31. Mai 2021

Gesundheits-Apps

Kein Bereich unseres Lebens, für den es keine App gibt. Und so ist es kein Wunder, dass es seit dem Erlass des Digitalen Versorgungsgesetzes 2020 auch die Möglichkeit gibt, die Kosten für einige Gesundheits-Apps von der Krankenkasse erstattet zu bekommen; allerdings müssen die Voraussetzungen stimmen.

Foto: verschiedene Applikationen auf Handy
© pixabay.de

Die Auswahl an Gesundheits-Apps ist riesig, und nur ein kleiner Teil erfüllt die Voraussetzungen der Krankenkassen. Die von ihnen anerkannten Apps finden sich in dem DiGa-Verzeichnis „digitale Gesundheitsanwendungen“.

Welche Apps dort zu finden sind und wie man sie beziehen kann, wird im folgenden dargestellt.

Was ist eine App?

Grundsätzlich versteckt sich hinter dem Begriff der „App“ die Abkürzung für das englische Wort „Application Software“, was mit „Anwendungsprogramm“ übersetzt werden kann.

Ursprünglich wurden damit hauptsächlich Anwendungen für Handys und Tablets bezeichnet, mittlerweile wird der Begriff aber auch für Computer-Programme genutzt.
Es handelt sich in jeden Fall um Anwendungen, mit denen einem vorhandenen Endgerät zusätzliche Funktionen hinzugefügt werden. Um bei dem Beispiel des Handys zu bleiben: im weitesten Sinne handelt es sich um ein Telefon, welchem durch die App „Uhr“ noch die Funktionalität einer Uhr mit verschiedenen Weck-Modi hinzugefügt wurde. Dabei handelt es sich um ein sehr einfaches Beispiel einer Grundfunktion, das Gesamtangebot an Apps ist mittlerweile aber nahezu unüberschaubar, da es für so ziemlich alles eine passende App gibt.
Bezogen werden die Apps in der Regel über den jeweiligen „App-Store“, bei Android-Handys ist das standardmäßig der Google Playstore, bei Apple hingegen der Apple App Store.

Was ist eine Gesundheits-App?

Als Gesundheits-App kann im weitesten Sinne alles bezeichnet werden, was in irgendeiner Form mit der Gesundheit der Nutzerin beziehungsweise des Nutzers zu tun hat.

Eine Unterteilung der Anwendungsgebiete in drei Kategorien verschafft einen ersten Überblick:

  1. Lifestyle-Apps: wie zum Beispiel Fitnesstracker oder Ernährungsratgeber,
  2. Service-orientierte Apps: hierunter fallen die Apps der Krankenkassen selbst, aber auch andere Apps, die zum Beispiel die Verwaltung von Arztterminen erleichtern oder eine Tagebuch-Funktion für Beschwerden anbieten,
  3. Medizinische Apps: sie finden Verwendung bei der therapeutischen Begleitung von Erkrankungen und müssen als Medizinprodukt zugelassen sein.

Im Folgenden fokussieren wir uns auf Apps für Handys und Tablet beziehungsweise auf sogenannte Web-Anwendungen, die über den Browser genutzt werden können.

Arten von Apps

  1. Lifestyle-Apps
    Da die sogenannten Lifestyle-Apps in der Regel keinen staatlichen Qualitätskontrollen unterliegen und frei für jedermann erhältlich sind, werden sie hier keine ausführliche Behandlung erfahren. Kosten für solche Apps sind in der Regel nicht erstattungsfähig durch die Krankenkassen, Ausnahmen werden individuell von den jeweiligen Krankenkassen festgelegt. So werden zum Beispiel die Kosten für die Meditations-App „7Mind“ von vielen Krankenkassen übernommen.
    Hier gibt im Zweifel die jeweilige Krankenkasse Auskunft.
  2. Service-orientierte Apps
    Hierunter fallen hauptsächlich die Apps, die von den Krankenkassen selbst bereitgestellt werden und nur für Mitglieder der jeweiligen Krankenkasse selbst nutzbar sind. Der Funktionsumfang ist bei allen ähnlich, neben der Verwaltung der eigenen Daten können oft auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen so eingereicht oder Bonuspunkte geltend gemacht werden. Darüber hinaus bieten sie eine Tagebuchfunktion zur Protokollierung des Gesundheitszustandes an, Aufzeichnungen von Gewicht etc, sowie oftmals auch eigene Meditationsprogramme oder kleine Video-Kurse zu Themen wie „Ernährung“ oder „Rückenfitness am Arbeitsplatz“.
  3. Medizinische Apps
    Medizinische Apps dienen der Diagnose und Therapie einer Erkrankung. Diese Apps gelten als „digitale Gesundheitsanwendung“ (DiGA) im Sinne der medizinischen Versorgung, wenn sie als Medizinprodukt zugelassen und mit einem CE-Kennzeichen versehen worden sind. Einzelheiten hierzu finden sich unter „Digitale Gesundheitsanwendungen“.

Digitale Gesundheitsanwendungen

Ob Apps als Medizinprodukt zugelassen werden, richtet sich nach der Zweckbestimmung der Verwendung. Die App muss vom Hersteller zur Anwendung von mindestens einem der folgenden Zwecke bestimmt sein:

  • Erkennung, Verhütung, Überwachung, Behandlung oder Linderung von Krankheiten,
  • Erkennung, Überwachung, Behandlung, Linderung oder Kompensierung von Verletzungen oder Behinderungen,
  • Untersuchung, Ersetzung oder Veränderung des anatomischen Aufbaus oder eines physiologischen Vorgangs,
  • Empfängnisregelung.

Dabei ist es für die Zulassung als Medizinprodukt nicht ausreichend, wenn durch die App nur Wissen vermittelt wird, es müssen Interaktionen stattfinden, zum Beispiel in Form von Messungen, Alarmen, Überwachungsfunktionen etc.

Die häufigsten Funktionen bei solchen Apps sind:

  • Entscheidungsunterstützung oder selbständiges Entscheiden zum Beispiel bezüglich therapeutischer Maßnahmen
  • Berechnung zum Beispiel von Medikamentendosierungen
  • Überwachung der Patienten und Datensammlung zum Beispiel durch Messwerterfassung

Sind diese Voraussetzungen dem Grunde nach erfüllt, kann eine Aufnahme in das „Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen“ durch den App-Anbieter beantragt werden. Nach erfolgreicher Prüfung durch das Bundesministerium für Arzneimittel- und Medizinprodukte wird die App dann für einen Testzeitraum von einem Jahr in das Verzeichnis aufgenommen werden.
In diesem Jahr tragen die Krankenkassen die Kosten der App, zugleich müssen die Anbieter nachweisen, dass sie zu einer besseren medizinischen Versorgung der Nutzer:innen beitragen. Können sie diese positiven Versorgungseffekte nachweisen, erfolgt die dauerhafte Aufnahme in das Verzeichnis.

Von einem positiven Versorgungseffekt ist dann auszugehen, wenn sich der gesundheitliche Zustand der Patientin beziehungsweise des Patienten oder aber die Möglichkeiten zum Umgang mit der Erkrankung sich durch die Nutzung der DiGA verbessert.

Ob die Verbesserung durch einen medizinischen Nutzen, also einen direkten Einfluss auf zum Beispiel die Symptome der Erkrankung beziehungsweise der mit ihr verbundenen Beschwerden erreicht wird, oder aber durch sogenannte „patientenrelevante Verfahrens- und Strukturverbesserungen“, durch ein verbessertes Verständnis und einen erleichterten alltäglichen Umgang mit der Erkrankung, spielt dabei keine Rolle.

Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen

Wurden die unter Digitale Gesundheitsanwendungen beschriebenen Hürden erfolgreich genommen, kann die App in dem DiGA-Verzeichnis unter https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis gefunden werden.

Zu jeder App sind folgende grundlegenden Informationen hinterlegt:

  • Hersteller und Name der DiGA
  • falls zutreffend, die an der Zertifizierung als Medizinprodukt beteiligte benannte Stelle
  • medizinische Zweckbestimmung nach Medizinprodukterecht
  • Gebrauchsanweisung für die DiGA nach Medizinprodukterecht

Darüber hinaus wird noch über folgende Punkte informiert:

  • Zielsetzung, Wirkungsweise, Inhalt und Nutzung der DiGA
  • Funktionen der DiGA
  • Hinweise zum Datenschutz und zur Informationssicherheit
  • Informationen über eventuelle Mehrkosten, beispielsweise für Zubehör oder Funktionen, die auf Wunsch hinzugebucht und selbst bezahlt werden müssen
  • Voraussetzungen zur Nutzung der DiGA, beispielsweise Hardwareanforderungen oder Versionen des Betriebssystems

Diese Informationen sollen Patient:in und Ärztin beziehungsweise Arzt dabei unterstützen, gemeinsam eine für die aktuelle Situation passende DiGA auszuwählen und diese dann durch die Ärztin beziehungsweise den Arzt verordnen zu lassen. Für letztere werden noch zusätzliche Informationen vorgehalten, wie zum Beispiel Details der zugrundeliegenden Studien und beteiligte Institutionen.

In dem Verzeichnis kann aber auch von Patientinnen und Patienten allein gesucht werden, dies ist besonders dann relevant, wenn die Patientin oder der Patient in Eigeninitiative eine solche digitale Unterstützung beantragen möchte, ohne dass die Ärztin oder der Arzt dies von sich aus vorschlägt.

Im DiGA-Verzeichnis finden sich zudem noch Informationen zur Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung sowie technische Informationen, anhand derer die Nutzungsmöglichkeiten auf den vorhandenen Endgeräten geprüft werden können.

Apps auf Rezept

Wie eingangs bereits erwähnt wurde, sind mit Inkrafttreten des „Digitale Versorgungs-Gesetz“ 2020 auch Gesundheits-Apps Bestandteils des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen geworden. Das bedeutet aber nicht, dass nun jede beziehungsweise jeder Versicherte Anspruch auf Kostenübernahme für alle gesundheitsbezogenen Apps geltend machen kann.

Im Gegenteil, die Kostenübernahme ist an folgende Voraussetzungen geknüpft:

  1. Die App wurde vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit, Datenschutz und Funktionalität geprüft und in das Verzeichnis für digitale Anwendungen aufgenommen.
  2. Die behandelnde Ärztin beziehungsweise der behandelnde Arzt verordnet eine solche zugelassene Gesundheits- oder Medizin-App verordnet.
  3. Eine begründete Diagnose für den Anwendungsbereich der verordneten App muss vorliegen.

Ärztinnen und Ärzte sind nicht verpflichtet, anwendbare Apps zu verschreiben. Möchte die Patientin oder der Patient eine solche App dennoch nutzen, kann die Verordnung durch die individuell einzuholende Genehmigung der Krankenkasse ersetzt werden. Aber auch hier muss eine entsprechende Indikation nachgewiesen werden, also einen Grund für eine therapeutische oder diagnostische Maßnahme bei bestimmten Symptomen, etwa durch Behandlungsunterlagen.

Wurde die App verschrieben, muss die Patientin beziehungsweise der Patient das Rezept bei der Krankenkasse einreichen und erhält im Gegenzug einen Code, mit dem sie oder er die Berechtigung zum kostenfreien Download beziehungsweise zur Freischaltung der Anwendung erhält und kann mit der Nutzung beginnen.

In jedem Fall empfiehlt es sich, auch den Umgang mit der App, also die Erfahrungen, Fragen oder Veränderungen, immer mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem Arzt zu besprechen.

Nadine Gray

Schlagworte Gesundheitsanwendungen | Apps | Rezept

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