Sozialverband VdK Rheinland-Pfalz e.V.
16. Juni 2020
Gesundheit

Kommt ein Igel zum Arzt...

Nicht alle Individuellen Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, sollte man von vornherein ablehnen. Patientinnen und Patienten sollten aber beim Arztbesuch kritisch bleiben und sich informieren, ob die jeweilige Zusatzleistung wirklich sinnvoll ist.

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Warum zahlt denn nicht einfach die gesetzliche Krankenversicherung alle ärztlichen Leistungen? Bei Sportmedizin, Reiseuntersuchungen, Schönheitschirurgie oder dem Entfernen von Tattoos liegt die Antwort nahe: Die Solidargemeinschaft aller Versicherten soll nicht für die persönlichen Lebensentscheidungen von Einzelnen aufkommen müssen.

Andere Leistungen werden von manchen Krankenkassen freiwillig übernommen, um dadurch Versicherte zu gewinnen. Dazu zählen beispielsweise Akupunktur, zusätzlicher Ultraschall für Schwangere oder die Erstattung von Naturheilmitteln.

Aber bei vielen Leistungen ist gar nicht belegt, dass sie eine positive Wirkung haben. Das betrifft nicht nur den Bereich der Alternativmedizin: Schon die häufigste IGeL-Leistung, die Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung von Glaukom (grünem Star), stellt laut Studien gar keine zuverlässige Vorhersage dar. Sie kann auch leichte Nebenwirkungen verursachen. Deshalb wird sie vom Fachverband nicht zur Vorsorge empfohlen, und der MDK stuft sie in seinem Informationsangebot „IGeL-Monitor“ als „tendenziell negativ“ ein. Nur bei konkretem Verdacht auf grünen Star ist diese Untersuchung sinnvoll Dann wird sie auch von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Ähnlich ist es bei anderen häufig angebotenen IGeL. Deshalb sollten Patientinnen und Patienten kritisch nachfragen, wenn ihnen eine kostenpflichtige „Vorsorge“-Untersuchung angeboten wird. Ebenso können ein Besuch auf der Internetseite des „IGeL-Monitor“, eine ärztliche Zweitmeinung oder die Nachfrage bei der Krankenkasse helfen, um das Angebot auch als medizinische Laiin oder Laie einzuordnen.

Im Thema des Monats Juli/August 2020 werden die verschiedenen Kategorien ärztlicher Leistungen vorgestellt und erläutert, wie man als Patientin oder Patient reagieren kann, wenn eine IGeL angeboten wird.

Unser Thema des Monats als Broschüre

Moritz Ehl