15. März 2021

Corona: Herausforderungen fürs Gebärdensprachdolmetschen

Wenn Regierungen etwas Wichtiges zur Corona-Krise mitteilen, übersetzen oft Gebärdensprachdolmetscher:innen die Informationen. Auch für sie waren manche Fachbegriffe der Pandemie zunächst ungewohnt.

© Andi Weiland/Boehringer Ingelheim/Gesellschaftsbilder.de

Hamstern, Triage, Lockdown: Mit der Corona-Pandemie sind neue Schlagwörter aufgekommen, die das Gebärdensprachdolmetschen vor Herausforderungen gestellt haben. "Neue Begriffe sind für uns neue Vokabeln, wie in anderen Fremdsprachen", sagte Stefanie Straub vom Berufsverband der ebärdensprachdolmetscher:innen Rheinland-Pfalz. Dabei übernehme man die Begriffe von den Gebärdensprachnutzern.

Ihre Kollegin Wibke Kellermann vom Berufsverband sagte: "Wie Journalisten auch, erfahren wir neue Begriffe häufig aus Pressekonferenzen oder Nachrichten. Wenn diese in Gebärdensprache gedolmetscht werden, können wir die neuen Gebärden direkt übernehmen." Die Begriffe würden bei der Einführung meist mit dem
Fingeralphabet buchstabiert und dann gebärdet.

Dolmetscher:innen erfinden Wortschöpfung nicht

Grundsätzlich entstünden die Gebärden für neue Begriffe in der sogenannten Tauben Community (Gemeinschaft) oder in der Community der Gebärdensprachnutzer ("Signer"). "Außerdem gibt es verschiedene Arbeitsgruppen aus tauben und hörenden Sprachwissenschaftlern sowie Pädagogen, Dozenten und auch Gebärdensprachdolmetschern, die sich mit diesen Wortneuschöpfungen auseinandersetzen", erläuterte Stefanie Straub. "Das heißt, wir Dolmetscher erfinden sie nicht."

Wibke Kellermann sagte, Corona-Schutzmasken seien derzeit ein Hindernis bei der Arbeit. Im Berufsverband gebe es einen regelmäßigen Austausch über die Erfahrungen mit dem Dolmetschen mit Mund-Nasen-Schutz. "Die Maskenpflicht ist allein schon ein Hindernis, da Mimik und Mundbild ein wichtiger Teil der Deutschen Gebärdensprache sind." Für taube Menschen sei eine Maske oft eine zusätzliche Einschränkung in der Kommunikation. "Da kann der Einkauf beim Bäcker schon zum Hindernis werden."

Nach der aktuellen Coronaverordnung von Rheinland-Pfalz darf die Maske in bestimmten Situationen abgenommen werden, soweit zur Kommunikation erforderlich.

Barrierefreier Zugang zu Infos ist wichtig

Die Gebärdensprachdolmetschenden seien noch auf der Suche nach der idealen transparenten Maske, sagte Straub. "Es gibt verschiedene Modelle, die teilweise beschlagen oder leicht verkratzen. Sie helfen
aber auf jeden Fall weiter, auch wenn sie noch keinen vollen FFP2-Standard aufweisen."
Ideal ist ein großer Raum, in dem Abstände gewahrt werden könnten und Dolmetscher die Masken ablegen können.

"Zudem haben Online-Einsätze stark zugenommen. Was am wichtigsten ist: Gebärdensprachnutzer brauchen dringend barrierefreien Zugang zu allen Informationen, ob zum Thema Covid oder rund um das Impfen", sagte Straub. Der Deutsche Gehörlosenbund mache sich dafür stark.

dpa

Schlagworte Gebärdensprache | Barrierefreiheit | Corona

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