21. September 2020

Kurzarbeitergeld

Kurzarbeitergeld, was ist das? Wer bekommt es? Welche Folgen hat es für die Steuer und meine spätere Rente? Hier ein Überblick:

Ein Holzstempel mit der Aufschrift genehmigt auf einem Antrag auf Kurzarbeit
© Wolfilser/stock.adobe.com

Was ist das?

Das Kurzarbeitergeld ist eine Leistung der Agentur für Arbeit, um Entlassungen zu vermeiden, wenn Betriebe kurzfristig geringeren Bedarf an Arbeitskräften haben, zum Beispiel während einer Wirtschaftskrise. Der Arbeitgeber meldet dabei den Bedarf an und erhält auch die Leistung überwiesen, die mit der üblichen Gehaltsabrechnung an die Mitarbeitenden ausgezahlt wird. Durch die Corona-Krise wurde das Kurzarbeitergeld so stark beansprucht wie noch nie zuvor. Im Mai 2020 waren 6,7 Millionen Menschen betroffen.

Voraussetzungen

Ein Arbeitgeber kann Kurzarbeit anordnen, wenn beispielsweise Personal- oder Lieferengpässe im Zusammenhang mit dem Corona-Virus auftreten und dadurch für eine bestimmte Zeit weniger Arbeit anfällt. Bis 31. Dezember 2021 können auch Betriebe in Kurzarbeit gehen, bei denen nur zehn Prozent der Beschäftigten betroffen sind.

Dies gilt auch, wenn ein Betrieb wie Frisörläden oder Kosmetikstudios auf behördliche Anordnung schließen müssen. Betriebe müssen die Kurzarbeit bei der zuständigen Agentur für Arbeit anmelden. Diese prüft dann die Voraussetzungen für eine Gewährung. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer selbst müssen keinen Antrag stellen.

Normalerweise kann die Kurzarbeit bis zu 12 Monate dauern. Bis Dezember 2021 ist die Höchstdauer auf 24 Monate verlängert worden.

Im Normalfall müssen Unternehmen alles tun, um zu vermeiden, dass es zu Kurzarbeit kommt. Spielräume von Arbeitszeitkonten müssen genutzt werden. Man muss mit seinem Zeitkonto aber nicht ins Minus gehen.
Nicht ohne Zustimmung

Nur sozialversicherungspflichtige Beschäftigte haben Anspruch. Wurde ein Arbeitsverhältnis bereits gekündigt, kann kein Kurzarbeitergeld mehr gezahlt werden.

Gibt es bisher keine Regelung zur Kurzarbeit im Arbeits- oder Tarifvertrag, müssen die Beschäftigten der Kurzarbeit zustimmen. Dazu muss jede und jeder Einzelne eine entsprechende Zustimmungserklärung unterschreiben. Ist man zum Beispiel wegen der Corona-Pandemie im Home-Office, muss die Zustimmungserklärung postalisch zugestellt werden.

Höhe

Zunächst einmal muss festgelegt werden, wie viel Arbeitszeit individuell wegfällt und wie groß dementsprechend die Gehaltslücke ist, die aufgefüllt werden muss. Im Extremfall wird die Arbeit eine Zeitlang vollständig eingestellt, man spricht dann von „Kurzarbeit null“.

Damit die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer den Lebensunterhalt bestreiten kann, stockt die Arbeitsagentur um das Kurzarbeitergeld in Höhe von zunächst 60 Prozent des entgangenen Nettolohns auf. Wer Kindergeld für ein eigenes oder ein Pflegekind erhält (also auch über das 18. Lebensjahr hinaus während einer Ausbildung, eines Freiwilligendienstes oder einer Behinderung), erhält eine höhere Leistung von 67 Prozent des entgangenen Verdienstes.

Tipp: Hier können Betroffene berechnen, wie ihr Einkommen während der Kurzarbeit ausfallen wird.

Das Kurzarbeitergeld wird durch den Arbeitgeber an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezahlt. In einigen Tarifverträgen sind besondere Regelungen für den Fall der Kurzarbeit vereinbart. Das gilt beispielsweise für den öffentlichen Dienst der Kommunen. Je nach Entgeltgruppe sollen Beschäftigte dort inklusive Kurzarbeitergeld 90 oder 95 Prozent des Nettoentgelts bekommen.

Steuerliche Auswirkungen

Auf das Kurzarbeitergeld selbst muss keine Einkommenssteuer bezahlt werden. Es wirkt sich allerdings durch den sogenannten „Progressionsvorbehalt“ aus, so wie auch der Bezug von Arbeitslosengeld, Elterngeld, Krankengeld, Übergangsgeld oder Verletztengeld.

Das führt dazu, dass bei der Berechnung des individuellen Steuersatzes, der auf das steuerpflichtige Einkommen angewendet wird, auch die Höhe des Kurzarbeitergeldes mit einfließt. Auf das übrige Einkommen müssen also möglicherweise durch die Kurzarbeit höhere Steuern gezahlt werden. Es wird empfohlen, für eine eventuelle Steuernachzahlung monatlich 50 bis 100 Euro zurückzulegen.

Wer innerhalb eines Jahres mehr als 410 Euro an steuerfreien Lohnersatzleistungen bezieht, darunter auch das Kurzarbeitergeld, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

Hinzuverdienst

Während der Kurzarbeit kann man eine geringfügige Beschäftigung (Minijob oder kurzfristige Beschäftigung bis 102 Arbeitstage beziehungsweise vier Monate, bis 31. Oktober 2021) aufnehmen, ohne dass das hinzuverdiente Arbeitsentgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet wird. Diese Regelung gilt noch bis zum 31. Dezember 2021.

Die gelockerten Hinzuverdienstregelungen sollen Betroffenen helfen, während des Kurzarbeitergeldbezuges finanzielle Einbußen auszugleichen. Die Aufnahme einer Nebenbeschäftigung und deren Höhe müssen dem Haupt-Arbeitgeber allerdings angezeigt werden.

Zudem sind Minijobs bis 450 Euro generell anrechnungsfrei.

Erkrankung während Kurzarbeit

Es sind grundsätzlich zwei Fallkonstellationen zu unterscheiden.
1. Die Arbeitsunfähigkeit ist bereits vor dem Zeitraum der Kurzarbeit eingetreten:
Besteht für die Zeit der Arbeitsunfähigkeit noch ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber, wird für die Zeit der Arbeitsausfälle (das heißt für Zeiten, an denen bei Arbeitsfähigkeit gearbeitet worden wäre) die Entgeltfortzahlung gewährt. Für die durch Kurzarbeit bedingten Ausfallzeiten erhält man Krankengeld in Höhe des Kurzarbeitergeldes. Dieses Krankengeld wird ebenfalls durch den Arbeitgeber in Vorleistung ausgezahlt.
Besteht kein Anspruch mehr auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, besteht ein grundsätzlicher Anspruch auf Krankengeld gegenüber der zuständigen Krankenkasse, berechnet aus dem letzten abgerechnete Entgeltabrechnungszeitraum vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit.
2. Die Arbeitsunfähigkeit tritt erst mit oder während der Kurzarbeit ein:
Auch hier gilt: Besteht für die Arbeitsunfähigkeit noch ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall durch den Arbeitgeber, wird für die Zeit der Arbeitsausfälle die Entgeltfortzahlung gewährt. Für die durch Kurzarbeit bedingten Ausfallzeiten erhält man hier jedoch Kurzarbeitergeld.
Ist ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall nicht mehr oder noch nicht gegeben, besteht ein grundsätzlicher Anspruch auf Krankengeld durch die Krankenkasse. Für die Krankengeldberechnung ist der Entgeltabrechnungszeitraum vor Beginn der Kurzarbeit maßgebend.

Arbeitslosengeld nach Kurzarbeitergeld

Durch Kurzarbeitergeld werden die Ansprüche auf Arbeitslosengeld (ALG) nicht verbraucht. Wer nach einem Jahr Kurzarbeit seinen Job verliert, hat meist noch immer Anspruch auf zwölf Monate ALG – Arbeitnehmer ab 50 Jahren sogar noch länger.

In der Kurzarbeit gezahlter Teilzeitlohn wird bei der Berechnung des (ALG) nicht berücksichtigt. Die Leistung fällt meist so hoch aus, als ob es gar keine Kurzarbeit gegeben hätte.

Auswirkungen auf die spätere Rente

Die geringeren Rentenversicherungsbeiträge während des Zeitraums der Kurzarbeit wirken sich nur in geringem Maße auf die spätere Rente aus. Der Arbeitgeber ist nämlich verpflichtet, den Beitrag auf der Basis von 80 Prozent des ausgefallenen Verdienstes aufzustocken.

Wer bislang 3.000 Euro Bruttolohn im Monat verdient hat und ein ganzes Jahr lang zu 50 Prozent in Kurzarbeit muss, dessen Rentenanspruch verringert sich so nur um drei Euro monatlich.

Bei der betrieblichen Altersvorsorge kommt es darauf an, ob ein gewisser Prozentsatz des Gehalts eingezahlt wird, oder ob ein monatlicher Betrag in Euro festgelegt wurde. Sofern man es sich leisten kann, empfiehlt sich, einen solchen festen Beitrag auch weiterhin in gleicher Höhe einzuzahlen. Wenn sie aber aufgrund der Kurzarbeit in finanzielle Schwierigkeiten geraten, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihren Umwandlungsbeitrag während der Kurzarbeit auch herabsetzen lassen oder ganz

Moritz Ehl

Schlagworte Kurzarbeitergeld | Kurzarbeit

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