24. Januar 2022
PRESSEMITTEILUNG

Armutsfalle Pflegeheim:
Spürbare Entlastung dringend nötig

Mit über 2730 Euro zählt der durchschnittliche Eigenanteil für Pflegebedürftige in saarländischen Einrichtungen zu den drei höchsten bundesweit.

Frau schaut besorgt
© VdK Deutschland

Der durchschnittliche Eigenanteil im Pflegeheim ist nach im Januar veröffentlichten Zahlen des Verbandes der Ersatzkassen vdek 2022 erneut gestiegen – und zwar um 150 Euro innerhalb eines Jahres. Im Saarland müssen Pflegebedürftige demnach 2735 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Der Eigenanteil zählt zu den drei höchsten bundesweit vor Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Die Folge: Bei jedem zweiten Heimbewohner im Saarland reichen Rente und Vermögen nicht aus, um die Kosten zu stemmen. Der Sozialverband VdK Saarland drängt angesichts der aktuellen vdek-Daten auf eine echte Pflegeversicherung, die alle pflegebedingten Kosten abdeckt.

„Ein Auto kann ich gegen sämtliche Risiken absichern, bei der Pflegeversicherung geht das nicht. Dabei ist Pflegebedürftigkeit ein viel zentraleres Lebensrisiko als ein Steinschlag. Die Kosten fürs Pflegeheim setzen sich nicht nur komplex zusammen, sie sind auf lange Zeit auch kaum kalkulierbar. Sie machen schlichtweg arm“, so der VdK-Landesvorsitzende Armin Lang. Pro Monat zahlen Heimbewohner im Saarland aktuell durchschnittlich 1.062 Euro für den pflegebedingten Eigenanteil aus eigener Tasche, darüber hinaus 515 Euro für Investitionskosten sowie 940 Euro für Unterkunft und Verpflegung. Hinzu wird ihnen eine Ausbildungspauschale von rund 218 Euro in Rechnung gestellt. Die Gesellschaft dürfe nicht dulden, dass derzeit rund 5700 Saarländerinnen und Saarländer - also fast die Hälfte der Bewohner - vom Sozialamt Hilfe zur Pflege benötigen, womit ihnen nur ein Taschengeld bleibt.

„Die Ampel-Koalition muss dringend sicherstellen, dass eine Trendwende bei der Finanzierung der Pflege eintritt“, sagte der Armin Lang. Die Landesregierung komme seit Jahren ihrer Verantwortung nach einer bezahlbaren pflegerischen Infrastruktur nicht nach und habe sich auch aus der Finanzierung der Investitionskosten zurückgezogen. Deshalb müsse die Landesregierung per Bundesrats-Initiative darauf pochen, dass schnellstmöglich neben den Ausbildungskosten auch die Investitionskosten steuerfinanziert werden. Lediglich die Kosten für Unterkunft und Verpflegung seien den Betroffenen zuzumuten.

Geplante und notwendige Verbesserungen der Qualität, beispielsweise mehr Personal, müssen solide gegenfinanziert sein. Die seit Januar 2022 gültige Regelung eines Zuschusses für den pflegebedingten Eigenanteil, dessen Höhe abhängig von der Verweildauer in der Einrichtung ist, löse das Problem keineswegs. „Die Hälfte der Pflegeheimbewohner verstirbt innerhalb des ersten Jahres. Es braucht eine mutigere Reform, die sicherstellt, dass Pflege nicht arm macht“, Lang weiter. Dies sei auch möglich, wenn die Gesamtkosten der Pflege endlich solidarisch von allen in der Gesellschaft entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit getragen würden.

Lang fordert die Landesregierung auf, auch die familiäre Versorgung von Pflegebedürftigen zu verbessern und ambulante Entlastungsangebote auszubauen. Zwar werden derzeit vier von fünf Pflegebedürftigen zuhause versorgt, doch die Nachfrage an professioneller Pflege werde durch den demografischen Wandel wachsen. Das Saarland hat die älteste Bevölkerung in Westdeutschland. Viele Jüngere ziehen weg oder können sich wegen ihres Berufs nicht komplett um die Pflege kümmern.

„Deshalb brauchen wir von der Landesregierung gefördertes zivilgesellschaftliches Engagement durch professionelles, kommunales Quartiersmanagement und bedarfsgerechte Förderprogramme, die barrierearme und technisch vernetzte Wohnungen möglich machen, in denen gut gepflegt werden kann. Pflege ist ein enormer Kraftakt. Eine stabile Finanzierung und bedarfsgerechte Unterstützung für den Verbleib im eigenen Zuhause sind das Mindeste, was den Betroffenen zusteht“, so Lang.

red

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