuert werden,so Ulrich.

Wie viele Haltestellen in Merzig bereits barrierefrei sind, ist noch nicht erfasst: „Dazu wird zurzeit ein Kataster erstellt“, sagt Mey. „Wüssten wir, wo genau Rollstuhlfahrer oder blinde Menschen wohnen, könnten wir den öffentlichen Nahverkehr trotz hoher Kosten zielgerichteter ausbauen.“

Für Saarbrücken gibt es bereits Zahlen, zumindest für die Haltestellen,die die Saarbahn GmbH anfährt:Von rund 850 Bushaltestellen im Stadtgebiet sind nach Aussagen des Unternehmens 100 barrierefrei. Die 68 Saarbahnhaltestellen sind bis auf eine in Güdingen ebenfalls für Rollstuhlfahrer zugänglich. Nach Angaben der Landeshauptstadt gibt es eine Prioritätenliste für den Ausbau der Haltestellen. Das Umbauprogramm laufe seit Jahren, wann es abgeschlossen sei, sei derzeit nicht zu beantworten.

Wenn der Bordstein zu niedrig ist, sind auch Niederflurbusse mit Absenkvorrichtung, die die Saarpfalzbus und Saarbahn GmbH im Saarland überwiegend nutzen, oft noch zu hoch, erklärt Thimmel. Das heißt, er bräuchte Hilfe vom Fahrer. Doch kann man sich darauf verlassen? „Busfahrer der Saarbahn GmbH sind dazu verpflichtet, mobilitätseingeschränkten Fahrgästen zu helfen“, heißt es von Unternehmensseite. Auch Saarpfalzbus sagt, es sei eine Dienstanweisung und gehöre zu den Aufgaben des Fahrers.

Aber nicht nur die Busunternehmen,auch die Deutsche Bahn scheint sich mit den Thema zu beschäftigen: Auf Anfrage teilte das Unternehmen mit, zahlreiche saarländische Bahnhöfe seien bereits barrierefrei. In Neunkirchen, Völklingen, Burbach und Merzig würden derzeit Aufzüge gebaut. Für Marcel Thimmel bedeutet das wieder mehr Mobilität. Denn ob er nach Trier oder Saarbrücken fahren möchte, kann er sich dann künftig selbst aussuchen.

Nadine Klees

Schlagworte Barriere | barrierefrei | Rollstuhl | Behinderung | Behinderte | öffentliche Verkehrsmittel | Zug | Bus | Gehbehinderung

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