12. August 2021

„Im Moment funktionieren wir alle noch“

Die Flutkatastrophe an der Ahr hat auch die VdK-Familie nicht verschont. VdK-Mitglieder haben über Nacht alles verloren. Auch die Innenräume der VdK-Beratungsstelle wurden vollständig zerstört, alle Akten und Computer von den Schlammmassen geschluckt. Doch die Solidarität in der VdK-Familie ist groß.

Foto: Deutlich zu sehen: Die Wasserlinie in über zwei Metern Höhe.
Deutlich zu sehen: Die Wasserlinie in über zwei Metern Höhe. | © Michael Finkenzeller

„Alle drei im Flutbereich wohnenden Mitarbeiterinnen der VdK-Beratungsstelle in Ahrweiler haben die Katastrophe überlebt“, sagt Heinz-Wilhelm Schaumann, Vorsitzender des VdK-Kreisverbands Ahrweiler erleichtert. Doch bis er selbst die erlösende Nachricht erhalten hatte, verging mehr als eine Woche. „Ich war von der Außenwelt abgeschnitten, das Funknetz war ausgefallen. 90 Prozent meines Heimatorts Dernau sind zerstört, es gab 20 Tote. Und wir hatten selbst zwei Wochen nach der Flut noch kein fließendes Wasser, kaum Funknetz“, berichtet Schaummann im Gespräch mit der VdK-Zeitung.

Seine Stimme klingt müde, man merkt ihm die Strapazen der letzten Wochen an. „In der Nacht als die Flut kam, bin ich mit meinem Neffen zu einer 94-jährigen Nachbarin geschwommen, vorbei an im braunen Wasser treibenden Autos. Wir mussten die Türe aufbrechen, die Nachbarin lag bereits bis zum Hals im Wasser. Wir konnten sie dann in ein höhergelegenes Stockwerk bringen. Ärztliche Hilfe konnte aber erst am nächsten Tag kommen“, berichtet Schaumann von seinen Erlebnissen.

Der VdK-Kreisverbandsvorsitzende gehört als Beigeordneter der Verbandsgemeinde Altenahr dem örtlichen Krisenstab an. Deshalb muss er das Telefonat mit der VdK-Zeitung immer wieder kurz unterbrechen, weil zum Beispiel jemand von ihm eine Durchfahrtsgenehmigung benötigt. „Hier ist alles zerstört; Straßen, die Eisenbahnstrecke, fast alle Brücken. In unserer VdK-Kreisgeschäftsstelle stand das Wasser drei Meter hoch bis in den ersten Stock.“ Die Räume im Erdgeschoss sind von dem dreckigen Wasser teils kontaminiert und nicht nutzbar.

Schaumann beschreibt die einst grüne Landschaft an der Ahr nach dem Hochwasser als „graue Kieswüste“. Dann klingeln in der Zentrale des Krisenstabs wieder die Telefone und er muss Fragen beantworten. Schließlich fährt er fort: „Im Moment funktionieren wir alle noch. Doch es gab auch schon zwei Suizide in Dernau nach der Flutkatastrophe.“

VdK-Familie hält zusammen

Aber der VdKler kann auch von schönen, ermutigenden Momenten im Krisengebiet berichten. „Ich bin sehr dankbar für die schnelle Hilfe aus dem VdK-Landesverband und auch den anderen Kreisverbänden. Uns wurden nicht nur Räumlichkeiten für die künftige Beratung angeboten, sondern der Vorsitzende des Kreisverbands Altenkirchen, Erhard Lichtenthäler, hat mir sogar seine privaten Zimmer als Unterkunft angeboten“, sagt Schaumann. Auch hätten unzählige Kolleginnen und Kollegen aus den VdK-Kreisverbänden und Rechtsschutzstellen sofort ihre Unterstützung bei der Sozialrechtsberatung angeboten. „Dafür bin ich sehr dankbar, diese Gesten rühren mich sehr!“

Sobald die Zufahrtsstraßen geöffnet waren, machten sich VdK-Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger und Landesgeschäftsführer Rolf Burdack ein Bild der Lage. „Wir lassen unsere VdK-Mitglieder im Kreisverband Ahrweiler nicht allein“, so Jäger. Die rund 800 laufenden Verfahren werden auf 17 andere VdK-Kreisgeschäftsstellen und die Rechtsschutzstellen aufgeteilt. Bis die selbst stark betroffenen Mitarbeiterinnen in Ahrweiler wieder beraten können, übernehmen die vier umliegenden VdK-Kreisverbände Rhein-Lahn, Westerwald, Neuwied und Mayen die telefonische Beratung. „Wir halten die Mitglieder über die Internetseite des Kreisverbands Ahrweiler auf dem Laufenden, wie und wo sie der VdK unterstützt“, sagte Rolf Burdack.

Flutkatastrophe in der Kreisgeschäftsstelle

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  • Das Navi zeigt rot: Zufahrtsstraßen sind großräumig gesperrt.
    Foto: Das Navi zeigt rot: Zufahrtsstraßen sind großräumig gesperrt.
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  • Das Ahrtal von oben: Nur auf den ersten Blick idyllisch.
    Foto: Das Ahrtal von oben: Nur auf den ersten Blick idyllisch.
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  • Der Eingang der VdK-Geschäftsstelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
    Foto: Der Eingang der VdK-Geschäftsstelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
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  • Begutachten die Lage: Landesverbandsgeschäftsführer Rolf Burdack, Kreisverbandsvorsitzender Heinz-Wilhelm Schaumann und Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger (von links).
    Foto: Begutachten der Lage: Landesverbandsgeschäftsführer Rolf Burdack, Kreisverbandsvorsitzender Heinz-Wilhelm Schaumann und Landesverbandsvorsitzender Willi Jäger (von links)
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  • Nachbesprechung im zerstörten Kurviertel unweit der Geschäftsstelle.
    Foto: Nachbesprechung im zerstörten Kurviertel unweit der Geschäftsstelle.
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Katie Scholl-Göttlinger

Schlagworte Kreisverband Ahrweiler | Flutkatastrophe

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