18. Januar 2021

Job weg nach Kurzarbeit – was nun?

Im Jahr 2020 waren in Deutschland so viele Menschen in Kurzarbeit wie noch nie zuvor – im April waren es sechs Millionen Beschäftigte, deren Arbeitszeit im Schnitt zu 48 Prozent ausfiel. Wegen der Pandemie wurden die Zugangsvoraussetzungen sowohl zum Kurzarbeitergeld als auch zum Arbeitslosengeld erleichtert. Damit soll die soziale Absicherung der Beschäftigten verbessert werden. Ein Überblick:

Symbolfoto: Außenansicht der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit
© Bundesagentur für Arbeit

Insolvenzgeld

Bei Insolvenz des Arbeitgebers zahlt die Arbeitsagentur zunächst für bis zu drei Monate Insolvenzgeld, um ausgefallenes Arbeitsentgelt auszugleichen. Es muss innerhalb von zwei Monaten nach Feststellung der Insolvenz bei der Arbeitsagentur beantragt werden.

Arbeitslosengeld

Die Zugangsvoraussetzungen für das Arbeitslosengeld wurden bis Ende 2022 heruntergesetzt. Kommt es zu einer Kündigung, ohne dass der Arbeitgeber Insolvenz angemeldet hat, besteht Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG), wenn:

  • Die oder der Gekündigte sich arbeitslos meldet,
  • sich den Vermittlungsbemühungen zur Verfügung stellt und
  • in den letzten fünf Jahren mindestens sechs Monate in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat (dafür zählt auch der Bezug von Kurzarbeitergeld, von Lohnersatzleistungen wie zum Beispiel Krankengeld, sowie Kindererziehungszeiten und häusliche Pflege von Angehörigen).

Achtung: Wer einen Minijob ausübt, hat daraus keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Dauer des Arbeitslosengeldes


Drei Monate

Vier Monate

Fünf Monate

Sechs Monate

Acht Monate

Zehn Monate

Zwölf Monate

Für über 50-Jährige wird bei noch längerer Einzahlung das ALG auch entsprechend noch länger gezahlt.

Das Arbeitslosengeld beträgt 60 Prozent des vorherigen Nettoentgelts, bei Versicherten mit Kind sind es 67 Prozent. Für die Zeit der Kurzarbeit wird dabei trotzdem das Entgelt zugrunde gelegt, das man regulär erzielt hätte, sodass man auch nach längerer Kurzarbeit keine Einbußen beim ALG befürchten muss.

Wichtig ist die sofortige Arbeitslosmeldung bei der örtlichen Arbeitsagentur (das geht auch online), innerhalb von drei Tagen nach Erhalt der Kündigung oder spätestens drei Monate vor Auslaufen eines befristeten Vertrags. Das Arbeitslosengeld ruht zunächst, wenn man einen Aufhebungsvertrag mit einer Abfindung unterschrieben hat. Bei einer ordentlichen Kündigung mit Einhaltung der Kündigungsfrist erhält man dagegen sofort ALG.

Grundsicherung

Wer nicht die Voraussetzungen für das Arbeitslosengeld erfüllt oder seinen Anspruch bereits erschöpft hat, kann Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende beantragen, auch “Arbeitslosengeld II” oder umgangssprachlich “Hartz IV” genannt. Bei dieser Leistung werden jedoch Einkommen und Vermögen aller Haushaltsmitglieder geprüft, und nur Bedürftige erhalten Leistungen zur Sicherung des Existenzminimums. Zuständig sind die Jobcenter.

Krankenversicherung

Während Bezieher:innen von Kurzarbeitergeld noch regulär als Beschäftigte Mitglied der verschiedenen Sozialversicherungen sind, kommt während des Bezugs von Arbeitslosengeld die Arbeitsagentur für Beitragszahlungen in die gesetzliche Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung auf. Privat Versicherte können in der Regel in den Basistarif ihrer Krankenversicherung wechseln.

Solange der Anspruch auf ALG festgestellt wurde, aber beispielsweise wegen einer Abfindung ruht, gilt zunächst für einen Monat ab Ende der Beschäftigung der “nachwirkende Versicherungsschutz” in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sofern der Ruhenszeitraum länger andauert, kann man gesetzlich krankenversichert bleiben, indem man sich über die Ehepartnerin beziehungsweise den Ehepartner beitragsfrei familienversichert, oder indem man eine freiwillige Weiterversicherung mit seiner Krankenkasse eingeht.

Während des Bezugs von Grundsicherung zahlt das Jobcenter ebenfalls die Beiträge in die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Beiträge in die Rentenversicherung werden in diesem Zeitraum dagegen nicht übernommen.

Qualifizieren

Sowohl den Zeitraum der Kurzarbeit als auch den Bezug von Arbeitslosengeld kann man zur Weiterbildung nutzen. Die Arbeitsagenturen fördern dies durch Bildungsgutscheine, außerdem wird während einer von der Arbeitsagentur geförderten Weiterbildungsmaßnahme das ALG weitergezahlt.

Alternativ können Arbeitgeber eine:n Arbeitnehmer:in auch für eine Bildungsmaßnahme freistellen, statt sie oder ihn in die Kurzarbeit zu schicken. Die Arbeitsagentur kann dann einen Zuschuss zu den Lohnkosten zahlen.

Wer bereits vor Beginn der Kurzarbeit eine berufsbegleitende Weiterbildung begonnen hat, kann diese fortführen. Anders sieht es aus, wenn die Weiterbildung ganz oder teilweise während der Arbeitszeit angesetzt ist. Da Kurzarbeitergeld nur für die aus wirtschaftlichen Gründen entfallende Arbeitszeit gezahlt wird, und nicht für die Freistellung zur Weiterbildung, sind gesonderte Bedingungen mit der Arbeitsagentur abzusprechen.

Gut zu wissen

Sozialversicherungsleistungen wie das Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld oder Insolvenzgeld sind selbst steuerfrei. Sie erhöhen jedoch unter Umständen den Steuersatz, der auf das übrige Einkommen angewendet wird (Progressionsvorbehalt) und müssen daher in der Steuererklärung angegeben werden. Eine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung gilt für Arbeitnehmer:innen unter anderem, wenn sie mehr als 410 Euro an derartigen Sozialleistungen in einem Kalenderjahr bezogen haben.

Moritz Ehl

Schlagworte Kurzarbeitergeld | Corona | Arbeitslosigkeit | ALG II

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