13. September 2016
Pressemeldungen

Politik muss sich für Alleinerziehende stark machen

Knapp 25.000 Kinder im Saarland leben in Hartz-IV-Familien und sind von Armut bedroht, wie aus einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht. Dies sind rund 2.730 Kinder mehr als 2011. Ihr Anteil stieg somit von 15 auf 17,6 Prozent (2015). „Die Politik muss sich endlich stärker für die spezifischen Belange der alleinerziehenden Familien einsetzen", fordert Armin Lang, Landesvorsitzender des Sozialverbandes VdK.

© imago/Manngold


Knapp die Hälfte dieser Kinder (49 Prozent) lebt in alleinerziehenden Familien, dabei handelt es sich überwiegend um alleinerziehende Frauen (92 Prozent).

Der VdK begrüßt deshalb den Vorstoß von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) für eine Ausweitung des Unterhaltsvorschusses. Die Altersgrenze soll von 12 auf 18 Jahre erhöht und die Höchstbezugsdauer von 72 Monaten aufgehoben werden. „Es kann nicht sein, dass Alleinerziehende beziehungsweise ihre Kinder dafür bestraft werden, dass der Partner nicht zahlt“, sagt Lang.

Alleinerziehend zu sein birgt nach wie vor ein hohes Armutsrisiko. Rund 40 Prozent der Alleinerziehenden im Saarland sind auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen – und das, obwohl viele einem Job nachgehen. Zwar lag die Erwerbsquote von Alleinerziehenden im Saarland im Jahr 2014 bei 76 Prozent, allerdings handelte es sich bei 42 Prozent der Erwerbstätigen um Teilzeit-Beschäftigung. Hinzu kommt, dass diese Teilzeit-Beschäftigten, aber auch viele Vollzeit-Beschäftigte, aufstocken müssen und dadurch zu Sozialhilfe-Empfängern werden.

Einer der Gründe für die niedrigen Löhne ist die schlechte Qualifikation: Dies zeigt sich besonders bei den arbeitslosen Alleinerziehenden im Saarland, von denen laut
Zukunftsbündnis Fachkräfte Saar 60 Prozent keinen Bildungsabschluss haben. „Wir brauchen eine Arbeitsmarktoffensive für Alleinerziehende. Diese muss vorrangig die Nachqualifizierung mit anerkanntem Berufsabschluss zum Ziel haben. Eine derartige Initiative kann auch mit dazu beitragen, dem zukünftigen Fachkräftemangel in der saarländischen Wirtschaft entgegenzuwirken“, erklärt Armin Lang.

„Nicht nur, dass arme Kinder auf vieles verzichten müssen und weniger Bildungschancen haben, sie sind zudem in einer Armutsspirale gefangen und häufig auch im Erwachsenenalter arm", ergänzt Lang. Das bilde die Grundlage für zukünftige Armut und werde die Kommunen noch langfristig belasten, wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert werde.

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Schlagworte Armut | Kinderarmut | Kinder | Alleinerziehende | Fachkräftemangel | Unterhaltsvorschuss

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