22. April 2021

Barrierefreier Pilgerpfad in der Pfalz

„Pilgern für alle – Barrierefrei unterwegs“ heißt das Büchlein des „Pilgerverlags“, mit dem Menschen mit Behinderung eine Teilstrecke des berühmten Jakobswegs zurücklegen können. Im Interview erläutert Roland Zick, Präsident der St. Jakobus-Gesellschaft Rheinland-Pfalz/Saarland, was einen Pilgerpfad ausmacht, worauf Pilgerinnen und Pilger achten sollten und warum Rheinland-Pfalz ein „Pilger-Transitland“ ist.

© der pilger

Herr Zick, den barrierefreien Pilgerpfad bezeichnen Sie ganz unbescheiden als „Weltneuheit“. Übertreiben Sie damit nicht?
Nein, das ist er tatsächlich! Natürlich haben alle Pilgerwege auch rollstuhlgerechte Abschnitte. Aber ich habe noch nicht gehört, dass es irgendwo eine barrierefreie Strecke von über 100 Kilometern gibt mit allem, was dazugehört: Karten, Wegbeschreibungen, Sehenswürdigkeiten, Toiletten, Bahnhöfe und Unterkünfte.

Wieso haben Sie die Strecke zwischen Worms und Lauterbourg gewählt?
Der barrierefreie Pilgerweg war die Idee unserer Pfälzer Regionalgruppe. Zwanzig Leute haben daran sieben Jahre gearbeitet. Es ist eine wunderschöne Strecke und historisch sehr interessant. Für Pilger waren Domstädte, Kirchen und Klöster immer beliebte Zwischenstationen, und davon gibt es viel zwischen Worms und Lauterbourg. Ein persönlicher Tipp von mir: Wer übernachten möchte, sollte ins Kloster Herxheim gehen. Das wird noch von Nonnen geführt, ist sehr stimmungsvoll und in der Ortsmitte gibt es ein tolles Museum.

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einem „Wanderweg“ und einem „Pilgerweg“?
Ein Wanderweg orientiert sich daran, wo es schön und touristisch ist.

Ihr barrierefreier Pilgerpfad doch auch!

Richtig, aber er ist wie alle Jakobswege auf ein großes Ziel ausgerichtet: Santiago de Compostela, 2400 Kilometer entfernt von Rheinland-Pfalz, neben Mekka der weltweit bekannteste Wallfahrtsort. Der Legende nach liegen dort die Gebeine von Jakobus dem Älteren, einem der zwölf Apostel. Seit Jahrhunderten zieht es Menschen dorthin, und Rheinland-Pfalz war immer ein „Pilger-Transitland“ von Nordosten nach Südwesten: Eifel, Trier, Mosel, Hunsrück, die Nahe-­Glan-Region und die Klosterroute, auf der wir unseren barrierefreien Pilgerweg verankert haben. In Metz laufen diese Wege zusammen, und von dort geht es weiter durch Frankreich nach Spanien. Verkürzt gesagt: Wandern ist Sport, Pilgern ist Spiritualität.

Das klingt, als dürfe man nur pilgern, wenn man gläubig ist.
Nein. Das war der ursprüngliche Zweck, aber heute ist mit „Spiritualität“ mehr die Grundeinstellung gemeint: Zur Ruhe kommen, loslassen, entschleunigen, Gemeinschaftsgeist erleben, Gleichgesinnte treffen, sich gegenseitig helfen und miteinander unterwegs sein. Der kürzlich verstorbene Theologe Hans Küng hat in seinen Schriften nie die Religion an erste Stelle gestellt, sondern immer die Gemeinschaft über alle äußeren und inneren Grenzen hinweg. Modernes Pilgern ist genau das, eine echte Solidarbewegung, und zwar für alle Menschen.

Da war der barrierefreie Pilgerpfad ein logischer Schritt...
Genau! Nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für Eltern mit Kinderwagen oder Omas und Opas, die mit ihren Enkeln pilgern möchten.

Der Anfang ist also gemacht. Wo kann man den Pilgerführer kaufen?

Überall, für 14,90 Euro!

Das Interview führte Michael Finkenzeller

Schlagworte Pilgern | Barrierefreiheit

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