15. Juli 2021
Pressemeldungen

Steigende Kinderarmut: Alleinerziehende stärker entlasten!

Alleinerziehende Familien müssen viel gezielter gefördert und entlastet werden, fordert der Sozialverband VdK Saarland. Knapp die Hälfte leidet unter Armut. Das wirkt sich auf die Kinderarmut aus, die im Saarland seit 2010 um sechs Prozent gestiegen ist.

„Die aktuellen familienpolitischen Leistungen schützen nicht vor Armut. Wir können nicht hinnehmen, dass fast die Hälfte der Alleinerziehenden unter Einkommensarmut leidet, obwohl sie so viel mehr leisten müssen. Es braucht viel mehr spezifische Förderungen für Ein-Eltern-Familien“, sagt Karin Lawall, VdK-Landesvorstandsmitglied und im VdK zuständig für Familienpolitik, als Reaktion auf eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung.

Obwohl Alleinerziehende, zum Großteil Frauen, häufig vollzeitnah arbeiten, reicht das Einkommen in der Regel nicht aus, das Risiko für Altersarmut ist hoch. Ein Grund dafür sei eine unzureichende und zu teure Kinderbetreuung, sagt Lawall. „Viele Frauen müssen unter ihrem Qualifikationsniveau arbeiten, weil sich der Job und Familie sonst nicht unter einen Hut bringen lassen. Ein Vollzeit-Job ist bei den regulären Betreuungszeiten beziehungsweise nicht verfügbaren Ganztagesplätzen nur schwer zu realisieren, zudem sind Alleinerziehende in der Regel auf sich gestellt, wenn das Kind krank ist.“ Deshalb müssten die Angebote zur Kinderbetreuung erweitert und flexibilisiert und Arbeitszeitmodelle, zum Beispiel durch mehr Homeoffice, familienfreundlicher werden. Außerdem müsse es entsprechende Sozialleistungen für die erhöhten Mehrbedarfe getrennt lebender Familien geben.

Jede dritte Alleinerziehende ist – häufig trotz Arbeit – auf Hartz-IV angewiesen, dieser Anteil ist fast fünfmal höher als bei Paarfamilien. Ein Problem ist, dass fast zwei Drittel der alleinerziehenden Mütter im ALG-II-Bezug keinen Bildungsabschluss hat und daher im Niedriglohnsektor arbeitet. „Ihre Qualifizierung ist der Schlüssel, um Langzeitarbeitslosigkeit und damit Armut zu verhindern. Vor dem Hintergrund des Fachkräfte-Mangels ist es eine gesellschaftliche Notwendigkeit, das Potenzial von Frauen stärker zu nutzen“, sagt Lawall. Dazu müssten Angebote zur Berufsausbildung an die besonderen Bedürfnisse von Alleinerziehenden angepasst werden, etwa in Bezug auf die Kinderbetreuung in Ferienzeiten.

Wer Alleinerziehende unterstützt, bekämpft zudem die dramatisch ansteigende Kinderarmut, denn fast jedes zweite Kind, das in Armut aufwächst, lebt bei nur einem Elternteil und häufig in beengten Wohnungen. Laut einer Expertise des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes stieg die Kinderarmut im Saarland zwischen 2010 und 2019 um sechs Prozent – die Folgen der Corona-Pandemie sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

„Der VdK fordert eine eigenständige, materielle Sicherung von Kindern und Jugendlichen in Form einer Kindergrundsicherung. Zudem müssen die Leistungen von Bildung und Teilhabe viel unbürokratischer zugänglich gemacht und Kinder aus sozial benachteiligten Quartieren so früh wie möglich gefördert werden. Die frühkindliche Förderung darf nicht vom Wohnort, der sozialen Herkunft oder von privaten Initiativen abhängen!“, so Lawall.

red

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