2. Dezember 2021
Pressemeldungen

Tag der Menschen mit Behinderungen:
VdK fordert mehr Barrierefreiheit

Das Jahr 2022 steht vor der Tür – dennoch sind sowohl das Saarland als auch Deutschland noch meilenweit von Barrierefreiheit im öffentlichen Raum entfernt und erfüllen damit die bundespolitische Zielsetzung eines barrierefreien öffentlichen Personennahverkehrs bis zum Januar 2022 nicht.

„Leider hinkt das Saarland bei der Ausstattung der Bahnhöfe immer noch deutlich hinterher. Ein besonderes Manko sind das Fehlen von behindertengerechten Toilettenanlagen und die Ausstattung für sehbehinderte Menschen – also taktile Leitsysteme, Blindenleitstreifen oder akustische Ansagen“, sagt der VdK-Landesvorsitzende Armin Lang anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember.

Angaben der Deutschen Bahn von 2019 zufolge sind im Saarland 71 Prozent der Bahnsteige stufenfrei zugänglich – damit ist das Saarland bundesweites Schlusslicht. Allerdings bedeute stufenfrei nicht barrierefrei, da diese Bezeichnung auf den einzelnen Bahnsteig abzielt. So müssten Rollstuhlfahrer oft weite Umwege in Kauf nehmen, wenn sie einen Bahnsteig wegen eines fehlenden Aufzuges nicht überqueren können, der Bus aber auf der anderen Seite abfährt.

Hinzu komme, dass die Ausstattung für seh- und hörbehinderte Menschen oft nur eine untergeordnete Rolle spiele. „Die Bedürfnisse dieser Menschen werden beim Thema Barrierefreiheit bisher nicht ausreichend berücksichtigt, was dazu führt, dass viele sich nicht trauen, allein mit Bus oder Bahn zu fahren und auf andere Menschen angewiesen sind – etwa um zu wissen, ob sie in den richtigen Bus einsteigen“, sagt Lang. Aus Sicht des VdK ist Barrierefreiheit nicht nur für Menschen mit Behinderungen wichtig, sondern für alle Menschen von Vorteil – zum Beispiel für Radfahrer, Menschen mit schwerem Gepäck oder mit Kinderwagen.

Der VdK fordert, dass das Saarland in den Programmen des Bundes zum barrierefreien Umbau von Bahnhöfen stärker berücksichtigt wird. „Das betriebswirtschaftliche Kalkül der Bahn darf nicht länger den sozialen Auftrag eines ÖPNV für alle behindern“, so Lang mit Bezug auf eine Regel der Bahn, wonach Bahnhöfe mit mehr als 1000 Reisenden pro Tag bevorzugt barrierefrei umgebaut werden, so dass kleine Bahnhöfe nur in Ausnahmefällen davon profitieren. Der VdK fordert, diese Regelung ersatzlos zu streichen und Betroffene zu Fragen der Fahrzeugentwicklung stärker einzubeziehen.

Neben dem ÖPNV sieht der VdK auch bei der Barrierefreiheit von Arztpraxen einen hohen Handlungsbedarf. So haben bei der Arztsuche der Kassenärztlichen Vereinigung des Saarlandes nur ein Viertel aller Ärztinnen und Ärzte angegeben, dass ihre Praxis über einen stufenfreien Zugang oder einen Behindertenparkplatz verfügt und nur 13 Prozent gaben barrierefreie Sanitäranlagen an. Orientierungen für Sehbehinderte wurden sogar nur von zwei Prozent genannt. Es sei hoch problematisch, dass die Angaben der KV nur auf Eigenauskünften der Arztpraxen beruhten. „Die Information, dass eine Praxis einen Behindertenparkplatz hat, sagt ja noch nichts darüber aus, wie weit dieser von der Eingangstür entfernt ist."

Großer Nachholbedarf besteht aus Sicht des VdK auch bei der barrierefreien Gestaltung von Internetseiten sowie im Fernsehen und Radio. „Wir brauchen mehr Untertitelung, Audiodeskription und Übersetzung in Gebärdensprache, aber auch mehr leichte Sprache und generell eine bessere Sprachverständlichkeit, denn gerade ältere Menschen klagen zunehmend über Hintergrundmusik und -geräusche“, sagt Lang. Nach wie vor seien zu viele Internetseiten nicht barrierefrei, so dass Menschen mit Behinderungen in ihrer Teilhabe eingeschränkt würden. „Wer öffentlich zugängliche Dienstleistungen anbietet, muss diese barrierefrei anbieten – nicht nur die öffentliche Hand! Wir brauchen hier verbindliche Regeln und Sanktionsmöglichkeiten, wie es sie in anderen Ländern bereits gibt. Die Absicht der Ampel-Koalition, private Anbieter von Gütern und Dienstleistungen dazu zu verpflichten, muss schnellstmöglich umgesetzt werden“, sagt Lang.

Positiv sei hingegen, dass das Land den Begleitservice von mobisaar in den Regelbetrieb übernommen habe. „Das ist ein großer Fortschritt, denn mobisaar ist der einzige Begleitdienst in Deutschland, der schnell und unkompliziert über eine App buchbar ist und der auch den ländlichen Raum abdeckt – wenn auch nur zwischen 8 und 18 Uhr. Solche Begleitdienste und umstiegsunterstützende Dienste müssen zum Standard im gesamten öffentlichen Nah- und Fernverkehr werden“, sagt Lang.

red

Schlagworte Barrierefreiheit | ÖPNV

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