22. Oktober 2016
Pressemeldungen

VdK weist in Merzig auf Barrieren hin

Mit einem Aktionstag hat der VdK Saarland auf Barrieren und positive Beispiele von Barrierefreiheit in der Stadt und im Kreis Merzig hingewiesen.

Die VdK-Kreisverbandsvorsitzenden Gerlinde Koletzki-Rau und Lutwin Scheuer mit VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn (von links nach rechts) und VdK-Mitglied Marcel Thimmel (sitzend) | © Foto: VdK


An dem Infostand vor dem historischen Rathaus in der Merziger Fußgängerzone in der Poststraße zeigte der Kreisverband Merzig-Wadern als Organisator, wo Barrierefreiheit gut umgesetzt wird und wo es noch Nachholbedarf gibt. Als besonders negativ fällt der Hauptbahnhof der Stadt Merzig ins Auge, an dem die Arbeiten für einen barrierefreien Zugang immer noch im Gange sind, obwohl der Umbau bereits im Frühjahr 2016 hätte abgeschlossen sein sollen – sichtbar ist dies an den Bauzäunen vor den neu installierten Aufzügen. Laut Stadt sind technische Probleme bei der Steuerung der Aufzüge der Grund. Der Deutschen Bahn zufolge sollen die Anlagen spätestens im Dezember in Betrieb gehen, derzeit würden die Aufzüge für die Abnahme durch den TÜV vorbereitet.

Der VdK-Kreisverbandsvorsitzende Lutwin Scheuer zeigt das Schild, das Rollstuhlfahrer an der Touristen-Info in Merzig zum Klingeln auffordert | © Foto: VdK

Im Nachhinein die Barrierefreiheit zu schaffen sei teuer, sagte VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn. „Gerade wenn noch Denkmalschutz eine Rolle spielt, geht das richtig ins Geld. Wir wollen erreichen, dass die Barrierefreiheit in Zukunft von vorneherein mit bedacht wird. So entstehen zusätzliche Baukosten von lediglich fünf Prozent.“ Ein großes Problem seien Arztpraxen, von denen 80 Prozent in Deutschland nicht barrierefrei sind. „Gerade die Patienten dort sind oft diejenigen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind“, ergänzt Springborn.

Aber auch Seh- und Hörbehinderte stünden oft vor Grenzen. Er verwies auf eine sehbehinderten-gerechte Ampelanlage im Ortsteil Besseringen, die aus Kostengründen wieder abgebaut werden soll, weil sie zu viel Strom verbraucht. Springborn sprach Merzigs Bürgermeister Marcus Hoffeld darauf an, der zusagte, dass sich die Verkehrskommission noch einmal mit dem Fall beschäftigen werde.

Wir verfolgen das Ziel, Merzig als behindertenfreundliche Stadt permanent weiterzuentwickeln. Vor diesem Hintergrund steht die Kreisstadt Merzig in einem engen und konstruktiven Kontakt mit dem Behindertenbeirat“, erklärte Hoffeld. Als positive Beispiele nannte er ein behindertengerechtes Spielgerät im Merziger Stadtpark und den neuen, barrierefreien Wanderweg an der Saar.

Der VdK-Kreisverband lobte mehrere öffentliche Gebäude der Stadt Merzig. Im neuen Rathaus sind beide Eingänge ebenerdig angelegt, der rückwärtige Eingang verfügt zudem über eine automatische Tür. Das behindertengerechte WC ist mit dem Aufzug erreichbar. Im historischen Rathaus in der Fußgängerzone wurde am Hintereingang eine Rampe installiert, dort befindet sich auch eine automatische Tür. In der Touristen-Information, die sich ebenfalls in der Fußgängerzone befindet, kann bei Bedarf am Hintereingang eine mobile Rampe installiert werden, eine feste Rampe ist in Planung.

Als weiteres positives Beispiel wurde das Seniorenzentrum Von Fellenberg-Stift mit dem Medizinischem Versorgungszentrum Merzig (MVZ) genannt. Der Zugang ist ebenerdig, im Gebäude sind Aufzug und Behinderten-WC vorhanden, vor dem Haus gibt es Behinderten-Parkplätze. In der Merziger Fußgängerzone lobte der VdK bei einem Rundgang den Optiker Apollo, der während den Öffnungszeiten eine mobile Rampe über den zweistufigen Eingang gelegt hat. Gerade in Geschäften und Restaurants in der Innenstadt sind häufig Stufen an den Eingängen zu überwinden.

An der Touristen-Information in Merzig, die sich in einem denkmalgeschützten Gebäude befindet, können Rollstuhlfahrer klingeln. Die Mitarbeiter legen dann am Hintereingang eine mobile Rampe aus. | © Foto: VdK

Als negative Beispiele wurden verschiedene Bushaltestellen in der Stadt und im Kreis gezeigt, die nach wie vor nicht barrierefrei sind. Dazu zählt die Bushaltestelle „Neue Welt“ im Merziger Stadtteil Menningen, wo Marcel Thimmel, VdK-Mitglied und Rollstuhlfahrer, wohnt. Dieser hatte bei der Stadt um einen Umbau gebeten, so dass durch eine Erhöhung des Bordsteins ein ebenerdiges Einsteigen in den Bus möglich ist. Jedoch wurde nicht die Haltestelle „Neue Welt“ neben Thimmels Wohnhaus umgebaut, sondern die Haltestelle „Ortsmitte“ rund 500 Meter oberhalb, die nur über einen steilen Berg zu erreichen ist. „Selbst mit fremder Hilfe kann dieser junge Mann die Haltestelle nicht nutzen“, sagte Lutwin Scheuer, Vorsitzender des VdK-Kreisverbandes Merzig-Wadern.

Die Stadt Merzig erklärte auf Anfrage, dass sowohl bauliche Hindernisse als auch die Frequentierung Gründe seien, dass die Haltestelle noch nicht umgebaut wurde – dies werde allerdings bis 2022 geschehen. Laut Gesetz müssen bis 2022 bundesweit alle Haltestellen barrierefrei zugänglich und nutzbar sein. Pro Jahr würden in Merzig zwei bis drei Haltestellen mit Hilfe von Fördermitteln nach einer Prioritätenliste umgebaut, so die Stadt. Haltestellen in Bereichen von Schulen, Kitas, Krankenhäusern, Altenheimen, ÖPNV-Knoten und zentralen Orten hätten Priorität. Die baulichen Probleme an der Haltestelle bestünden darin, dass sowohl die Gehsteige nicht breit genug seien als auch mehrere Einfahrten betroffen seien.

Erwähnt wurde zudem der Umbau einer Bushaltestelle in Perl-Besch, die an einer Bundesstraße liegt und nur über eine Brücke zugänglich ist (wir berichteten). Auch der Perler Bahnhof, der dringend saniert werden müsste, ist nicht barrierefrei. Ein barrierefreier Umbau sei jedoch für 2018/2019 anvisiert, wie Bürgermeister Ralf Uhlenbruch gegenüber der Saarbrücker Zeitung erklärte.

Mit der bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ macht sich der Sozialverband VdK für eine barrierefreie Gesellschaft stark. In diesem Jahr fanden in allen Landkreisen Aktionstage statt, zuletzt in Saarlouis und in Völklingen, wo eine barrierefreie Hausarztpraxis als Positivbeispiel vorgestellt worden war.

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