10. Juni 2020
Pressemeldungen

Bilanz 2019: VdK erstreitet
2,6 Millionen Euro für Mitglieder

Der Sozialverband VdK Saarland hat im Geschäftsjahr 2019 für seine Mitglieder 2,6 Millionen Euro an Nachzahlungen und Rentenansprüchen erstritten. Die Juristen vertraten mehr als 4000 Mitglieder, darunter Heike Barachino, für die der Sozialverband nach dem Tod ihres Mannes eine Witwen- und Waisenrente erkämpfte.

Landesgeschäftsführer Peter Springborn (Mitte) stellt die Jahresbilanz 2019 der Sozialrechtsberatung vor. Links VdK-Mitglied Heike Barachino, rechts die Teamleiterin der Juristen, Sandra Metzen. | © VdK Saarland

„Schon in normalen Zeiten zeigen unsere Zahlen, dass die soziale Not in unserem Land groß ist. Die Corona-Krise führt uns vor Augen, wie wichtig ein verlässliches Sozialsystem ist“, sagt VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn.

Ende 2019 hat die Zahl der Mitglieder die historische Marke von 50.000 Mitglieder überschritten – so viel wie noch nie seit der Gründung des Verbandes vor mehr als 70 Jahren. „2019 ist die Zahl in allen Verfahrensschritten erneut deutlich gestiegen. Ohne unsere Sozialrechtsberatung kommen viele Menschen in dem komplizierten System nicht weiter. Aufgrund des hohen Bedarfs haben wir unsere Rechtsberatung um zwei Juristen verstärkt“, sagt Springborn.

In den 4223 abgeschlossenen sozialrechtlichen Verfahren erstritt der Verband rückwirkende Nachzahlungen wie zum Beispiel Krankengeld oder Erwerbsminderungsrente in Höhe von 2,6 Millionen Euro. Die Verfahren der VdK-Sozialrechtsberatung umfassen Anträge, Widersprüche, Klagen und Berufungen gegenüber Kostenträgern nach dem Sozialrecht. So helfen die VdK-Juristen Mitgliedern zum Beispiel, wenn ein Grad der Behinderung (GdB) nicht anerkannt, ein medizinisches Hilfsmittel nicht gewährt oder ein Antrag auf Rehabilitation abgelehnt wurde. Neben geldwerten Leistungen erstreitet der VdK auch Nachteilsausgleiche wie etwa die Gewährung eines Parkausweises für Schwerbehinderte.

Die meisten Fälle lagen 2019 im Bereich Schwerbehinderung und der gesetzlichen Rentenversicherung, gefolgt von Krankenversicherung, Pflegeversicherung sowie gesetzlicher Unfallversicherung. Insgesamt haben die zehn hauptamtlichen Juristen und die 17 ehrenamtlichen Berater mehr als 14.000 Beratungsgespräche geführt. Um dem gestiegenen Beratungsbedarf Rechnung zu tragen, hat der Sozialverband in den vergangenen Jahren alle sechs Sozialberatungszentren modernisiert und vergrößert. Dadurch konnten die ehrenamtlichen Beratungsangebote deutlich ausgebaut und auf das ganze Saarland ausgeweitet werden.

Die Ehrenamtlichen arbeiten Hand in Hand mit den VdK-Juristen zusammen und leiten Fälle an die VdK-Juristen weiter, sobald Widersprüche oder Klagen nötig sind. Sie unterstützen beispielsweise dabei, Anträge auf Anerkennung einer Schwerbehinderung oder Erwerbsminderung auszufüllen sowie bei Fragen zu Rente, Grundsicherung, Sozialhilfe oder Pflege.

VdK erkämpfte Witwen- und Waisenrente

Zu ihrem Recht verholfen hat der Sozialverband unter anderem Heike Barachino, die ihren Mann Luciano im Juni 2017 verlor. Der dreifache Familienvater kämpfte rund eineinhalb Jahre gegen Lungenkrebs. Die Erkrankung war maßgeblich durch seine Arbeit als angestellter sowie später selbständiger Terrazzoleger in Folge der Belastung durch Asbestfasern ausgelöst worden. Trotz zahlreicher ärztlicher Belege verweigerte die Berufsgenossenschaft (BG) die Anerkennung als Berufskrankheit, da die berufliche Belastung durch Asbest nach Ansicht der BG nicht ausreichend nachgewiesen war.

Als Luciano Barachino im Alter von 71 Jahren starb, war seine jüngste Tochter erst elf Jahre alt. „Es war eine sehr schwere Zeit. Man begleitet einen geliebten Menschen beim Sterben und muss sich gleichzeitig darum sorgen, wie man eine fünfköpfige Familie versorgt. Mein Mann selbst war nicht mehr in der Lage, um seine Rechte zu kämpfen. Nach seinem Tod weigerte sich die BG, eine Obduktion anzuordnen; ich musste diese durchsetzen und die Kosten zunächst selbst tragen. Diese Situation war extrem belastend und hat mir den Lebensmut genommen, so dass ich in eine Depression gerutscht bin“, sagt Heike Barachino, die ihren Mann in seiner Firma unterstützt hatte.

Im Laufe des Widerspruchsverfahrens kam es zu einer erneuten Begutachtung der Werkstatt und des Geländes. Trotzdem dauerte es noch über ein Jahr bis, nach weiteren Ermittlungen, eine Witwen- und Waisenrente bewilligt wurde. „Dieser Fall ist leider ein klassisches Beispiel dafür, wie lange sich solche Verfahren oft ziehen, manchmal über Jahre und das, obwohl wir immer wieder bei der BG nachhaken. Für die Betroffenen bedeutet das eine große Unsicherheit in einer sowieso schon sehr belastenden Situation“, sagt Sandra Metzen, Teamleiterin der Juristen. „Wir gehen zudem davon aus, dass es eine Vielzahl von Fällen gibt, bei denen Menschen an einer Berufskrankheit leiden, die aber nie als solche erkannt wurden. Vielen Betroffenen, aber auch ihren Ärzten, ist oft nicht bewusst ist, dass eine Krankheit beruflich bedingt ist“, ergänzt Metzen.

Mit der Anerkennung der Berufskrankheit hatte Heike Barachino nicht mehr gerechnet. „Das kam wirklich unverhofft. Ich konnte es zuerst gar nicht glauben. Diese Entscheidung war nur mit Hilfe des VdK möglich. Leider hat mein Mann das nicht mehr mitbekommen. Er hatte keine Hoffnung mehr.“ Dennoch ist Heike Barachino froh, denn es ging ihr nicht allein um die finanzielle Unterstützung: „Wir haben uns immer gesund ernährt, mein Mann hat nicht geraucht. Die Krankheit, die ihn das Leben gekostet hat, hat er durch seinen Beruf erworben. Durch die Anerkennung erfährt ihm nachträglich Gerechtigkeit.“

red

Schlagworte Bilanz | Mitglieder | Nachzahlungen | Schwerbehinderung | Jurist | Beratung | Verfahren | Zahlen | Berufsgenossenschaft | Berufskrankheit

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