6. Oktober 2016
Pressemeldungen

Ohne Stufe ins Sprechzimmer

Bei einem Aktionstag in Völklingen hat der Sozialverband VdK Saarland eine rollstuhlgerechte Hausarztpraxis als positives Beispiel für Barrierefreiheit vorgestellt. Die Praxis von Dr. Ragna Folz-Schmidt im Kirchenfeld 7 in Geislautern ist nach einem Umbau barrierefrei erreichbar.

VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn mit Dr. Ragna Folz-Schmidt (vorne Mitte), rechts Adalbert Weis. | © VdK/Wimmer


Zudem gibt es ein behindertengerechtes WC und einen Behindertenparkplatz. Dennoch ist dieses Beispiel eher die Ausnahme, denn laut einer Umfrage des Verbandes für Ersatzkassen (vdek) ist weniger als ein Drittel der Praxen im Saarland barrierefrei zugänglich.

„Man kommt mit dem Rollstuhl in jeden Raum hinein, es ist keine einzige Stufe zu überwinden“, sagte Adalbert Weis, Vorsitzender des VdK-Kreisverbandes Saarbrücken Land-West, der den Aktionstag anlässlich der bundesweiten VdK-Kampagne „Weg mit den Barrieren“ organisiert hat. Weis wohnt in Geislautern und ist Patient von Folz-Schmidt.

Breite Eingänge

Die Allgemein- und Notfallmedizinerin hatte zunächst zwei Praxen in dem Völklinger Ortsteil betrieben, von der nur eine barrierefrei erreichbar war – allerdings nur über den Hintereingang. So kam der Entschluss, eine neue Praxis anzumieten, wobei die Suche sich über Jahre hinzog. Ihre Ideen zur Barrierefreiheit konnte sie schließlich in den Umbau- und Anbau des ehemaligen Pfarrhauses einfließen lassen, das der Stuckateurfirma Braun gehört und das von dieser komplett saniert wurde.

„Mir ging es nicht allein um Patienten im Rollstuhl, von denen wir zur Zeit drei bis vier haben. Das Problem ist, dass die Menschen immer älter werden und häufiger auf Rollator oder Stock angewiesen sind. Mir war es sehr wichtig, dass die Praxis nach dem Umbau ebenerdig und barrierefrei ist“, erklärte Ragna Folz-Schmidt, die einen eigenen Architekten für die Praxisplanung hinzugezogen und den Grundriss der Praxis mitbestimmt hat. Neben der Eingangstür und dem Notausgang seien auch die Eingänge zum behindertengerechten WC sowie zum EKG-Raum mit einer Breite von 100 Zentimetern so gestaltet, dass auch größere Rollstühle hindurchpassen. Das WC ist mit einer platzsparenden Falttür ausgestattet. Einen Großteil dieser Ausstattung hat die Ärztin, die die Praxis zusammen mit zwei angestellten Ärzten betreibt, selbst finanziert.

Zehn Parkplätze vor dem Haus

Ein weiterer Vorteil des Hauses sind die zehn Parkplätze vor dem Eingang. „In der Praxis und vor dem Haus ist genug Platz, so dass Patienten auch mit dem Auto abgesetzt werden können“, sagt Folz-Schmidt. Eine Besonderheit sei, dass es in beiden WCs eine Durchreiche zum Labor gebe. Dass Barrierefreiheit ein wichtiges Thema ist, sieht die Ärztin in ihrem Alltag: „Wir haben viele ältere Patienten, die verzweifelt sind, weil sie nicht mehr gut gehen können und keinen Fahrstuhl im Haus haben. Sie wissen nicht, wohin.“

Die Hausarztpraxis im Kirchenfeld 7 in Geislautern ist komplett barrierefrei erreichbar. | © VdK

VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn lobte die Praxis als positives Beispiel für Barrierefreiheit, die überall gebraucht werde, und das ermutigen solle. „Für zehn Prozent der Menschen ist Barrierefreiheit unentbehrlich, für 30 Prozent ist sie notwendig, aber für alle ist sie komfortabel", sagte Springborn. Es sei jedoch nach wie vor schwierig, Barrierefreiheit umzusetzen, weil sie in den Bauvorschriften nicht ausreichend verankert sei und viele Architekten zu wenig Kenntnis davon hätten. Ziel müsse sein, die Barrierefreiheit in den Köpfen mitzudenken. Springborn verwies auf den Aktionstag in Saarlouis und die dort vorgestellte Treppe auf dem Ravelin V, die zwar schick aussehe, aber wegen der gefährlichen Rampe, die die Treppe durchschneidet, unbrauchbar sei.

Der Völklinger Bürgermeister Wolfgang Bintz bezeichnete den Umbau als „rundum gelungen“. Durch die Praxis sei die Versorgung der Patienten in Geislautern gesichert. Positiv sei auch, dass an einen eigenen Aufenthaltsraum für die Mitarbeiter gedacht wurde.

Zugang zur Kirche barrierefrei

Bei dem Aktionstag wies der VdK Saarland auf ein weiteres positives Beispiel hin: die barrierefreie Umgestaltung des Umfeldes der Evangelischen Auferstehungskirche in Wehrden. Dort wurde neben dem Treppenaufgang zum Eingang der Kirche bereits eine Fläche gerodet, um eine Rampe zu installieren. Der Weg führt dann stufenlos ins Foyer führen, wo ein Kolumbarium, eine Urnen-Begräbnisstätte, geplant ist.

Mit der bundesweiten Kampagne „Weg mit den Barrieren!“ macht sich der Sozialverband VdK für eine barrierefreie Gesellschaft stark. Im Saarland zeigen die VdK-Kreisverbände an speziellen Aktionstagen Beispiele von Barrieren oder Barrierefreiheit, im September fanden Aktionstage in Saarlouis und Neunkirchen statt.

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10.09.2016 | Maria Wimmer

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