25. März 2021
Pressemeldungen

"Alle Impfstoffe schützen
vor einem schweren Verlauf"

Mehr als 200 Live-Zuschauer verfolgten die Online-Veranstaltung „Der VdK fragt nach: Ihre Fragen zur Corona-Impfung“ Ende März. Experten erklärten, wie verträglich und sicher die Impfstoffe sind und warum nicht jeder sofort einen Impftermin bekommt. Hier können Sie die Sendung sehen und den Bericht lesen.

Video:

Bericht:

„Alle Impfstoffe sind sicher und schützen zu über 95 Prozent vor schweren Verläufen bei einer Corona-Infektion, auch AstraZeneca“, sagte Prof. Sören Becker vom Universitätsklinikum des Saarlandes bei der Online-Veranstaltung „Der VdK fragt nach: Ihre Fragen zur Corona-Impfung“ Ende März vor mehr als 200 Live-Zuschauern.

Insgesamt verzeichnete der Stream mehr als 1000 Aufrufe. Neben dem Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene standen Stephan Kolling, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, und der zuständige Referatsleiter fürs Impfen, Bernd Schnabel, Rede und Antwort zu organisatorischen Abläufen und medizinischen Aspekten der Impfung. Die Moderation übernahm VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn.

Fast 200 Fragen hatten den Sozialverband VdK Saarland zur Corona-Impfung erreicht: Die Sicherheit und Verträglichkeit von Impfstoffen bei bestimmten Vorerkrankungen standen dabei im Vordergrund – zusammen mit der Frage, wann mit einem Impftermin zu rechnen ist und ob man den Impfstoff frei wählen kann. „Solange wir so wenig Impfstoff haben, gibt es kein Wunsch- und Wahlrecht. Nur bei entsprechender medizinischer Indikation kann der impfende Arzt, also der Arzt im Impfzentrum oder der Hausarzt, anders entscheiden“, stellte Kolling klar.

Becker ergänzte, dass grundsätzlich nichts gegen eine Zweitimpfung mit einem anderen Impfstoff spreche. Auf die häufig gestellte Frage, ob bei Thrombose-Neigung ein erhöhtes Risiko bei der Impfung bestehe, sagte Becker: „Eine frühere Thrombose-Neigung gilt nach jetzigem Erkenntnisstand nicht als erhöhtes Risiko für eine Impfreaktion nach AstraZeneca.“ Auch bei den meisten Autoimmunerkrankungen bestünde kein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sei in jedem Einzelfall sinnvoll.

Die Experten-Fragerunde wurde live auf Zoom und YouTube übertragen. | © VdK

„Warum hat mein Nachbar schon einen Termin und ich nicht, obwohl ich zahlreiche Vorerkrankungen habe?“ – eine Frage, die sehr viele Menschen beschäftigt. Staatssekretär Stephan Kolling warb um Geduld und stellte klar, dass es sich bei der Impftermin-Vergabe nicht um ein Glücksspiel handle. „Dass die Impfung kommen wird, ist sicher, die Frage ist nur, wann.“ Die Abkehr vom Windhund-Prinzip sei gewünscht gewesen, daher würden jetzt Impflisten gebildet und durchmischt – über den Impftermin entscheide unter notarieller Begleitung ein Zufallsgenerator. Die rund 80.000 Menschen, die aktuell auf einen Impftermin warten, würden bis Mitte Mai ein Impfangebot bekommen. Menschen, die in Kürze 70 Jahre alt werden und daher noch nicht in die aktuelle Priorisierungsgruppe 2 fallen, hätten die Möglichkeit, sich zwei Monate vor ihrem 70. Geburtstag anzumelden, ergänzte Bernd Schnabel.

Eine Unter-Priorisierung innerhalb der Priorisierungsgruppen mache keinen Sinn, da bei der Anmeldung nicht das komplette Krankheitsbild der Person erfasst werden könne, erklärte Schnabel. Bei schweren Vorerkrankungen, die nicht in den starren Normenkatalog der Impfverordnung passten, sei aber die Möglichkeit einer Vorziehung durch die Härtefall-Kommission möglich, sagte Kolling. „Wir haben diese neutrale und unabhängige Kommission geschaffen, um jedem eine Chance zu geben. Wir nehmen das sehr ernst“, erklärte der Staatssekretär. Die Kommission habe bereits 1200 Anträge erhalten und arbeite mit großer Sorgfalt. Rund 60 Prozent der Antragsteller würden eine positive Antwort erhalten.

Ein weiteres Thema, das sehr häufig an den Sozialverband herangetragen wurde: Die Vereinsamung von Pflegebedürftigen und die belastende Situation in der häuslichen Pflege. Für Pflege-Einrichtungen kündigte Kolling Lockerungen bei den Besuchsregelungen an. „Wenn es die Inzidenz zulässt, werden wir jeden Tag zwei Besucher aus zwei Haushalten zulassen.“ Auch für die Tagespflege könnte es in einigen Wochen neue Perspektiven geben.

Ein Problem, das viele VdK-Mitglieder beschäftigt: Wie komme ich, etwa aus Freisen im Nordsaarland, ins Impfzentrum, vor allem, wenn ich nicht mobil bin oder keine Angehörigen habe? Referatsleiter Schnabel erklärte, dass viele Menschen aus dem Nordsaarland Alternativtermine im Impfzentrum Saarbrücken bekommen hätten, weil das Impfzentrum Neunkirchen nicht genügend Kapazitäten gehabt habe – die Situation habe sich jetzt aber durch das vierte Impfzentrum in Lebach entspannt.

Kolling sprach sich dafür aus, bettlägerige Patienten, die zuhause versorgt werden, so schnell wie möglich mit Unterstützung der Hausärzte zu impfen. „Wir Hausärzte stehen bereit“, sagte der niedergelassene Hausarzt Thorsten Lenthe aus Oberkirchen in einem vor der Sendung aufgezeichneten Video. „Wenn praxistauglicher Impfstoff kommt, gehört er in die Praxen und nicht in die Impfzentren. Wir Hausärzte können schneller, effektiver und kostengünstiger impfen. Auch spüren wir den Wunsch der Patienten, aufgrund der Akzeptanz ihres Hausarztes, sich in der Praxis impfen zu lassen“, sagte Lenthe. Kolling ergänzte, dass die Hausarztpraxen Impfstoff bekämen, sobald genügend zur Verfügung stehe, was in einigen Wochen der Fall sein werde.

Zum Abschluss erklärte Peter Springborn: „Wir hoffen, dass wir ein wenig die Angst vor dem Impfstoff AstraZeneca nehmen und mehr Transparenz und Verständnis schaffen konnten, warum bestimmte Abläufe so sind, wie sie sind und nicht einfach geändert werden können – eben auch, weil zu wenig Impfstoff da ist.“ Bei Fragen sollten Patienten sich mit dem Arzt, der ihre Krankheitsgeschichte kennt, besprechen.

red

Schlagworte Corona | Corona-Impfung

Fragerunde zur Corona-Impfung
mit folgenden Experten:

  • Stephan Kolling, Staatsekretär im Gesundheitsministerium
  • Bernd Schnabel, Leiter der Stabsstelle Impfen und Abteilungsleiter im Gesundheitsministerium
  • Prof. Sören Becker, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum des Saarlandes

Moderation: VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn

Wo finde ich welche Themen?

  • Wann komme ich an die Reihe? (52. Minute)
  • Wie komme ich ins Impfzentrum (45. Minute)
  • Kann ich einen anderen Impfstoff wählen? (1:19:00)
  • Wie schützen Impfstoffe? (1:04:00)
  • Impfung bei Thrombose-Risiko (1:13:00)
  • Impfung bei Autoimmunerkrankungen (1:14:00)
  • Zweitimpfung mit anderem Impfstoff (1:04:00)
  • Priorisierungscode (31. Minute)
  • Priorisierung bei Kontaktpersonen von Schwerbehinderten (32. Minute)
  • Härtefall-Kommission (27. Minute)
  • Hausärzte stehen bereit (41. Minute)

Datenschutzeinstellungen

Wir setzen auf unserer Website Cookies ein. Einige von ihnen sind notwendig, während andere uns helfen, unser Onlineangebot zu verbessern.

  • Notwendig
  • Externe Medien
Erweitert

Hier finden Sie eine Übersicht über alle verwendeten Cookies in externen Medien. Sie können Ihre Zustimmung für bestimmte Cookies auswählen.